Kabelverlegung unter extremen Bedingungen

Die österreichischen Bundesforste haben mit dem Windpark Pretul das größte Investitionsprojekt in ihrer Geschichte fertiggestellt. Die Erdkabel wurden naturschonend mit den Spezialmaschinen von RKE König verlegt.

Auf 1.600 Metern Höhe soll der Windpark 84 GWh Strom pro Jahr produzieren.
Auf 1.600 Metern Höhe soll der Windpark 84 GWh Strom pro Jahr produzieren.

Der Ausbau und die Ertüchtigung der Netze stehen in fast allen Versorgungsgebieten wieder weit oben auf der Agenda – und damit die Frage nach leistungsfähigen und wirtschaftlichen Verfahren für die Erdkabelverlegung. Hier lohnt ein Blick auf aktuelle Windparkprojekte, die nicht selten besondere Anforderungen an die Tiefbauarbeiten stellen. Insbesondere Anlagen in Bergregionen werden dabei vielfach zum Innovationslabor für den Erdkabelbau, denn dort kommt man allein aufgrund der Boden- und Geländebeschaffenheit mit dem Bagger allein meist nicht sehr weit. Besondere Herausforderungen ergeben sich, wenn die Kabel zusätzlich durch ein Natur-oder Landschaftsschutzgebiet geführt werden müssen. Eine Lösung ist die Verlegung mit Kabelpflügen, mit denen Kabel und Rohre verhältnismäßig umweltschonend und vor allem schnell in die Erde gebracht werden können.

Erdkabelverlegung mit Spezialmaschinen

Die Firma RKE König aus Niederbayern hat sich auf diese Technologie spezialisiert und kann auf 30 Jahre Erfahrung in der Tiefbauverlegung zurückblicken. Mit seinen zwölf Kabelpflügen hat das Unternehmen Deutschland- und europaweit Nieder-, Mittel und Hochspannungskabel sowie LWL Glasfaserkabel und Trinkwasserrohre in die Erde gebracht. Im letzten Sommer hat RKE König für den Windpark Pretul in der Steiermark insgesamt 66 Kilometer 30kV-Erdkabel verlegt. Errichtet wurde der Windpark von der österreichische Bundesforste (ÖBf AG), die diesen auch betreibt. Ab 2017 sollen die 14 Windenergieanlagen des Parks rund 84 Gigawattstunden Strom aus erneuerbaren Energiequellen erzeugen und damit bis zu 22.000 Haushalte versorgen. Zudem soll der Windpark jährlich 74.000 Tonnen CO₂ Emissionen einsparen. Der Bau des Parks ist ein wichtiger Schritt für die Region, um die nationalen Energieziele zu erreichen und die zwischen 2010 und 2020 zusätzlich geplanten Kapazitäten von 2.000 Megawatt (MW) aus Windkraft zu erreichen Mit rund 49 Millionen Euro ist das Projekt zudem die bisher größte Investition in der Unternehmensgeschichte der Bundesforste. Unterstützt wurde das Projekt mit einem Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) von 36,7 Millionen Euro.

Den Wind nutzen und dem Wetter standhalten

Der Windpark Pretul liegt auf der Pretulalpe, einem Bergzug in der Steiermark, der mit seiner Natur ein beliebter Ausflugsort für Mountainbiker, Wintersportler und Wanderer ist. Mit einer Höhenlage in rund 1.600 Metern gilt er als Standort mit besonders starkem Windaufkommen. Damit die WEA auch kräftigen Kälteeinbrüchen und Schneestürmen standhalten kann, wurden für den Windpark spezielle Windenergieanlagen des Typs Enercon E82-E4 ausgewählt, die extra für Starkwindstandorte entwickelt wurden. Die modernen Windräder haben eine Nabenhöhe von 78 Meter und einen Rotordurchmesser von 82 Metern. Sie können extrem kalte Witterungsverhältnisse aushalten und laufen selbst bei Temperaturen von minus 40 Grad Celsius. Damit sich in den Rotoren kein Eis absetzt, ist die Anlage mit speziellen Sensoren ausgestattet. Diese schalten die Anlage automatisch ab, sodass die eingebaute Rotorblattheizung das Eis kontrolliert abtauen kann. Die von den Anlagen erzeugte Energie wird über die neben dem Turm befindliche Trafostation auf eine Spannung von 30 kV transformiert. Die einzelnen Windenergieanlagen sind über ein 30 kV-Erdkabelsystem miteinander verbunden, das durch steile Hänge und felsigen Boden führt. RKE König setzte bei der Kabelverlegung den Pflug FSP 18 mit Doppeleinführung der Firma Föckersperger und zwei Windenfahrzeuge, sowie eine FWF 80, einen Rückezug mit 40 Tonnenwinde und mehrere Trägerfahrzeuge ein. „Wir haben etwas länger gebraucht als geplant“, erzählt Andreas Vranits, der bei RKE König für die Steuerung und Projektierung der Stromtrassen verantwortlich ist. „Das lag vor allem am Wetter, da die Niederschlagsmenge dieses Jahr so hoch war, dass die Böden vollständig gesättigt waren. Einmal musste sogar die Trassenführung ein wenig geändert werden, weil ein Teilbereich der Strecke nicht befahrbar war.“ Eine weitere Herausforderung sei der anstehende Fels gewesen. Aus Sicherheitsgründen verlegt RKE König in diesem Bereich die Kabel üblicherweise mit einer Überdeckung von 1 -1,60 Meter. Teilweise war der anstehende Fels, in diesem Fall verhältnismäßig „weicher” Schiefer, allerdings im Weg. Deshalb musste das RKE Team diese Stellen mit dem Bagger vorarbeiten und die porösen, weichen Schichten vor der Verlegung entfernen.

Wirtschaftliches Verfahren

Der 480 PS starke FOECK Truck FWF 80 zog den Kabelpflug durch das unebene Gelände.
Der 480 PS starke FOECK Truck FWF 80 zog den Kabelpflug durch das unebene Gelände.

Für Andreas Vranits war der Windpark Pretul ein ganz besonderes Projekt. „Der Windpark liegt mitten in der Natur und die Österreichischen Bundesforste haben als Auftraggeber sehr auf den Schutz und die Wiederherstellung der Umgebung geachtet“, erzählt der Projektleiter. Das Team von RKE König trifft immer wieder auf außergewöhnliche Projekte. So hat das Unternehmen in diesem Jahr Niederspannungskabel in einem Biosphärenreservat im Hochmoor der bayerischen Rhön verlegt. „Insgesamt sind wir aber überall da im Einsatz, wo Kabel und Rohre in die Erde gebracht werden müssen. Und das europaweit“, erklärt Vranits. Besonders in Polen, der Slowakei und Tschechien aber auch in Deutschland seien die Dienstleistungen von RKE König gefragt. „Das liegt daran, dass die Verlegung mit unseren Pflügen wesentlich günstiger ist und schneller geht, als mit Baggern oder anderen Maschinen“, so der Projektleiter. Im Vergleich zur Verlegung mittels Bagger kann RKE König die Kabelverlegung mit seinen Spezialmaschinen zu einem Bruchteil des Preises anbieten. Einzige Bedingung sei die Länge der zu verlegenden Strecke. „Da wir die Maschinen erst heranschaffen müssen, bieten wir die Kabelverlegung erst ab 1.000 Metern an, hauptsächlich also bei Überlandprojekten“, erklärt Vranits. Aktuell nimmt das Unternehmen neben Erdkabelverlegungen verstärkt LWL Glasfaser- Projekte wahr. „In diesem Bereich gibt es zur Zeit sehr viele Aufträge, da die großen Telekommunikationsanbieter möglichst zügig schnelles Internet auch in abgelegene Orte bringen möchten“, erklärt Vranits.

Kontakt: Ruhland, König & Co. Elektro GmbH, Andreas Vranits, 84098 Hohenthann, Tel. +49 176 181920-50, info@rke-koenig.de