Ganzheitlicher Ansatz

Die neue Thüga SmartService will Stadtwerke auf dem Weg in die digitalisierte Energiewelt begleiten.

Vor Weihnachten wurde es offiziell verkündet: Ab 1. Januar 2017 verschmelzen die Thüga MeteringService und die Thüga Energieeffizienz zur neuen Thüga SmartService. Die Zusammenführung steht am Ende einer langjährigen Zusammenarbeit, in deren Verlauf sich zeigte, dass die veränderten Rahmenbedingungen am Markt ein noch stärker integriertes Angebot fordern. „Die Stadtwerke benötigen zusammenhängende Lösungen, mit denen sie ihre künftigen Geschäftsprozesse sicher abbilden können, ohne selbst umfangreiche Ressourcen bereitzustellen“, erläutert Franz Schulte, bisher Geschäftsführer der Thüga Energieeffizienz und künftig Geschäftsführer der neuen Gesellschaft. Hier herrsche hoher Handlungsdruck, denn die Unternehmen müssen nicht nur die gesetzlich geforderten Schritte zur Digitalisierung – zum Beispiel den Smart Meter-Rollout – umsetzen, sondern darüber hinaus mittelfristig die sinkenden Erträge aus Vertrieb und Netz kompensieren. Somit gilt es, einerseits neue Geschäftsfelder proaktiv zu entwickeln und zu besetzen, dabei aber andererseits auch hochgradig effizient zu arbeiten. „Das erfordert ein hohes Maß an informationstechnologischer und energiewirtschaftlicher Kompetenz“, erklärt Schulte. Hinzu kommt, dass in den einzelnen Stadtwerken eine relativ kleine Kundenzahl eine wirtschaftliche Umsetzung der künftigen Anforderungen erschwert. Hier setzt das Geschäftsmodell der neuen Gesellschaft an: Durch die Bündelung von Dienstleistungen, IT- und Expertenwissen sollen Skaleneffekte realisiert werden, welche die Kosten für das einzelne Unternehmen reduzieren. Das Unternehmen bietet seine Dienstleistungen bundesweit an und hat in- und außerhalb der Thüga-Gruppe in Summe bereits über 250 Kunden. Das Portfolio der Thüga Smart- Service reicht von Zählerfernauslesung und Smart Meter-Gateway-Administration über Energiedatenmanagement, Marktkommunikation, Smart Home-Pakete und IT-Services und Erzeugung von Energie bis hin zur Breitbandvernetzung. Der Fokus liegt dabei auf dem effizienten Ausbau digitaler Lösungen für Energieunternehmen.

Franz Schulte, Geschäftsführer Thüga SmartService (rechts) Andreas Gluth, Abteilungsleiter Forschung & Entwicklung (links)

Franz Schulte, Geschäftsführer Thüga SmartService (rechts) Andreas Gluth, Abteilungsleiter Forschung & Entwicklung (links)

„Wir bieten eine breite und abgestimmte Lösungswelt an. So lassen sich die Schnittstellen bei unseren Kunden minimieren und sie können ihre Managementressourcen auf die individuelle Marktbearbeitung vor Ort fokussieren“, erläutert Franz Schulte. Konkret können die Stadtwerke auf eine eigene Gateway-Administrations Plattform sowie Lösungen für die Zählerfernauslesung, die Marktkommunikation, das Meter-Data-Management und Workforce Management zugreifen. „Das Besondere ist, dass wir die Software selber entwickeln und in unseren eigenen Rechenzentren als SaaS (Software as a Service)-Lösung betreiben“, sagt Andreas Gluth, Leiter Forschung und Entwicklung. „Das beschleunigt Anpassungen, Support und Entwicklung ganz erheblich“, weiß er aus Erfahrung. Als besonderen Vorteil stellt er zudem heraus, dass Thüga SmartService als IT-Dienstleister nicht branchenfremd ist und über die Vorgängergesellschaft Thüga MeteringService seit etwa 20 Jahren Software für Energiedatenmanagement, Marktkommunikation und Zählerfernauslesung anbietet. Durch den engen Austausch mit den Kunden und den Thüga-Beteiligungen sei überdies sichergestellt, dass auch das Prozess-Know-how der Stadtwerke und Energieversorger von Anfang an mit einfließt und somit sowohl die IT als auch die Prozesswelt gezielt auf die neuen Herausforderungen vorbereitet werden kann. Beispielhaft nennt er hier etwa die Einführung des sogenannten Interimsmodells, welches voraussichtlich ab Herbst 2017 die nachgelagerten Marktprozesse für die nächsten Jahre regeln wird – und dem man bei Thüga SmartService gelassen entgegen sieht: „Mit unserer seit über 10 Jahren etablierten Marktkommunikationslösung MK.Gateway, werden wir unsere Systeme wie jeher beim Formatswechsel zum 1.4. oder 1.10. eines jeden Jahres anpassen“, ist Gluth überzeugt.

Ergänzend zur IT bietet Thüga Smart- Service weitreichende Beratungsleistungen für Stadtwerke an, sowie operative Unterstützung von der Bereitstellung der IT-Plattformen durch eigene Experten bis hin zu White-Label-Lösungen mit abgestimmter Vertriebsunterstützung. Dazu gehören beispielsweise sofort umsetzbare webbasierte Kundenportale, aber auch Baukästen für die klassische Kundenkommunikation.

Rollout und mehr

Eine Kernaufgabe des neuen Unternehmens ist die Vorbereitung des Smart Meter- Rollouts und die Smart Meter-Gateway Administration. Im Bereich Messwesen ist man im Unternehmen seit vielen Jahren erfolgreich tätig und betreut über 200 Stadtwerke als Dienstleister. Bereits im Sommer 2015 wurde etwa ein Projektpaket für die angeschlossenen Energieversorgungsunternehmen geschnürt, um die Zeit bis zum Gesetz sinnvoll zu nutzen. Über 70 Energieversorger sind den Weg über ein abgestimmtes Stufenmodell zur Gateway-Administration gegangen. Die Vielzahl der Projekte ist eingebettet in die koordinierte Testphase des FNN (Forum Netztechnik im Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.), bei der die Thüga-Gruppe von Beginn an mit dabei ist.

Nach umfangreichen Labortests im Vorfeld lernten die Partner in den Veranstaltungen des Thüga MeteringService zunächst die intelligenten Messsysteme kennen und wurden mit Begriffen wie LMN-Schnittstelle, TLS-Kanäle und Tarifanwendungsfall vertraut gemacht. Schon im ersten Jahr des Stufenmodells wurden zudem erste Integrationen in die Bestands-IT – etwa die Verbrauchsabrechnungssysteme – erfolgreich durchgeführt und Lösungen anhand der praktischen Erfahrungen weiterentwickelt: „Den Stufenmodell- Kunden wurde sehr schnell klar, was es bedeutet, dass das Smart Meter-Gateway kein Display mehr hat“, berichtet der Entwicklungsleiter. „Für die Inbetriebnahme stehen nur wenige LED-Leuchten zur Verfügung. Gut, wenn alles funktioniert, aber was tun, sobald eine der LED’s signalisiert, dass etwas nicht stimmt? Hierzu benötigt der Monteur entsprechende Unterstützung, zum Beispiel durch ein Smartphone oder Tablet, mit dem er den Zustand des Smart Meter-Gateways jederzeit im Blick hat.“ Aus diesem Grund hat die bisherige Lösung zur mobilen Datenerfassung in den letzten Monaten einige Updates im Bereich der Zählerwechselfunktionalität, Schnittstellenerweiterungen und erst kürzlich eine Erweiterung zur Spracheingabe erhalten.

Fester Bestandteil des Stufenmodells ist derzeit die Anbindung weiterer Zähler aus den Sparten Gas, Wasser, Wärme und Kälte. Hier sieht man interessante Potenziale für neue Geschäftsfelder der Stadtwerke: „Mehrspartenmessungen respektive den wettbewerblichen Messstellenbetrieb zu ermöglichen und Mieterstrom-Projekte umzusetzen, sind neben dem eigentlichen Rollout unsere nächsten Meilensteine“, sagt Geschäftsführer Franz Schulte und verweist auf die Synergieeffekte der beiden Gründungsgesellschaften in den Bereichen (Smart) Metering und BHKW. „Wir legen hier von Anfang an Wert darauf, dass die Tests praxisnah durchgeführt werden, damit die Ergebnisse am Ende auch belastbar sind“, fügt er noch hinzu.

Thüga SmartService Stand 2-522

Kontakt: Thüga SmartService GmbH, Ralf Oelschlegel, 95119 Naila, Tel. + 49 9282 9193-0, Ralf.Oelschlegel@smartservice.de

Bilder: www.rolandhorn.de, Thüga SmartService GmbH;

Lesen Sie auch: