Mehrwertdienste mit dem Smart Meter-Gateway

Die rechtlichen Rahmenbedingungen stehen, Pfl ichteinbaufälle und Zeiträume sind defi niert. Jetzt geht es an die Umsetzung des Rollouts von intelligenten Messsystemen. Kein leichtes Unterfangen für die Vielzahl der involvierten Unternehmen. Insbesondere die Messstellenbetreiber stehen vor der Herausforderung, neben der Umsetzung der rechtlichen Vorgaben ein tragfähiges betriebswirtschaftliches Geschäftsmodell zu entwickeln.

„Mehrwertdienste” ist daher das Stichwort, das derzeit die Branche bewegt. 50,2 sprach dazu mit Georg Offner, Leiter Produktmanagement & Marketing bei devolo Smart Grid und Joscha Köllner, Head of Sales & Business Development bei Kiwigrid, über das gemeinsam entwickelte Smart Meter-Gateway.

50,2: Die Energiebranche steht vor einem massiven Umbruch. Was erwarten Sie in der Zukunft?

devolo SMGWplus: Das gemeinsam mit Kiwigrid entwickelte Smart Meter-Gateway will Mehrwert schaffen. Bild: devolo

devolo SMGWplus: Das gemeinsam mit Kiwigrid entwickelte Smart Meter-Gateway will Mehrwert schaffen. Bild: devolo

Offner: Die drei großen „D” Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung werden weiterhin bestimmende Größen der Energiewende sein. Die zukünftige Energieerzeugung ist regenerativ. Das betrifft neben der Stromerzeugung natürlich auch die Wärmeerzeugung. Gleichzeitig bleibt die Integration dezentraler, erneuerbarer Energieanlagen weiterhin eine große Aufgabe für die Netzbetreiber. Immer mehr private Haushalte, Gewerbe- und Industriebetriebe werden Prosumer. Zukünftig werden sie aber auch flexibler in ihrer Stromnachfrage. Die Digitalisierung schafft eine Vernetzung der Prosumer-Anlagen mit dem Netzbetreiber. Diese Vernetzung betrifft allerdings nicht mehr bloß den Stromsektor, sondern bezieht sich auf alle Energienetze. Diese Sektorkopplung ist ein zentrales Element der Energiewende. Sie stellt die bestmögliche Nutzung erneuerbarer Energie sicher. Für die Energiebranche stellt sich die Aufgabe, eine sichere und sektorübergreifende Kommunikation herzustellen. Darüber hinaus müssen Software-Lösungen und Plattformen zur intelligenten Steuerung entwickelt werden.

Köllner: Auf unserer Energy IoT Plattform entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kunden schon heute erfolgreich Services für die Energiewirtschaft. In den nächsten Jahren werden Anwendungen zur Optimierung von Energie klar in den Fokus rücken. Darüber hinaus glauben wir, dass sich Energieunternehmen bezüglich ihrer Produkte mit Mehrwerten neu positionieren werden, um Endkunden mit Funktionalitäten dauerhaft binden zu können. Die Smart Meter-Gateway-Infrastruktur bildet mit ihrer hohen Sicherheit die Kommunikationsbasis für zukünftige Services.

Der Energiebranche steht also einiges bevor. Welche Lösungen bieten devolo und Kiwigrid für eine erfolgreiche Energiewende an?

Offner: devolo Smart Grid ist der Hardware-Hersteller für die Energiebranche. Die Digitalisierung erfordert eine sichere kommunikative Vernetzung aller Marktteilnehmer. Als Powerline-Spezialist sorgt devolo für verlässliche Datenkommunikation auf der Nieder- und Mittelspannungsebene. Mit dem Smart Meter-Gateway sichern wir die Kommunikation der Marktteilnehmer und legen die Basis für zukünftige Geschäftsmodelle. Dies erreichen wir durch die Mehrwertdienstfähigkeit unseres SMGWs. Schon der Produktname devolo SMGWplus verdeutlicht, dass wir an Anwendungsfälle denken, die weit über die regulierten Standardanwendungen hinausgehen. Denn eines ist ganz klar: Neue Geschäftsmodelle sind jetzt gefragt. Wir erleben bereits heute, dass Flatrates für Strom angeboten werden. Das ist erst der Anfang.

Köllner: Neben dem Pflicht-Rollout von Smart Meter-Gateways in 2018 glauben wir, dass in einem marktgetriebenen Rollout ein Großteil dieser SMGWs kostenlos an Endkunden bereitgestellt wird. Vom Management des Smart Grids bis hin zu Mehrwertdiensten innerhalb des Gebäudes bieten wir Softwareprodukte für unterschiedlichste Kundengruppen und Anwendungsfälle an. Wir sehen die Smart Meter-Gateway Infrastruktur, neben dem konventionellen Internetanschluss, als die gesicherte Kommunikationsinfrastruktur für das Internet of Things.

Joscha Köllner, Head of Sales & Business Development Kiwigrid GmbH (li.) und Georg Off ner, Leiter Produktmanagement & Marketing, devolo Smart Grid

Joscha Köllner, Head of Sales & Business Development Kiwigrid GmbH (li.) und Georg Off ner, Leiter Produktmanagement &
Marketing, devolo Smart Grid

Was können wir uns unter den Mehrwertdiensten konkret vorstellen? Was gehört zum unregulierten Bereich?

Köllner: Mehrwertdienste sind Applikationen, die während des Betriebs auf dem Gateway nachgeladen und freigeschaltet werden. Die Applikationen bestehen aus einer Gateway-Applikation in Verbindung mit unseren Server-Applikationen. Diese führen unter Berücksichtigung der Marktrollen komplexe Berechnungen wie Forecasts oder Optimierungen durch. Unterschiedliche Marktrollen haben unterschiedliche Anforderungen an das System in Abhängigkeit vom jeweiligen Business Case. Die Herausforderung besteht darin, diese unterschiedlichen Anforderungen für unsere Kunden zu optimieren, um für jeden Marktteilnehmer ein Höchstmaß an Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Modellrechnungen zeigen, dass die Dienste im Pflicht-Rollout allein schwer einen wirtschaftlichen Betrieb von Smart Meter-Gateways erlauben. Mit der Aktivierung ab dem ersten Mehrwertdienst wie zum Beispiel Submetering oder lokalem Energiemanagement sind positive Renditen erzielbar. In der Summe aller möglichen Mehrwertdienste wie Einspeise-und Lastmanagement, Transparenz- und Effizienzservices, Liegenschaftsservices, Home Energy Management, Prepaid-Metering, IoT Konnektivität, Industrial Energiemanagement oder mit der Nutzung des Gateways zur Steuerung von EEG-Anlagen werden wir eine Infrastruktur mit höchst rentablen Geschäftsmodellen bereitstellen können. Mit der Kiwigrid Energy IoT Plattform bieten wir unseren Kunden eine Vielzahl von Anwendungen für die Energiewirtschaft und die umfangreichste Geräteabstraktionsschicht für das Anbinden von Anlagen im Feld. Damit ermöglichen wir Interoperabilität und Kunden können herstellerunabhängig Neu-und Bestandsanlagen in ihr System integrieren.

Offner: In aller Regel wird dazu keine FNN-Steuerbox notwendig sein. Circa 90 Prozent der installierten Anlagen wie PV-Systeme, Speicher oder Wärmepumpen verfügen bereits über eine Ethernet- Schnittstelle. Somit lassen sie sich direkt an das SMGWplus anschließen. Software und Treiber werden remote auf das SMGWplus gespielt und ermöglichen die Kommunikation mit den Anlagen.

Wann werden Kiwigrid und devolo ihr SMGWplus auf den Markt bringen?

Offner: Mit Prototypen wird bereits getestet und die Interoperabilität mit Zählern und GWA-Software sichergestellt. Sobald seitens des BSI die notwendigen Voraussetzungen für die Gerätezertifizierungen geschaffen sind, können wir mit unseren Serienprodukten in den Markt starten, das wird dann Anfang 2018 der Fall sein. Vorher gibt es die Möglichkeit für umfassende Testinstallationen. Unsere Produktion und Logistik ist schon jetzt Rollout-ready. Als Volumenhersteller mit jährlich über sechs Millionen produzierten und ausgelieferten Geräten ist die devolo AG es gewohnt, große Stückzahlen zu fertigen und zu vertreiben.

devolo Stand 6-117
Kiwigrid Stand 6-220

Kontakt: devolo AG, Georg Off ner, 52068 Aachen, Tel. +49 241 18279 0, georg.offner@devolo.de
Kiwigrid GmbH, Joscha Köllner, 01129 Dresden, Tel. +49 (351) 847595-0, joscha.koellner@kiwigrid.com

 

Lesen Sie auch: