Mehrwert aus Daten

Anwendungsfälle der Plattform. Foto: Arvato Systems

Mit einer neuen IoT- und Big Data-Plattform will Arvato Systems die Datenflut der digitalisierten Energiewirtschaft nutzbar machen.

Das Energiesystem der Zukunft wird vor allem auf einer intelligent vernetzten Kommunikation und dem Datenmanagement von immer mehr Marktteilnehmern mit dezentralen Erzeugern und Verbrauchern basieren. Gleichzeitig wird sich am Markt eine immer stärkere Flexibilisierung von Angebot und Nachfrage sowie steigender Wettbewerb zwischen Erzeugungsanlagen, Verbrauchern, Netzkomponenten und Speichern entwickeln. Diese Zunahme an Marktkommunikation und das digitale Monitoring der Energieerzeugung sorgen dabei zusätzlich für eine massive Zunahme des Datenvolumens. „Die intelligenten Stromnetze der Zukunft werden von erheblich wachsenden Mess- und Prozessdaten geprägt und auch abhängig sein“, sagt Hartmut Entrup, Bereichsleiter Smart-X bei Arvato Systems. Das intelligente Management und die Nutzung dieser Daten seien somit bei der Stabilisierung der Netze ebenso unverzichtbar wie für die erfolgreiche Marktbearbeitung. „Deshalb gilt es schon heute, Strategien und Lösungen zu finden, um mit Hilfe ihrer eigenen Ressourcen von der „Datenflut“ der neuen smarten Märkte profitieren zu können“, so Entrup. Denn sonst bestehe die Gefahr, dass branchenfremde Unternehmen den Versorgern diesen Markt streitig machen – so zum Beispiel die großen Player der globalen digitalen Wirtschaft.

Smarte Mehrwertdienste

Energieversorger sollten die gewonnenen Daten also in Zukunft nutzen, um bestehenden Kunden vernetzte Dienstleistungen anzubieten und mit neuen Services neue Kunden zu gewinnen. „Speziell für Vertriebsgesellschaften auf dem Energiemarkt werden dabei die sogenannten „Mehrwertdienste“ ein entscheidender Baustein sein, um sich neue, lukrativere Geschäfts- und Service-Modelle für Privat-, Gewerbe- und Industriekunden zu erschließen“, ist Entrup überzeugt. Mehrwertdienste sind Services und Flexibilitätsprodukte, die über die ursprünglichen Leistungen hinaus angeboten werden können – und im Idealfall zur Stabilisierung der Netze beitragen. Einen wesentlichen Treiber für neue und innovative Services bilden intelligente Messsysteme, die ab Ende des Jahres flächendeckend ausgerollt werden. Hartmut Entrup ist Bereichsleiter Smart-X bei Arvato Systems.

Mieterstrommodell

Ein Beispiel für die neuen Versorgungsmodelle ist das sogenannte „Mieterstrommodell“, das derzeit in vielen Stadtwerken auf verstärktes Interesse stößt. Hier installiert und betreibt das Stadtwerk für den Kunden in dessen Keller ein Blockheizkraftwerk (BHKW) und/oder eine Photovoltaik-Anlage (kurz PV-Anlage) auf dessen Dach, bei deren Betrieb neben der Wärme auch Strom produziert wird. Das Stadtwerk verkauft ihn dann an die Mieter weiter – was eine höhere Rendite für den Energievertrieb und einen niedrigeren Strompreis für den Mieter ergibt. Die Mieter verbrauchen den eigen- erzeugten Strom dann direkt, ihr Energieliefervertrag läuft aber weiterhin beim Energievertrieb des Stadtwerks über einen entsprechenden Mieterstrom-Vertrag. Der aus der Energieerzeugungsanlage produzierte Strom wird im Mieterstrommodell ohne die Nutzung des öffentlichen Stromnetzes an die an diesem Modell teilnehmenden Mieter weitergeleitet. Lässt sich der Energiebedarf des Mieters durch die Energieerzeugungsanlage nicht vollständig abdecken, so wird die restliche Energie in Form eines Restbezuges vom Energielieferanten bereitgestellt.

Integriertes Datenmanagement

Um die Datenflut nutzbar machen zu können, müssen jedoch zunächst ausreichend steuerbare Anlagen entwickelt werden. Denn erst durch das Zusammenspiel aus Messen, Analysieren, Steuern und Regeln kann im Anschluss eine Vielzahl digitaler Geschäftsmodelle entwickelt werden. „Bei der Umsetzung tendiert die Branche aktuell noch dazu, individuelle IT-Lösungen für jedes einzelne neue Geschäftsmodell zu schaffen, beispielsweise für die Optimierung der Eigenerzeugung“, sagt Hartmut Entrup, der diesen Ansatz für umständlich und zeitintensiv hält. Eine effektivere Herangehensweise sei es, eine leistungsstarke Internet- of-Things (IoT)- und Big Data-Plattform einzusetzen, die gleich mehrere dieser Anwendungsfälle zusammenhängend abbildet und zudem die automatisierte Koordination und Steuerung tausender Einheiten zur Stromerzeugung und zum Stromverbrauch ermöglicht. Auf Basis solcher Plattformen lassen sich deshalb digitalisierte, datengetriebene Geschäftsmodelle realisieren, mit denen die Flexibilität in Geschäftsprozessen und Märkten erheblich gesteigert wird. Das Fundament einer IoT-Plattform liegt im Daten- und Device- Management. Hierüber werden die vernetzten Geräte, Produkte und Maschinen verwaltet und die Daten verarbeitet.

Einspeiseprognose

Hartmut Entrup ist Bereichsleiter Smart-X bei Arvato Systems. Foto: Arvato Systems

Ein weiterer Anwendungsfall ist die Einspeiseprognose, denn – so Hartmut Entrup – auf Basis aggregierter Daten aus regenerativen Erzeugungsanlagen sowie Wetterdater kann die Netzauslastung für mehrere Stunden im Voraus berechnet werden. Daraus können dann Handlungsoptionen abgeleitet werden: Bei hohen Überschüssen muss die fragliche Energiemenge an der Energiebörse gehandelt werden, bei sehr hohem Verbrauch oder zu wenig Einspeisung müssen die Kraftwerksfahrpläne für die Erzeugung nach oben justiert werden. „Es ist möglich, sehr feinkörnig zu analysieren, das heißt, bis auf einen einzelnen Verbraucher zu spezifizieren, wie viel er wann verbraucht respektive verbrauchen wird“, berichtet der Bereichsleiter. „Da sind dann Nutzungsszenarien möglich, in denen „Stromfresser“ identifiziert werden können, um die Netzauslastung zu optimieren.“

Arvato Systems hat jetzt eine solche modulare und skalierbare IoT- und Big Data-Plattform entwickelt. „Diese Smart Energy Platform von Arvato Systems bietet dabei energiewirtschaftliche Lösungen für Marktteilnehmer – insbesondere für klassische Energieversorgungsunternehmen – um die Herausforderungen der Energiewende in Zukunft erfolgreich zu meistern“, erläutert der Bereichsleiter. Als besonderen Vorzug stellt er heraus, dass sich einzelne Service-Produkte, wie etwa Energieeffizienz- oder Smart Meter-Anwendungen, problemlos auf der Plattform abbilden lassen, ohne dafür mehrere individuelle Software-Systeme anschaffen zu müssen.

Hierzu werden sämtliche Massendaten aus den Bereichen der Energieproduktion, Energieverteilung und dem Verbrauch mit Hilfe der Plattform analysiert und die technischen Anlagen mit Steuerungs- und Überwachungskomponenten ausgestattet. Dank der integrierten Big Data-Technologie lassen sich Daten aus unterschiedlichen Quellen, wie beispielsweise Wetter-, Sensor-, technische Anlagen- und Verbrauchsdaten, sammeln, aufbereiten und effizient auswerten. Das ermöglicht es, das Erzeugungs- und Lastmanagement entsprechend verlässlich prognostizierter Einspeisungen und Verbräuche zu optimieren.

Kern der Smart Energy Platform von Arvato Systems ist ein modulares White-Label- Leistungspaket, über das Lösungen rund um das Energie-, Netz- und Lastmanagement sowie das Management von Flexibilitätsprodukten bereitgestellt werden. Alle Lösungen können sowohl um intuitiv nutzbare Webportale für Energie-Endkunden als auch um flexible Billing-Services ergänzt werden. Prozesse für neue digitalisierte Geschäftsmodelle werden damit „End-to-End“ unterstützt.

Kontakt: Arvato Systems, Hartmut Entrup, 33333 Gütersloh, Tel.: +49(5241)80-89227, hartmut.entrup@bertelsmann.de

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