Speicher: Neue Geschäftsfelder für Energieversorger?

Foto: BELECTRIC

Vor wenigen Jahren waren sie noch Exoten im Netz, nun beginnen sich Energiespeicher zu etablieren – als Großspeicher, ergänzende Komponenten in der Energieversorgung von gewerblichen Kunden, als Haushaltsbatterien oder im Rahmen der Elektromobilität. Wir sprachen mit Frank Amend, Global Head of Batteries & Hybrid Systems bei innogy SE über die Rolle, die Speichertechnologien in seinem Unternehmen spielen.

50komma2: Welche Faktoren führen dazu, dass bei innogy Speicher heute auf strategischer Ebene Berücksichtigung finden?

Frank Amend, Global Head of Batteries & Hybrid Systems bei innogy SE. Foto: innogy SE

Frank Amend: Die Speicherung von Energie steht bei innogy und RWE schon seit vielen Jahren im Fokus. Als innogy haben wir zahlreiche Gasspeicher und Wärmespeicher im Portfolio. Das Portfolio wird nun um Batteriespeicher für Strom erweitert. Anfang diesen Jahres haben wir mit der BELECTRIC Solar & Battery einen ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet übernommen. Dieses Know-how ist eine hervorragende Ergänzung zu allen Aktivitäten von innogy auf dem Gebiet der Batteriespeicher und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau eines dezentralen, regenerativen Energiesystems der Zukunft.

Welche Einsatzbereiche sehen Sie konkret für Speicheranwendungen, bezogen auf den Energiemarkt, das Netz und den Endkunden?

Batterien stellen in den Verteilnetzen eine zunehmend interessante Alternative für den Netzausbau dar, um die Herausforderungen der Energiewende zu meistern. Erneuerbare Energien mit zeitlich schwankender Einspeisung können sinnvoll durch Batteriespeicher ergänzt werden. Unsere Kunden können den Nutzen der eigenen PV-Anlage durch eine Erhöhung des Eigenverbrauchs verbessern. Für unsere Geschäftskunden bieten wir Lösungen, die eine bestehende Energieinfrastruktur durch Batteriespeicher optimiert. Möglich werden diese neuen Anwendungsfälle durch sinkende Preise für Batteriespeicher in den letzten Jahren. Wir erwarten, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzt, so dass weitere spannende Anwendungen für Batterien im stationären Bereich möglich werden.

Wie soll die Umsetzung bei innogy erfolgen?

innogy hat in den vergangenen Jahren in allen Geschäftssegmenten, also im Bereich Erneuerbare Energien, im Netz- und im Vertriebsgeschäft, gute und wichtige Erfahrungen mit dem Aufbau, Betrieb und der Optimierung von Batteriespeichern sammeln können. Die innogy Tochter Westnetz testet beispielsweise nahe der Stadt Wettringen, einer Gemeinde im nordwestlichen Münsterland, einen großen Batteriespeicher – und zwar erstmals in einer realen Anwendung im ländlichen Mittelspannungsnetz. Der Speicher kann eine Energiemenge von einer Megawattstunde aufnehmen, das entspricht etwa dem Energieinhalt von 2.000 Autobatterien. Insbesondere in der Mittagszeit an sonnigen Tagen speisen in der Region zahlreiche Photovoltaikanlagen ihren Strom ins Netz ein. Dieser Strom kann jetzt in die Batterie geleitet und später wieder ins Netz vor Ort abgegeben werden. Neben einer Entlastung des Netzes an sonnigen Tagen können mit der Testanlage wertvolle Betriebserfahrungen zum Thema netzdienliche Flexibilitäten gesammelt werden. Die gesammelten Erfahrungen werden aktuell in einer neuen Einheit gebündelt, um die zahlreichen Kundenanfragen kompetent zu beantworten und Lösungsoptionen anbieten zu können.

Welche Meilensteine wurden bereits erreicht?

Wir freuen uns, dass wir aktuell mit Kunden aus verschiedenen Ländern, in denen innogy aktiv ist, konkrete Batterieprojekte und -lösungen realisieren können. Das Spektrum reicht von kleineren Haushaltsbatterien in der 5kWh-Klasse, über Geschäftskundenlösungen mit Speicherkapazitäten im 100kWh-Bereich, bis hin zu Großspeichern. Diese Speicherlösungen kombinieren wir mit anderen innogy Produkten, beispielsweise unseren Smart Home Lösungen oder Ladesäulen für Elektromobilität. Batterien sind ein zentraler Baustein für die Energieversorgung der Zukunft!

Kontakt: innogy SE, Frank Amend, 45128 Essen, Frank.Amend@innogy.com

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