Gateway Administration und Meter Data Management

Die Gesellschafter und Kunden des Gateway Administrations-Dienstleisters GWAdriga werden "Smart Meter Gateway-Ready" und können so frühzeitig in den Rollout starten. Die Software liefert die BTC AG aus Oldenburg.

Mit dem Digitalisierungsgesetz steht fest, dass der Rollout in Deutschland kommt. Bereits im Vorfeld haben sich Rheinenergie, EWE und Westfalen Weser Netz mit ihren rund 480.000 Pflichteinbaufällen auf die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens GWAdriga verständigt. Ziel der GWAdriga ist es, die Aufgaben der Gateway Administration (GWA) und des Meter Data Managements (MDM) zu bündeln und zusätzlich Mehrwertdienste anzubieten.

PROJEKT-SETUP


Das Teilprojekt wird über folgende Arbeitspakete umgesetzt:

  • Softwarelösung: Auslieferung und Implementierung der Funktionen der Test- und Produktivsysteme für GWA und MDM
  • Infrastrukturaufbau/Betrieb: Koordination der Systeminstallation und -anbindung über Partner sowie Systemanbindung der Kunden
  • Prozess- und Funktionstests: Prozessbeschreibung (auf Basis TR03109-6) sowie Begleitung von Funktions- und Prozesstests
  • Zertifizierung: Aufbau und Etablierung des notwendigen ISMS inkl. Abstimmung der erforderlichen Unterlagen und Prüfungen
  • Integration: Bereitstellung und Ausprägung der Standard-Schnittstellen der BTC | AMM-Produkte zur Integration mit den Systemen der Stammhäuser (unter anderem auf Basis SAP IM4G Intelligent Metering for German Energy Utilities)
Nach Gründung der Gesellschaft im Sommer 2016 geht es nun darum, im Teilprojekt "IT & Prozesse" die Betriebsprozesse auf Basis einer IT-Infrastruktur bereitzustellen. Als IT-Partner und Lösungsanbieter wurde dafür die BTC AG aus Oldenburg ausgewählt. Sie stellt ihre Softwarelösungen BTC | AMM Gateway Manager und BTC | AMM Meter Data Manager bereit, die in den zertifizierten Rechenzentren der BTC als Software-as-a-Service betrieben und durch die GWAdriga genutzt werden.

Klare Zielsetzung

Das Gesamtziel ist klar definiert: Zum Rollout- Start 2017 steht ein zertifiziertes funktionsfähiges GWA-/MDM-System produktiv bereit, auf dem die ersten intelligenten Messsysteme und Prozesse stabil arbeiten.

Im Teilprojekt "IT & Prozesse" ist eine IT-Systemlandschaft bereitzustellen, mit der GWAdriga in der Lage ist, rechtskonform, zertifiziert und effizient die Leistungen für GWA und MDM für ihre Kunden zu erbringen. Sichtbarer Meilenstein ist der erfolgreiche Abschluss der Zertifizierung als Gateway-Administrator.

Dazu gehört auch die Anbindung der Gesellschafter und weiterer Kunden der GWAdriga. Denn erst durch höchste Automatisierung zwischen den IT-Systemen über Unternehmensgrenzen hinweg lassen sich Prozesseffizienz und Skaleneffekte erreichen. Nur so lässt sich die gesetzliche Preisobergrenze einhalten und - besonders wichtig aus Kundensicht - Luft nach oben schaffen für innovative Geschäftsmodelle.

Ablauf und Erfahrungen

LESSONS LEARNED


Wichtige praktische Erfahrungen im Projekt:

  • Projektierungsgrundlagen zum Management von Kooperationen und unterschiedlichen Erwartungshaltungen sind immer noch wichtig
  • Gerade Nicht-TR-relevante Prozesse besitzen eine hohe Komplexität, sind zudem oft nicht standardisiert und daher mit ausreichendem Vorlauf zu analysieren.
  • Bisweilen existieren sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie eine prozessuale und systemseitige Umsetzung solcher "Freiheitsgrade" auszugestalten ist. Bereits die Frage, in welchem System der Prozess abgebildet ist, beschäftigt die Akteure. Hier ist eine strukturierte und partnerschaftliche Vorgehensweise essentiell.
  • Es ist notwendig, Handlungsanweisun- gen und betriebsprozessbeschreibende Dokumente so konkret wie möglich zu beschreiben. Ein Vorgehen nach der SMART-Formel - spezifisch, messbar, ausführbar, realistisch, terminierbar - ist hier ergebnisorientiert.
Die Projektumsetzung folgt wesentlich den Anforderungsgruppen der BSI TR 03109-6 an Prozesse, Software und Betrieb und realisiert Projektsynergien soweit wie möglich.

Im Rahmen der Abbildung der Prozessanforderungen nach BSI TR 0319-6 erfolgt die schrittweise Analyse der Anforderungslage und das Erstellen von Lösungskonzepten auf Grundlage von BPMN (Business Process Model and Notation, ein deutsches Geschäftsprozessmodell). Daraus leiten sich die Handlungsanweisungen ab, die zertifizierungsrelevant sind. Die frühe Einbindung eines Auditors liefert konkrete Hinweise auf den Qualitätsstand der Dokumentation in Bezug auf die Detailtiefe.

Analog hierzu erfolgt die Abbildung der Softwareanforderungen unter Berücksichtigung der BSI TR 03109-6 auch unter markt- und effizienzgetriebenen Aspekten. Es ist sicherzustellen, dass die erforderlichen Funktionen tatsächlich in der zertifizierungsfähigen Art und Weise abgebildet und verfügbar sowie effizient nutzbar sind. Der Aufbau der ISO-27001-zertifizierten IT-Services sowie die Abbildung der Sicherheitsanforderungen im Informations-Sicherheits- Managementsystem erfolgen maßgeblich durch die BTC AG. Als Herausforderung zeigen sich die Feinheiten im Aufbau der IT-Architektur: Hier geht es zunächst um die konkrete Ausgestaltung der Dienste-Trennung und Sicherheitszonen, was für sich genommen "business as usual" darstellt. Dabei ist jedoch besonderes Augenmerk auf die zwischen den unterschiedlichen Rollen ablaufenden Prozesse (zum Beispiel für die Bereitstellung von Firmware oder von Informationen zur Störungsanalyse und -behebung) zu legen.

Daneben stellt sich auch die Frage der unterschiedlichen Umgebungen: Neben der Produktivumgebung wird großer Wert auf die Akzeptanzumgebung gelegt, um die entsprechenden Softwaretests und die Integration mit den Backendsystemen (unter anderem SAP IS-U auf Basis IM4G) durchzuführen. Über das Setup einer sogenannten "3-Wochen-Umgebung" inklusive Backendanbindung besteht zudem die Möglichkeit für die Auftraggeber, im Rahmen eines agilen Verfahrens schon frühzeitig aktuellste Softwareentwicklungen nachzuvollziehen und mit zu testen. Daneben steht die Etablierung eines ISMS für die GWAdriga im Fokus. Dies bedeutet aus Sicht der BTC das Erstellen, Aufbereiten und Sammeln zertifizierungsrelevanter Informationen und ihre Abbildung innerhalb des ISMS der GWAdriga und stellt eine wesentliche Grundlage für den Zertifizierungsprozess dar. Es wird erwartet, dass die Zertifizierung zum Jahresende 2016 abgeschlossen sein wird.

Das große Finale - und dann?

Die für den Jahreswechsel zu erwartende Zertifizierung der GWAdriga als GWA-Dienstleister ist ein wichtiger Meilenstein innerhalb des Gesamtprojektes. Formal ist hierdurch die Lieferfähigkeit der GWA-Dienstleistung inklusive der Teilnahme an der Smart Meter Wirk-PKI (PKI, Public Key Infrastruktur) sichergestellt. In Verbindung mit den Integrationsleistungen wird zudem die automatisierte sowie system- und organisationsübergreifende Abbildung von GWA-Prozessen sichergestellt. Und erst diese bildet eine wichtige Voraussetzung für Messstellenbetreiber wie den Gesellschaftern der GWAdriga sowie weiteren Kunden bis hin zu Forschungsprojekten (wie etwa enera), um einen effizienten Betrieb innerhalb der Preisobergrenzen zu gewährleisten und neue Mehrwert-Dienste zu ermöglichen.

Zugleich stehen weitere Vorgaben vor der Tür und neue Kunden sind an die Serviceplattform der GWAdriga anzubinden. Das heißt: nach dem Projekt ist vor dem Projekt.

Für den Inhalt verantwortlich:
BTC Business Technology Consulting AG
26121 Oldenburg
www.btc-ag.com