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Marktkommunikation für den Interimszeitraum

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) legte nun fest, wie Prozesse zur elektronischen Marktkommunikation an die Anforderungen des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende (GDEW) angepasst werden müssen.

Nach umfangreichen Vorarbeiten der Verbände VKU und BDEW haben die Beschlusskammern 6 und 7 (Strom/Gas) der BNetzA Ende Dezember 2016 die finalen Dokumente zur prozessualen Anpassung der Marktkommunikation im Strom- und Gassektor im Zuge der Umsetzung des GDEW veröffentlicht. Nach Ablauf der im Markt notwendigen IT-Umstellungsarbeiten soll damit die Einführung intelligenter Messsysteme (iMS) und moderner Messeinrichtungen (mME) mit den dafür notwendigen Marktprozessen massengeschäftstauglich unterstützt werden. Diese sind ab 01.10.2017 verbindlich beim Austausch über die elektronische Kommunikation anzuwenden. Damit beginnt der sogenannte „Interimszeitraum” beim Smart Meter Rollout, welcher spätestens am 31.12.2019 endet. Mit der Festlegung der Interims-Prozesse durch die BNetzA endet das erste Ziel der verbändeübergreifenden Arbeitsgruppe. Mit der nahtlos anschließenden Erarbeitung der Prozesse für das Zielmodell ab 2020 beginnt die weitaus kritischere zweite Phase der verbändeübergreifenden Arbeit – denn ab 2020 sind dann alle Regelungen des GDEW verbindlich anzuwenden und umzusetzen. Dies betrifft u. a. die strikte Anwendung der sternförmigen Kommunikation und ebenso die Verlagerung der Aufgabe der Aggregation der Messwerte im Rahmen der Bilanzkreisabrechnung hin zum Übertragungsnetzbetreiber.

VKU bietet Unterstützung zum Rollout und Umsetzungshilfe MsbG an

Die Unterlagen zum Festlegungsverfahren finden sich auf der Website der BNetzA sowie auf der entsprechenden VKU-Internetseite. Dort stehen zudem alle bisherigen VKU-Unterlagen zum Rollout unter Digitalisierung EW/Smart Meter Rollout zum Abruf bereit. Zudem hat der VKU als Hilfestellung für Stadtwerke und Verteilnetzbetreiber eine Umsetzungshilfe zu den wesentlichen rechtlichen Regelungen und relevanten Fragestellungen zum Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) erarbeitet.

Die wichtigsten Punkte aus dem Festlegungsverfahren

• Einführung des „Interimsmodells“:
Wie angekündigt führt die BNetzA mit der getroffenen Festlegung ein sogenanntes „Interimsmodell” für die elektronische Marktkommunikation ein. Dabei wird für einen Übergangszeitraum vom 01.10.2017 bis voraussichtlich 01.10.2019 angeordnet, dass (abweichend zu § 60 MsbG) die Aufbereitung und Verteilung von Messwerten aus intelligenten Messsystemen nach MsbG zunächst wie bisher über den örtlichen Verteilnetzbetreiber organisiert wird. Damit macht die BNetzA Gebrauch von ihrem Recht (§ 75 MsbG), mittels befristeter Ausnahme von der künftigen Verteilung von Messwerten direkt aus dem jeweiligen Smart Meter Gateway („sternförmige Verteilung”) abzuweichen. Dies ist notwendig, um kurzfristig die erforderlichen Mindestanpassungen aller IT-Systeme der Netzbetreiber, Lieferanten und Messstellenbetreiber bundesweit zu erreichen.

• Harmonisierung der Bereiche Strom und Gas:
Die BNetzA erachtete bereits bei den im Vorfeld erarbeiteten prozessualen Anpassungen eine möglichst hohe Prozesshomogenität zwischen den Regelungen des Strom- und des Gassektors als zielführend. Die Prozesse der beiden Festlegungen wurden daher möglichst deckungsgleich ausgestaltet.

• Wechselprozesse im Messwesen (WiM):
Aufhebung im Gasbereich Hinsichtlich der Wechselprozesse im Messwesen (WiM) für den Gassektor hat die Beschlusskammer 7 die bislang geltende Regelung aufgehoben. Von einer neuen Festlegung für den Gassektor im Interimsmodell wurde abgesehen, um den Marktbeteiligten ein hohes Maß an Flexibilität bei der Implementierung des bislang primär auf den Stromsektor zugeschnittenen Regelungsrahmens zu gewähren. Die Beschlusskammer 7 hat die Änderung der GeLi Gas in der Form einer Änderungsfestlegung erlassen.

• Ausblick auf das Zielmodell:
Die Vorbereitungen auf die Umstellung der gesamten Marktkommunikation auf die sternförmige Verteilung im Sinne eines so genannten „Zielmodells” gemäß MsbG wird sodann einem weiteren umfangreichen Festlegungsverfahren der BNetzA vorbehalten bleiben, dessen Vorbereitungsarbeiten (analog den Vorarbeiten zum Interimsmodell) unmittelbar zu Beginn 2017 gestartet sind.

• Alle Marktlokationen (Strom- und Gasbereich) erhalten Identifikations-ID:
Die Betreiber von Elektrizitäts- und Gasversorgungsnetzen werden verpflichtet, spätestens bis zum 01.02.2018 flächendeckend alle Marktlokationen mittels einer eigenständigen Identifikationsnummer zu identifizieren (Marktlokations-ID).

• EDIFACT-Nachrichten mittels Signatur und Verschlüsselung absichern:
Die Übermittlung sämtlicher EDIFACT-Nachrichten zur elektronischen Marktkommunikation nach den zu dieser Festlegung enthaltenen Prozessdokumenten (GPKE, GeLi Gas, WiM, MPES) sowie nach der Festlegung BK6-07-002 (MaBiS) ist spätestens ab dem 01.06.2017 mittels Signatur und Verschlüsselung abzusichern.

• Bereitstellung erforderlicher Zählpunkte:
Betreiber von Stromversorgungsnetzen werden verpflichtet, spätestens ab dem 01.10.2017 die Bereitstellung erforderlicher Zählpunkte nach § 20 Abs. 1d EnWG sicherzustellen, um den Lieferantenwechsel für innerhalb von Kundenanlagen angeschlossene Haushaltskunden zu ermöglichen. Die Frist dafür beläuft sich auf zehn Werktage, gerechnet ab Übermittlung aller für die Bereitstellung der Zählpunkte erforderlichen Daten durch den Betreiber der jeweiligen Kundenanlage. Hierzu sind sie insbesondere verpflichtet, bis spätestens zum 01.06.2017 eine einheitliche Geschäftsprozessbeschreibung sowie ein entsprechendes einheitliches Excel-Formular (XLS) zur Abwicklung zu entwickeln und zu veröffentlichen. Inhaltliche Festlegungen, etwa für Mieterstrom-Modelle, sind damit allerdings noch nicht getroffen.

• Abschaffung „rückwirkender Ein-/Auszüge“:
Die BNetzA wird zunächst für das Interimsmodell die Möglichkeit rückwirkender Ein- und Auszüge bei SLP-Kunden beibehalten. Allerdings soll der Kreis derjenigen Kundengruppen, die hiervon Gebrauch machen können, nicht weiter gezogen werden als im jetzigen Status quo: Im Strombereich sind rückwirkende Ein- und Auszüge weiterhin ausschließlich Kunden vorbehalten, die über eine konventionelle Messeinrichtung mit Arbeitszählung und SLP-Bilanzierung verfügen. Im Gasbereich sind bei SLP-Entnahmestellen sechs Wochen rückwirkende Ein- und Auszüge möglich. Ein Wechsel des Bilanzierungsverfahrens zur stündlichen Bilanzierung kommt, unabhängig von den verwendeten Messeinrichtungen, nur bei Erreichung der Schwellenwerte nach § 24 Abs.1 GasNZV (stündliche Ausspeiseleistung von 500 Kilowattstunden, jährliche Entnahme von 1,5 Millionen Kilowattstunden) in Betracht. Bei allen Kunden, die über eine registrierende Leistungsmessung verfügen oder deren Zähler an ein Gateway eines iMS angeschlossen sind (unabhängig von der Bilanzierungsart), sind rückwirkende Einund Auszüge nicht mehr möglich.

• Prozessuale Festlegungen:
GPKE, Geli Gas, WiM und MPES: Ab 01.10.2017 werden in den Festlegungen GPKE, WiM, MPES und GeLi Gas jeweils neue Anlagen anzuwenden sein oder diese nach Maßgabe aufgehoben.

Kontakt: Verband kommunaler Unternehmen (VKU), Christian Richter, 10115 Berlin, Tel. +49 30-58580-199, richter@vku.de

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