"Allein ist es kaum zu schaffen"

Peter Backes kennt den Messstellenbetrieb aus langjähriger Erfahrung und hat sein Unternehmen schon früh für das intelligente Messwesen gerüstet.

50,2: Herr Backes, wo stehen die deutschen Stadtwerke und Netzbetreiber heute mit Blick auf den Rollout?

Peter Backes: Große Netzgesellschaften sind meines Erachtens nach gut vorbereitet und somit handlungsfähig. Gleiches kann man für viele kleinere Stadtwerke noch nicht in Gänze behaupten. Und das ist auch gut nachvollziehbar, denn jedwedes vorauseilende Handeln entbehrte bis zum 02.09.2016 jeglicher gesetzlichen Grundlage und selbst Stand heute sind wesentliche Parameter noch nicht klar - Stichwort: Marktkommunikation. Die Mehrheit der KMU-Werke steht deshalb erst am Anfang einer wichtigen Orientierungsphase, innerhalb der die traditionellen MSB-Prozesse genau analysiert und fortgeschrieben werden müssen. Make or Buy? Das ist jetzt die Stunde der Beratungshäuser. Am Ende dieser Phase werden bei den Unternehmen die wesentlichen Entscheidungen getroffen. Dieser wichtige Transformationsprozess wird bei den meisten Unternehmen sicherlich nicht mit großer Leichtigkeit und Freude vollzogen - aber gibt es eine Alternative? Deswegen erwarten wir spätestens ab Mitte 2017 auch bei den KMU-Werken die erforderliche Handlungsfähigkeit in der Sache.

Welches wären denn sinnvolle erste Schritte auf diesem Weg?

Alleine ist der Rollout für kleine und mittlere Unternehmen wegen der Preisobergrenzen nur sehr schwer zu schaffen. Ich denke daher, dass es notwendig ist, Anforderungen zu bündeln und zudem einen passenden, verlässlichen Partner zu finden.

Wie sieht der Markt denn in diesem Bereich aktuell aus?

Das Feld geeigneter, qualifizierter Dienstleister für die nun gegebenen Aufgaben ist aktuell überschaubar. Ich rechne daher bei der nun steigenden Nachfrage perspektivisch sogar mit einer Art Anbietermarkt. Hier gibt es zum einen diejenigen Firmen, die originär aus der energiewirtschaftlichen Software- und Systemherstellerwelt kommen. Und zum anderen diejenigen Anbieter, die originär aus dem Bereich des Messwesens, das heißt des Messstellenbetriebs und der Messdienstleistung kommen.

Woran erkennt ein Stadtwerk denn, ob ein Dienstleister zu ihm passt?

Auf den ersten und zweiten Blick gibt es vermutlich kaum qualitative Unterschiede zwischen den einzelnen Lösungsangeboten. Um diese dennoch zu erkennen und mit Blick auf die individuelle Ausgangs- und Anforderungslage zu interpretieren, bedarf es meines Erachtens nach einer besonderen Expertise. Ich würde daher an dieser Stelle in jedem Fall zur Einbindung eines unabhängigen Experten, eines Fachberaters raten. Und was man nicht vergessen sollte: Die Qualität der generellen, alltäglichen Zusammenarbeit stellt ein überaus wichtiges Kriterium bei der Anbieterauswahl dar - sonstige Qualifikationen bezüglich der Technik, Systeme und Prozesse natürlich vorausgesetzt. Eine solch gänzlich neue, hoch komplexe Aufgabe wie der iMsys-Rollout wird nur gut gelingen, wenn auch alle beteiligten Stellen - und vor allem die Menschen - gut aufeinander eingestellt sind. Hier entsteht Stress, es werden auch Fehler gemacht. Und es muss auch einmal improvisiert werden. Wer sich in diesen Situationen ausschließlich auf Vertragsklauseln, Systemspezifikationen und SLA-Bedingungen stützt und indes die betriebliche Realität eines Stadtwerkes nicht verinnerlicht hat, wird es meiner rund 25-jährigen Berufserfahrung im Stadtwerkeumfeld nach denkbar schwer haben, hier erfolgreich Projekte zu stemmen. Für co.met - übrigens eine 100 prozentige Tochter der Stadtwerke Saarbrücken GmbH - gehört dieser Aspekt mit zu den wichtigsten Anforderungen im Rahmen der Lösung der Gesamtaufgabenstellung.

Peter Backes ist Geschäftsführer des Saarbrücker Messdienstleisters co.met.