Aufbau kommt langsam voran

Kurt Sigl, Präsident des BEM, fordert mehr Engagement von der Politik und den Fahrzeugherstellern. Foto: BEM / Bundesverband eMobilität e.V.

Der Bundesverband eMobilität e.V. (BEM) setzt sich langfristig dafür ein, die Mobilität in Deutschland mit dem Einsatz Erneuerbarer Energien auf Elektromobilität umzustellen. Diese Zielsetzung orientiert sich am Vorhaben der Bundesregierung, bis 2020 zum Leitmarkt für Elektromobilität zu werden.

Kurt Sigl, Präsident des BEM, fordert mehr Engagement von der Politik und den Fahrzeugherstellern. Foto: BEM / Bundesverband eMobilität e.V.

Wir sprachen mit BEM-Präsident Kurt Sigl.

1. Herr Sigl, wie schätzen Sie die Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein?

2025 rechnen wir mit einem Gesamtanteil von ca. zehn Prozent rein elektrisch betriebener Fahrzeuge, also rund fünf Millionen. Zu den Vorreitern gehören Firmenfuhrparks, klein- und mittelständische Unternehmen sowie der neuen Mobilität gegenüber offene Menschen. Wir sehen derzeit leider weder seitens der Politik noch der deutschen Fahrzeughersteller den nötigen Willen, das Thema voranzutreiben.

2. Was bedeutet das für den Ausbau der Ladeinfrastruktur?

Die Anzahl der notwendigen Ladestationen hängt natürlich mit der Zulassungszahl von Elektrofahrzeugen zusammen. Der Ausbau sollte also sukzessive dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Bei der Standortplanung von Ladepunkten sollten sowohl das Nutzerverhalten als auch der Wohnort und der Arbeitsplatz von Elektrofahrzeughaltern und Kaufinteressierten mit einbezogen werden. Insbesondere an öffentlichen Orten, an denen die Kunden sowieso länger verweilen, ist der Aufbau von Ladeinfrastruktur sinnvoll – zum Beispiel an Supermärkten, Einkaufszentren oder auch Baumärkten. In einem ersten Schritt betrifft das die Ballungsräume, da auf dem Land primär über Nacht in der heimischen Garage geladen werden kann. Aber auch hier wird der Bedarf an Ladeinfrastruktur zunehmen. Wichtig ist hier vor allem der Aufbau von Ladesäulen entlang der Verbindungsstraßen zwischen den Städten, um die Reichweite und insbesondere die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen zu erhöhen.

3. Wie sieht die Realität aus?

In Deutschland kommt der Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur an öffentlichen Ladestationen zwar voran, aber nur langsam. Experten sehen bis zum Jahr 2020 einen Bedarf an 70.000 öffentlichen Ladepunkten zur Normalladung und 7.100 Schnellladepunkten. Vergleicht man die verschiedenen Online-Verzeichnisse für Ladesäulen miteinander, gibt es bundesweit aktuell etwa 24.000 Ladepunkte.

4. Welche Empfehlung würden Sie Stadtwerken, Stromversorgern und Netzbetreibern geben, die sich mit dem Thema auseinandersetzen?

Neue Akteure sollten sich am besten bereits bestehenden Ladenetzwerken anschließen oder damit kompatible Ladelösungen anbieten. In der Vergangenheit gab es häufig Insellösungen, die nicht miteinander kompatibel waren. Vor allem bei der Bezahlung wurden die Kunden an den Rand ihrer Geduld gebracht. Um als Elektroautofahrer in ganz Deutschland laden zu können, benötigte man etwa 36 verschiedene Ladekarten von unterschiedlichen Anbietern. Benutzerfreundlich ist das nicht. In der Zwischenzeit ist es dank eRoaming-Plattformen möglich, mit drei bis vier Ladekarten in ganz Deutschland laden zu können. Daneben gibt es auch immer mehr Ladesäulen, an denen man ganz unkompliziert mit EC- oder Kreditkarte zahlen kann.

Kontakt: BEM / Bundesverband eMobilität e.V., Juliane Ahrens, 10999 Berlin, T. 030 3464 950 92, juliane.ahrens@bem-ev.de

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