Von der TankE in die Cloud

Foto: RheinEnergie AG

Die RheinEnergie in Köln positioniert sich konsequent im neuen Geschäftsfeld Elektromobilität.

Axel Lauterborn, Leiter Unternehmensentwicklung bei der RheinEnergie und Geschäftsführer der neugegündeten IT-Tochter chargecloud. Foto: RheinEnergie AG

Die Frage, ob Elektromobilität für Stadtwerke ein interessantes Betätigungsfeld wird, hat man bei der Kölner RheinEnergie längst beantwortet. Bereits seit 2008 beschäftigt sich der regionale Versorger mit dem Thema – unter anderem als Partner im Projekt colognE-mobil, bei dem im Verlauf von sechs Jahren gemeinsam mit Partnern aus der Region umfangreiche Forschungsund Entwicklungsarbeiten zum Thema durchgeführt wurden. Heute betreibt die RheinEnergie mit 206 Ladepunkten an 122 zumeist öffentlich zugänglichen Ladestationen (TankEn) in Köln und dem Umland eines der dichtesten Ladenetze für Elektrofahrzeuge in Deutschland, das kontinuierlich ausgebaut wird. Noch in diesem Jahr sollen im Kölner Stadtgebiet sechs 50 kW-DC-Schnell-Ladestation für PKW bereitgestellt werden. Hinzu kommen Ladestellen für die wachsende Zahl von E-Bussen sowie für den sogenannten Landstrom, mit dem sich die Schiffe auf dem Rhein beim Anlegen in der Domstadt versorgen können.

Axel Lauterborn, Leiter Unternehmensentwicklung bei der RheinEnergie, hält es für zwingend erforderlich, dass sich Stadtwerke proaktiv mit Elektromobilität auseinandersetzen: „Die Zahl der in Köln zugelassenen Autos mit Elektroantrieb wird Prognosen zufolge bis zum Jahr 2025 auf bis zu 50.000 ansteigen“, erläutert er. Hinzu kommen Elektroautos von außerhalb, die hier aufgeladen werden müssen. Sein Fazit: „Mit der Elektromobilität entsteht neue Nachfrage nach Strom, also Wachstumspotenzial für unser Kerngeschäft.“ Derzeit fallen für private Nutzer der Kölner TankEn, ebenso wie in vielen anderen öffentlichen Ladenetzen, noch keine Kosten an. Auch für Eigenheimbesitzer gibt es bei der RheinEnergie die private Stromtankstelle als Komplettpaket für eine geringe monatliche Pauschale. „Momentan geht es hier natürlich primär darum, die Elektromobilität zu fördern und Endkunden zu binden“, sagt Lauterborn. Irgendwann wird es aber auch die Tankfüllung fürs Elektroauto nicht mehr zum Nulltarif geben. Mittel- und langfristig kann die Versorgungsbranche hier durchaus mit nennenswerten Abnahmemengen rechnen. Laut Herstellergaben benötigen derzeit marktübliche Pkw mit Elektroantrieb im Durchschnitt etwa 125 Wh pro Kilometer.

Der reine Ladestromverkauf sei jedoch sei nur ein Aspekt des neuen Mobilitätstrends, so Lauterborn – zumal in diesem Bereich die Erträge bekanntermaßen gering und die Konkurrenz groß sei. Daher beschlossen die Kölner frühzeitig, weitere Bereiche der Wertschöpfung abzudecken und damit auch für die unterschiedlichen Kundengruppen zusätzliche Mehrwerte zu erschließen. „Wir sehen hier die Chance, ein vollständig neues Geschäftsfeld für die RheinEnergie zu besetzen“, berichtet der Leiter Unternehmensentwicklung.

Auch die Rheinschifffahrt kann in der Dommetropole Strom tanken. Foto: RheinEnergie AG

Komplettpaket Ladeinfrastruktur

Dreh- und Angelpunkt beim Ausbau der Elektromobilität und gleichzeitig zentraler Kundenzugang ist die Ladeinfrastruktur. Hier beobachten Axel Lauterborn und seine Kollegen seit Jahren eine stetig wachsende Nachfrage – in ganz unterschiedlichen Zielgruppen. So suchen einerseits kleinere Stadtwerke und Kommunen im Umland Unterstützung bei der Errichtung öffentlicher Ladesäulen, gleichzeitig erhält die RheinEnergie seit einiger Zeit verstärkt Anfragen privatwirtschaftlicher Interessenten. „Für Parkhausbetreiber, Wohnungsgesellschaften oder Unternehmen mit einer entsprechenden Anzahl eigener Parkplätze werden Ladestationen für Elektrofahrzeuge über kurz oder lang zum Standard gehören“, berichtet Lauterborn. Ebenso attraktiv werden Elektrofahrzeuge in naher Zukunft für gewerbliche Flottenbetreiber – vom Lieferservice über Kundendienste bis hin zum privaten Pflegeanbieter. Hier setzt das Dienstleistungsangebot der RheinEnergie an, die ihre Kunden inzwischen von der Planung über die Installation bis hin zum Betrieb der Stromtankstellen unterstützt.

Allen Kunden gemeinsam ist nach Lauterborns Erfahrung der Wunsch, die neue Infrastruktur mit möglichst geringem Aufwand bereitzustellen und zu betreiben. „Ein Komplettpaket, das diesen Namen verdient, muss dazu entsprechende Softwaretools bereitstellen“, sagt Axel Lauterborn. Diese müssten sicherstellen, dass der Betreiber jederzeit einen Überblick über die Anlagen und die relevanten Nutzungs- und Zustandsdaten hat, bei technischen Problemen informiert wird und elementare Fernwartungsfunktionen ausführen kann. Wo der Betreiber die Infrastruktur für seine gewerbliche Flotte nutzt oder den Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung stellt, benötigt er ein Instrument, um die entsprechenden Zugangsberechtigungen auszustellen und zu verwalten. Auch ein App für die Nutzer gehöre eigentlich zu Standard.

„Darüber hinaus beginnen insbesondere Betreiber aus dem öffentlichen und halb-öffentlichen Raum, über eine Kommerzialisierung ihrer Infrastruktur nachzudenken“, weiß Axel Lauterborn. Auch hier ist eine integrierte IT-Lösung gefragt. „Konkret geht es hier zum Beispiel um ein Kunden- und Vertragsmanagement, eine Anbindung an die kaufmännische Software des Betreibers sowie – ganz wichtig – flexible Optionen für die Tarifgestaltung“, sagt der Leiter Unternehmensentwicklung. Gerade in diesem Bereich sieht Lauterborn eine wesentliche Stellgröße für den wirtschaftlichen Betrieb der Ladesäulen, bei der zum Beispiel auch der zugehörige Parkraum mitberücksichtigt werden müsse. „Wir hatten tatsächlich den Fall, dass ein Urlauber sein Elektrofahrzeug an einer Ladesäule am Kölner Flughafen abgestellt und nach einer Woche wieder abgeholt hat“, berichtet er schmunzelnd. Eine Evaluierung der am Markt verfügbaren Lademanagementlösungen ließ beim kölner Versorger schließlich die Entscheidung reifen, ein eigenes Angebot zu entwickeln.

Softwarelösung chargecloud

Quelle: flickr (MSI PX60); Chargecloud GmbH

Um den Betrieb und die Abrechnung von Elektro-Ladeinfrastruktur zu optimieren, gründete die RheinEnergie 2016 gemeinsam mit dem Ladeinfrastrukturpionier MENNEKES und dem Softwareentwickler powercloud die chargecloud GmbH, der Axel Lauterborn als Geschäftsführer vorsteht. Erklärtes Ziel des Unternehmens war und ist es, das Know-how zu Ladestationen und Elektromobilität im Allgemeinen, zum Netzbetrieb sowie zu energiewirtschaftlichen Prozessen und IT-Lösungen zu bündeln. Das gleichnamige Produkt – eine modulare und cloudbasierte Softwarelösung – wurde im Oktober 2016 anlässlich der eCarTec in München erstmals vorgestellt. chargecloud ist einerseits Teil des E-Mobility-Angebots der RheinEnergie, andererseits ein eigenständiges Produkt für alle Betreiber von Ladeinfrastrukturnetzen – Stadtwerke, Unternehmen mit E-Mobil-Flotten, die Immobilienwirtschaft oder Betreiber anderer Liegenschaften.

„Bei der Konzeption der chargecloud war es uns sehr wichtig, dass wir ein offenes System anbieten können“, berichtet Markus Bach, technischer Leiter von chargecloud. „Die Kunden bleiben bei der Wahl ihres Ladestationsund Stromlieferanten völlig frei.“

Neben allen vernetzungsfähigen MENNEKES Systemen, welche direkt oder unter Nutzung des MENNEKES eMobility Gateways an die chargecloud angebunden werden können, ist es möglich, beliebige AC- oder DC-Ladesysteme zu integrieren, soweit sie zum OCPP-Standard kompatibel sind. Das System lässt sich über jeden aktuellen Webbrowser bedienen und ist als Cloudangebot stets aktuell. „Aufgrund des modularen Aufbaus lassen sich einzelne Module – etwa zum Monitoring oder zur Analyse von Kundendaten – jederzeit ergänzen“, so Markus Bach. Auch Ladeinfrastruktur für die Landstromversorgung von Schiffen kann eingebunden werden.

Für die Entscheidung, mit in die Systementwicklung einzusteigen, war bei der RheinEnergie durchaus Überzeugungsarbeit notwendig, doch das Konzept scheint aufzugehen. Das Produkt chargecloud sei im Wettbewerb gut aufgestellt, berichtet Axel Lauterborn. Es biete Betreibern sowohl in wirtschaftlicher als auch in funktionaler Hinsicht durchaus interessante Optionen, so etwa die zeitabhängigen Tarife. Er ist überzeugt, dass gerade das spezifische Fachwissen eines großen Stadtwerks einen echten Mehrwert bietet: „Insbesondere für zukünftige Herausforderungen hinsichtlich dynamischer Tarifierung und Gridmanagement wird diese Stärke spürbar sein.“

Kontakt: RheinEnergie, Axel Lauterborn, 50823 Köln, Tel. +49 (0)221 178-0, a.lauterborn@rheinenergie.com

 

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