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Gute Noten für die Kür

Bei den Stadtwerken Konstanz wurden erste Mieterstromprojekte auf Basis intelligenter Messsysteme erfolgreich umgesetzt. Submetering und Smart-Home- Angebote sollen folgen.

Mieterstrommodelle werden heute als attraktive Geschäftsansätze im Kontext des intelligenten Messwesens hoch gehandelt, doch die Realisierung befindet sich noch ganz in den Anfängen. Bei den Stadtwerken Konstanz standen genau diese Themen bereits im Frühjahr 2016 kurz vor der operativen Umsetzung (Bericht 50,2, Ausgabe 1-2016).

thebenHeute, gut ein Jahr später, zieht Gordon Appel, Leiter Produktmanagement der Stadtwerke Konstanz, ein rundum positives Fazit: Wie geplant, wurde gemeinsam mit der städtischen Wohnbaugesellschaft WOBAK in vier Neubaugebieten mit insgesamt 171 Wohn- und Gewerbeeinheiten die technische Infrastruktur geschaffen: Für die Stromund Wärmeversorgung kombinierte man in drei Neubaugebieten PV- und KWK-Anlagen, eines der Projekte erhielt vom Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung sogar die Auszeichnung „BHKW des Jahres 2016“. Im vierten Bauvorhaben – Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 24 Einheiten im KfW70- und Plusenergie-Standard – kommen Photovoltaik, Energiespeicher und Wärmepumpen zum Einsatz. Alle Liegenschaften verfügen über intelligente Messsysteme mit Gateways der Firma Theben. Die Software, mit der sich die kaufmännisch-bilanzielle Durchleitungsmenge der Kundenanlage, der jeweilige Anteil von Direkt- und Reststrom sowie die Einspeisung von PV- und/oder KWK-Strom berechnen lassen, entstand im Projekt: Den Algorithmus entwickelte Appel selbst, der Saarbrücker Messdienstleister co.met gestaltete daraus die Dienstleistungslösung: „Die Daten werden ausgelesen, gemäß unserer Anforderungen verarbeitet und an unser hauseigenes Abrechnungssystem zurückgegeben“, erläutert Gordon Appel. Die – verglichen mit herkömmlichen Mieterstrommodellen – fraglos aufwändige Infrastruktur hat dabei zahlreiche Vorteile: Bei Wechselprozessen kann man auf stichtagsgenaue Verbräuche zugreifen, Stromerzeugung und -nutzung werden zeitlich aufgelöst auf Basis von 15-Minuten-Werten abgebildet. Eine EnWG-konforme Abrechnung (Ausweis von Direkt- und Reststrom, Netzentgelten sowie Konzessionsabgaben) ist ebenfalls gewährleistet.

Lohnendes Angebot

Für die Endkunden ist das Mieterstrommodell seit März 2016 nutzbar, aktuell werden die letzten 30 Einheiten angebunden. Die hohe Akzeptanz – im ersten Projekt nutzen mittlerweile rund 80 Prozent der privaten und gewerblichen Mieter das Angebot – hat die Erwartungen der Produktentwicklung übertroffen. „Wir haben es bei den genannten Liegenschaften in weitem Umfang mit sozialem Wohnungsbau zu tun“, berichtet Appel. Diese Kundengruppe ist für den Vertrieb traditionell nicht einfach zu erreichen. Doch die Kommunikationsmaßnahmen wie zum Beispiel die Übergabe von Informationsmappen haben sich bezahlt gemacht.

Wirtschaftlich lohnt sich das Mieterstrommodell laut Appel für alle Beteiligten, wenngleich die Kostenersparnis für manch einen Stadtwerke-Kunden gar nicht das Hauptargument für den innovativen Tarif war. Eine Mieterin berichtet: „Ich habe mich sofort entschieden, das Mieterstromangebot anzunehmen. Die Idee, dass ich selbst etwas zur Energiewende beitragen kann, gefiel mir auf Anhieb. Ach, und man kann irgendwann in Zukunft die Waschmaschine dann laufen lassen, wenn gerade viel eigener Strom anfällt und es besonders günstig ist? Toll!“ Ein SmartPortal zur Online-Visualisierung der Verbräuche und Kosten (Direktverbrauch und Reststrom) wird die Kunden dabei demnächst unterstützen.

Energiemanagement

Ein wichtiges Ziel in diesem Zusammenhang ist die Entwicklung belastbarer Forecasts, welche die Kunden informieren, wann der Strom in den nächsten Stunden oder Tagen voraussichtlich besonders günstig ist. Darüber hinaus will man die neue Infrastruktur bei den Konstanzer Stadtwerken nutzen, um den Stromkunden und das Netz auch ohne aktives Zutun des Verbrauchers zu entlasten. Einer der nächsten geplanten Schritte in der Produktentwicklung ist eine Energiemanagement- Lösung, die anhand der vom Gateway bereitgestellten Preissignale elektrische Geräte steuert und so Lastgänge vollautomatisiert verschieben kann. „Dies betrifft sicher nicht in erster Linie Waschmaschinen und Geschirrspüler, sondern Nachtspeicherheizungen, Wärmepumpen oder Kühlgeräte“, erläutert Gordon Appel. Das Lastverlagerungspotenzial privater Haushalte durch Steuerung liegt laut Berechnungen von Ernst&Young (Kosten-Nutzen-Analyse, 2013) bei etwa 20 Prozent beziehungsweise 17 TWh pro Jahr. „Die Steuerung von Heizgeräten, Heizkörpern und Fensterkontakten über die HAN-Schnittstelle des Gateways sind ebenfalls sehr interessante Anwendungsfälle“, ergänzt er. Langfristig könne man auch private Ladestationen für E-Fahrzeuge einbinden. Derzeit bewerben sich die Stadtwerke Konstanz mit dem Energiemanagement- Konzept mit weiteren Partnern um ein europäisches Forschungsprojekt.

Submetering

Gordon Appel, Leiter Produktmanagement der Stadtwerke Konstanz
Gordon Appel, Leiter Produktmanagement der Stadtwerke Konstanz

Ein weiteres neues Geschäftsfeld, das sich die Stadtwerke Konstanz im Zuge des intelligenten Messwesens erschließen wollen, das sogenannte Submetering, befindet sich Vom Mieterstrommodell können in Konstanz rund 170 Wohn- und Gewerbeeinheiten profitieren. bereits in der Pilotphase. Dabei macht man sich die Tatsache zunutze, dass die eingesetzten Gateways mehrspartenfähig sind. „Über vorhandene Gateways lassen sich Gas, Wasser, Heizwärme, Heizkostenverteiler und so weiter auslesen und Abrechnungsdaten für Dritte wie etwa die Wohnungswirtschaft bereitstellen“, erläutert Gordon Appel. Dabei sei es besonders interessant, Bündelangebote gemäß Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) zu schnüren und Verträge für Ablesedienstleistungen mit Anschlussnehmern für komplette Liegenschaften abzuschließen. Um die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten auszuloten, wurden daher in einer Liegenschaft mit 24 Wohnungen Gas-, Wasser- und Wärmemengenzähler sowohl im Keller als auch in den Wohnungen per Funk an das Gateway angebunden. Die Nutzenergie für die Heizanlage wird ebenfalls erfasst. Metering- und Submetering-Daten werden über einen Medienwandler in das eigene Glasfasernetz eingespeist und stehen zur Weiterverarbeitung zur Verfügung. Anhand der Daten aus dem Submetering kann die Wohnungsbaugesellschaft zukünftig die Nebenkostenabrechnung (Wasser und Heizkosten) erstellen. „Das Thema Submetering ist natürlich ein absolut naheliegendes Geschäftsmodell für Stadtwerke in Verbindung mit dem Rollout und dementsprechend momentan sehr populär“, berichtet Gordon Appel. Die rechtskonforme Umsetzung nach den Vorgaben des neuen Messstellenbetriebsgesetzes sei allerdings keineswegs trivial – und wenn man derartige Services aufsetze, müsse man es auch richtig machen.

Jetzt, im unmittelbaren Vorfeld des Smart Meter-Rollouts sieht man sich bei den Stadtwerken Konstanz gut aufgestellt: „Das Konzept für künftige Mehrwertdienste steht, die Mieterstromlösung ist bereits praxistauglich“, sagt der Leiter Produktmanagement. Sein Fazit: „Die Kür jedenfalls haben wir gemeinsam mit unseren Partnern erfolgreich absolviert.”

Theben Stand 2-516

Kontakt: Stadtwerke Konstanz GmbH, Gordon Appel, 78467 Konstanz, Tel. +49 7531 803-4630, g.appel@stadtwerke-konstanz.de
Theben AG, Stephanie van der Velden, 72394 Haigerloch, Tel. +49 7474 692-446, sv@theben.de

Bilder: Theben AG, Stadtwerke Konstanz