Perspektive Elektromobilität

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Die Elektromobilität ist auf der politischen Agenda weit nach oben gerückt, denn die klimaverträglichen Fahrzeuge sollen gleichzeitig zum Vehikel für neue Märkte werden. Vier Bundesministerien fördern Projekte aus insgesamt 27 Themenfeldern und auch die Energieversorger beginnen, sich konkreter mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ganz offenkundig eröffnet sich hier ein neuer Vertriebskanal für Strom und der Zugang zu bislang nicht erschlossenen Kundengruppen. Auch Chancen für ganz neue Geschäftsmodelle rund um die Ladeinfrastruktur gilt es zu gestalten.

Gleichzeitig ist Elektromobilität auch ein Netzthema: Die neuen Verbraucher müssen intelligent in die Niederspannung eingebunden werden, damit sie dort auch bei hoher Nachfrage zumindest keinen Schaden anrichten. Lastmanagement, Energiespeicher, Mess- und Regelechnik werden dabei zu wichtigen Stellgrößen.

BNetzA dokumentiert öffentliche Ladepunkte

Die Bundesnetzagentur hat am 18.04.2017 eine interaktive Übersichtskarte von öffentlichen Ladepunkten für Elektromobile in Deutschland veröffentlicht. Die Übersichtskarte bildet den Standort der jeweiligen Ladepunkte mit Adresse sowie die vorhandenen Stecker und Ladeleistungen ab. Zudem sind die Einrichtungen nach Schnell- und Normalladepunkten gemäß Ladesäulenverordnung differenzierbar (Maximale Ladeleistung Normalladepunkt: bis 22 kW, Schnellladepunkte: über 22 kW).

Betreiber von öffentlich zugänglichen Ladepunkten sind nach der Ladesäulenverordnung seit 17. März 2016 verpflichtet, diese bei der Bundesnetzagentur anzuzeigen. Hintergrund ist insbesondere die Sicherstellung einer einheitlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland durch die Festlegung bestimmter Steckertypen als Mindeststandards. Die Karte enthält die Ladesäulen aller Betreiber, die das Anzeigeverfahren der Bundesnetzagentur erfolgreich durchlaufen und der Veröffentlichung der Ladepunkte zugestimmt haben.

www.bnetza.de

 

Flexibel bezahlen an der Ladesäule

Die Bundesregierung hat Ende März 2017 Änderungen an der Ladesäulenverordnung beschlossen. Fahrer sollen künftig alle öffentlichen Ladestationen auch ohne Vertrag nutzen können. Dazu sollen Betreiber der „Stromtankstellen“ das punktuelle Aufladen kostenlos, mittels Bargeld, gängiger kartenbasierter Bezahlsysteme oder eines webbasierten Systems ermöglichen. SMS-Zahlung und andere Dienste können zusätzlich angeboten werden. Die Menüführung zum Aufladen und Bezahlen muss mindestens in Deutsch und Englisch zur Verfügung stehen. Ausnahmen gelten lediglich für Ladepunkte mit einer Leistung von höchstens 3,7 KW. Auch bestimmte Steckervorgaben finden hier keine Anwendung. So sollen auch kleinere Elektrofahrzeuge und das sogenannte „Laternenladen” gefördert werden.

 

INNOVATIONS(T)RAUM ELEKTROMOBILITÄT

2017 27.-28. Juni 2017, Berlin

Programmpunkte:

• Keynotes zu Visionen und Best Practices aus Europa
• Start-Up Session, Ausstellung, Fachforen, Kurzvorträge, Diskussionsrunden
• Aktuelle Studien und Methoden zur Entwicklung von Geschäftsmodellen
• Projektergebnisse des Technologieprogramms „IKT für Elektromobilität III”.

Der INNOVATIONS(T)RAUMS ELEKTROMOBILITÄT 2017 in Berlin wird organisiert durch den VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. und das Deutsche Dialog Institut.

www.innovationstraum2017.de

 

Ladeinfrastruktur

Nach Angaben der Nationalen Plattform Elektromobilität (NEP) nutzen derzeit 85 Prozent der Fahrer von Elektroautos eine private Lademöglichkeit. Hier wird der NEP zufolge Planungssicherheit für alle Beteiligten geschaffen, wenn die Elektromobilität in das Bau-, Wohneigentums- und Mietrecht integriert wird. Auch steuerrechtliche Anpassungen werden gefordert, damit etwa Arbeitnehmer ihre Fahrzeuge im Betrieb laden können, ohne steuerliche Nachteile zu haben.

Darüber hinaus sind nach aktuellem Stand (März 2017) gut 7.407 öffentlich zugängliche Ladepunkte dokumentiert, davon 292 Schnellladepunkte. Perspektivisch rechnen Experten über 2020 hinaus mit einem Verhältnis von 60-70 Prozent privater Ladesäulen zu 30-40 Prozent öffentlich zugänglicher Stromtankstellen. Das Bundesverkehrsministerium hat mit der Autobahn Tank & Rast GmbH vereinbart, alle ihrer rund 400 eigenen Raststätten an Bundesautobahnen mit Schnellladesäulen und Parkplätzen für Elektrofahrzeuge auszustatten. Doch das ist nur ein Anfang, denn für das Jahr 2020 hat die NPE einen Bedarf von 70.000 öffentlichen Ladepunkten und 7.100 Schnellladesäulen ermittelt. Ein von Privatwirtschaft und öffentlicher Hand gemeinsam getragenes 10.000-Säulenprogramm soll beitragen, dieses Ziel zu erreichen.

Öffentliche Ladepunkte müssen einfach zu finden und komfortabel zu bedienen sein. Dazu gehören zum Beispiel einheitliche technische Standards für Ladestecker, die künftig EU-weit umgesetzt werden sollen: Gab es bislang mindestens fünf unterschiedliche Steckertypen, soll in Zukunft jeder Ladepunkt in der Europäischen Union und jedes Fahrzeug europäischer Hersteller das Combined Charging System (CCS) unterstützen, das sowohl für Normal- als auch Schnellladevorgänge geeignet ist. Auch das bequeme Bezahlen der „Tankfüllung”, wird in der jüngsten Fassung der Ladesäulenverordnung geregelt (siehe Kasten). Für weiteren Nutzerkomfort sorgt die Integration der Ladeinfrastruktur in Apps und Navigationssysteme. Neben Lösungen von Fahrzeugherstellern, Ladesäulenbetreibern und Mobilitätsanbietern gibt es momentan bereits eine Vielzahl von privaten Websites und Smartphone- Apps, die den Fahrer zum nächsten Ladepunkt lotsen.

Beispiele sind:

www.plugfinder.de

www.goingelectric.de

www.e-tankstellen-finder.de

www.plugsurfing.de

www.nationale-plattform-elektromobilitaet.de

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