Anhand typischer Szenarien erläutert Moderatorin Petra Peschel ein breites Spektrum von Lerninhalten

Anders lernen

Weit über hundert Energieversorger nutzen die Trainigs von CampusONE für die Fortbildung ihrer Mitarbeiter

Ein individuelles E-Learning- Paket stellen die Stadtwerke Winsen/Luhe für jeden Mitarbeiter bereit
Ein individuelles E-Learning- Paket stellen die Stadtwerke Winsen/Luhe für jeden Mitarbeiter bereit

Die Vorgaben des Gesetzgebers und der Märkte an die Energieversorger werden immer umfangreicher und komplexer. Damit die Mitarbeiter in den Unternehmen Bescheid wissen, haben sie sich einmal jährlich einer „Unterweisung Arbeitssicherheit” zu unterziehen. Oder sie lauschen mehr oder weniger begeistert den Empfehlungen des Beauftragten für „Unbundling”. Das müsste doch auch anders gehen, sagte sich bei der EnBW schon vor Jahren ein kleines Team um Thomas Herrmann und Holger Busch und begann, entsprechende E-Trainings zu entwickeln. Diese produziert und vertreibt heute CampusONE, ein Start-up der EnBW, das damit offenbar den Nerv der Branche getroffen hat. Beispielsweise im Städtchen Winsen an der Luhe mit seinen 35.000 Einwohnern. Dessen Stadtwerke legen schon lange großen Wert auf die Fortbildung ihrer Mitarbeiter. Für den eher kleinen Energieversorger kam es nie in Frage, alle Themen selbst abzudecken. Schulungen waren entsprechend oft mit mehrtägigen Reisen verbunden. „Gerade bei Kollegen mit Familie hält sich die Begeisterung dafür in Grenzen“, weiß die Personalverantwortliche Christine Entelmann aus Erfahrung. Im Frühjahr 2015 bot sich die Gelegenheit, das E-Training mit Themen wie „Erfolgreich telefonieren” oder „Compliance” in den eigenen Räumen zu testen. Nicht nur die Module hätten dabei schnell überzeugt. „Auch die Möglichkeit für die Teilnehmer, sich die Zeit flexibel einzuteilen, hat mich sofort angesprochen“.

Einfacher Zugang per Internet

Im Innovations Campus der EnBW in Karlsruhe entstand das Konzept für das E-Learning.
Im Innovations Campus der EnBW in Karlsruhe entstand das Konzept für das E-Learning.

Die Chance, so den wirtschaftlichen und personellen Aufwand deutlich zu verringern, überzeugte auch den kaufmännischer Leiter, Erik Luitjens. Rasch war die Entscheidung gefallen. Bereits im Frühsommer erhielt der Stadtwerke Winsen Campus sein eigenes Gesicht. Parallel erfolgte die gemeinsame Auswahl, wer für welche Lerninhalte frei geschaltet werden sollte. „Für unsere neuen Kollegen schienen uns die Grundlagen der Energiewirtschaft besonders wichtig. Den „alten Hasen” wollten wir die Auffrischung von Softskills mit Angeboten wie ‚Zeitmanagement‘ bieten.“ Seit Juli 2015 besteht für jeden Mitarbeiter der Zugang zu seinem individuellen E-Learning Paket – ohne viel Aufwand über das Internet, via Plug & Play.

Zu regeln war bis dahin auch die Frage, ob der eigene Arbeitsplatz den geeigneten Rahmen bildet. „Wir haben uns für separate Räume entschieden, in denen die Konzentration weder durch Telefonate noch Mails beeinträchtigt wird“, so Christine Entelmann. Sehr zufrieden ist sie mit der Akzeptanz. „Dazu tragen sicher das Branding der Stadtwerke und der Umstand bei, dass die Kollegen im elektronischen ‚Trainingsbereich‘ auch auf viele interne Mitarbeiterinformationen bequem und schnell zugreifen können.“

Das Vorgehen der Winsener machte bei einem Treffen im Februar auch andere Stadtwerke aus der Region neugierig. Wobei Christine Entelmann durchaus noch Wünsche einfallen würden: „Netzmonteure, die unter Spannung arbeiten, könnten sicher auch von E-Learnings profitieren“. Vertiefung und Ausbau Ein derartiges Ansinnen stößt keineswegs auf taube Ohren. Seit einiger Zeit arbeitet das Team an speziellen Modulen, die sich vertieft mit technischen Fragen oder mit Aspekten des Wasserrechts befassen. Mit Rathäusern ist CampusONE ebenso im Gespräch. Arbeitssicherheit oder Umweltschutz spielten schließlich auch in kommunalen Einrichtungen wie Bauhöfen, Forstbetrieben, Kindergärten oder Bädern eine wichtige Rolle. „Wir wollen und müssen uns ständig weiterentwickeln“, betont Thomas Herrmann. „Dazu brauchen wir den Input unserer Kunden und Partner.“

Weit über 100 Energieversorger haben sich seit Freischaltung des ersten Lernprogramms außerhalb der EnBW für Module von CampusONE entschieden. „Dass diese Idee einmal so einschlagen würde, konnten wir uns in unseren kühnsten Träumen nicht vorstellen“ erinnert sich Thomas Herrmann an die ersten Brainstormings mit seinen Mitstreitern. Klar war, wohin die Reise gehen sollte: „Lernen bringt viel mehr, wenn man selbst mitmachen kann und auch noch Spaß dabei hat“. Da es am Markt kein Produkt gab, das den didaktischen Vorstellungen entsprach, wurde man damals selbst aktiv.

Anhand typischer Szenarien erläutert Moderatorin Petra Peschel ein breites Spektrum von Lerninhalten
Anhand typischer Szenarien erläutert Moderatorin Petra Peschel ein breites Spektrum von Lerninhalten

Aus verschiedenen Ansätzen schälte sich bald die Kombination aus Lernprogramm und Prüfungsteil als ideal heraus. Anhand akribisch vorbereiteter, typischer Szenarien in Wort und Bild erläutert Moderatorin Petra Peschel virtuell aber lebendig, was man bei einem Papierkorbbrand als erstes tun sollte oder wie schnell in der heutigen Zeit durch Unwissen ein Korruptionsverdacht entstehen kann. Um das zur Dokumentation für Betrieb und Mitarbeiter wichtige Zertifikat zu erhalten, gilt es dann einen Selbst-Check zu bestehen. Wer die erforderlichen Punkte nicht erreicht, bekommt eine neue Chance – natürlich mit etwas geändertem Fragemuster. Sollte mitten in eine Lerneinheit ein wichtiger Anrufer platzen, kann diese bei Bedarf unterbrochen und jederzeit an gleicher Stelle fortgesetzt werden.

Längst nutzt die ganze EnBW E-Trainings, um ihre Mitarbeiter fit zu machen. Immer neue Themen rund um den Arbeitsalltag in einem EVU kamen dazu: vom „1×1 der Energiewirtschaft” über den Energiehandel bis zur Unterweisung im Hinblick auf die DIN EN ISO 50001.

Stadtwerke Pforzheim stellen auf „Flatrate” um

Vor gut drei Jahren waren die Stadtwerke Pforzheim (SWP) auf die Methode aufmerksam geworden. Christian Schneider, Prokurist und Hauptabteilungsleiter Markt, erkannte schnell die Chance, Mitarbeiter auf den aktuellen Stand zu bringen und gleichzeitig verschiedene Lerntypen anzusprechen. Als komfortabel erwies sich zudem, dass der Dienstleister die regelmäßig nötigen Aktualisierungen der Module, die aufgrund geänderter Verordnungen notwendig werden, verantwortet und umsetzt. Im März 2014 waren die ersten Lizenzen freigeschaltet. Inzwischen nutzen die Mitarbeiter der SWP die E-Trainings regelmäßig. Nach zwei Jahren praktischer Erfahrung hat sich die Geschäftsleitung sogar zur Umstellung auf eine Flatrate entschlossen. Die hilft zudem, den administrativen Aufwand zu minimieren. Trotz des Erfolgs sehen Christian Schneider und Thomas Herrmann die Trainings am PC nicht als vollständigen Ersatz für Präsenz-Veranstaltungen in der Fortbildung, es komme auf die Kombination an.

Kontakt: EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Ulrich Stark, 70567 Stuttgart, Tel. +49 (0) 711-2895 2136, u.stark@enbw.com

Bilder: animatedheaven/pixabay, EnBW