Auf Augenhöhe

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In Vorbereitung des Smart Meter Rollouts erwerben 56 Netzbetreiber in der Anwendergemeinschaft der MITNETZ STROM das notwendige Wissen. Die Mitglieder schätzen das Konzept.

Mit schöner Regelmäßigkeit – und fraglos in bester Absicht – beginnen Informationen zum Smart Meter Rollout mit den Worten „Stadtwerke müssen…“. Doch jenseits der reinen Pflichten bei der Umsetzung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende findet sich in der Praxis der deutschen Netz- und Messstellenbetreiber eine breite Vielfalt individueller Fragestellungen zu Einführung und Betrieb der modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsysteme. Genau diesen Besonderheiten will die Anwendergemeinschaft Smart Meter Rollout Rechnung tragen, die 2015 vom Zählerwesen der MITNETZ STROM in Halle (Saale) ins Leben gerufen wurde. Dementsprechend geht es hier nicht um vorgefertigte Patentrezepte, sondern um einen Rahmen, in dem sich die Stadtwerke eigenverantwortlich auf die Rolle des grundzuständigen Messstellenbetreibers vorbereiten können.

Gemeinsam lernen

Damit der Einbau der intelligenten Messsysteme reibungslos klappt, ist Wissen und praktische Unterstützung erforderlich. Foto: Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH / Thomas Goethe

Dazu will man den Mitgliedern alle erforderlichen Informationen liefern – sei es zu Technik, IT und Systemen, sei es zu rechtlichen, regulatorischen und kaufmännischen Fragen oder zu Prozessen im Zuge des Rollouts. Diese fachliche Expertise ist für David Jäger, Leiter Mess- und Zählerwesen bei den Stadtwerken Eilenburg unabdingbar: „Wenn wir die Digitalisierung im Messwesen fachlich und wirtschaftlich erfolgreich bewältigen wollen, müssen wir die Zusammenhänge verstehen“, sagt er. Die Stadtwerke Eilenburg gehören schon seit November 2015 der Anwendergemeinschaft an und waren bereits beim ersten Pilotprojekt beteiligt. Von Beginn an treffen sich die Mitglieder alle zwei Monate in Workshops, zwischendurch finden Webkonferenzen statt. Über einen digitalen Sharepoint stehen alle Referate und Dokumente den Mitgliedern jederzeit zur Verfügung. Zusätzliche fachliche Unterstützung liefern die Hochschulen Anhalt (Köthen), Merseburg und Mittweida, mit denen die MITNETZ STROM kooperiert.

„Welche Themen hier besprochen werden, entscheiden die Anwender“, berichtet David Jäger. In Vorbereitung der Veranstaltungen erfolgen Abfragen zu den Themen, die den Mitgliedern wichtig sind. Dazu wird ein Themenspeicher genutzt, der von den Mitgliedern gewichtet und ergänzt wird. Weiterhin erfolgen Abfragen zur Organisation der Anwendergemeinschaft und zum Feedback der letzten Veranstaltung. „Unabhängig von seiner Größe hat jedes beteiligte Stadtwerk eine Stimme“, erläutert Jäger. Er gehört inzwischen auch dem Lenkungskreis an, der nach Auswertung der Abstimmungen die Themen und die Organisation der nächsten Veranstaltungen festlegt. „Zu Beginn ging es vorwiegend um technische und rechtliche Fragen, später um die Systemintegration, heute stehen vielfach organisatorische und vertriebliche Themen auf der Agenda“, weiß der Leiter Mess- und Zählerwesen.

Praktische Unterstützung

Die Stadtwerke Eilenburg betreiben rund 12.000 Messstellen und werden dementsprechend in den kommenden drei Jahren rund 1.000 moderne Messeinrichtungen und 120 intelligente Messsysteme ins Feld bringen. Neuere Zählerplätze sind größtenteils vorhanden, Kunden älterer Anlagen werden rechtzeitig informiert. David Jäger ist zuversichtlich, was die Umsetzung betrifft. Als kleines Stadtwerk sind die Eilenburger zudem froh, dass die MITNETZ STROM den Mitgliedern der Anwendergemeinschaft einige große Aufgaben im Zuge des Rollouts abnimmt. Nach umfangreichen Labortests und Piloten erfolgt derzeit in einem Gemeinschaftsprojekt der Praxistest mit 500 Messsystemen und dem vom IT-Dienstleister GISA entwickelten Administratorsystem – drei der Testsysteme sind bei den Stadtwerken Eilenburg installiert. Später wird sich die MITNETZ STROM um die Beschaffung und Prüfung der Geräte sowie um die Telekommunikation kümmern. „Das hätten wir alleine gar nicht stemmen können“, ist David Jäger überzeugt. Auch mit der Smart Meter-Gateway-Administration will man in Eilenburg zunächst die MITNETZ STROM beauftragen. „Das System läuft sehr gut“, berichtet David Jäger. „Wir erhalten als EMT die Mess- und Netzdaten und verarbeiten sie in unseren eigenen Systemen weiter.“ Auf dieser Grundlage wollen die Stadtwerke Eilenburg mittelfristig ein Mieterstrommodell umsetzen. „Für uns hat sich der frühe Einstieg gelohnt“, sagt Jäger.

Schlüssel zum Kunden

Dass auch die Beteiligung zu einem relativ späten Zeitpunkt noch Nutzen bringt, zeigt das Beispiel der Stadtwerke Sangerhausen. Das Unternehmen trat erst Anfang 2017 der Anwendergemeinschaft bei. Anja Hedig ist hier als technische Leiterin für den Smart Meter-Rollout zuständig. „Die Beziehung zum Kunden hängt an der Messstelle“, sagt sie. Daher habe man sich frühzeitig entschlossen, grundzuständiger Messstellenbetreiber für die rund 19.000 Messstellen im Versorgungsgebiet zu bleiben – bis zum 30.6. soll die entsprechende Anmeldung bei der BNetzA erfolgen. Angesichts der Komplexität des Themas wollte man sich in Sangerhausen jedoch zunächst einen Überblick über die Anforderungen und die Angebote am Markt verschaffen. „Wir haben uns sehr intensiv mit dem Thema und den möglichen Konzepten zur Umsetzung beschäftigt“, berichtet Anja Hedig. 2016 fiel dann die Entscheidung, für die Gateway-Administration und technische Infrastruktur auf das Know-how der MITNETZ STROM zu setzen. „Die Technik selbst und die Interoperabilität der Komponenten und Systeme wurden dort auf Herz und Nieren geprüft – das hat uns überzeugt“, erinnert sich die technische Leiterin. Ein Testsystem ist auch in ihrem Unternehmen bereits verbaut. Parallel entschlossen sich die Stadtwerke Sangerhausen, der Anwendergemeinschaft beizutreten. Anja Hedig lobt den Ansatz der MITNETZ STROM: „Es werden wirklich alle wichtigen Themen behandelt und man hat die Möglichkeit, eigene Impulse zu geben.“ Ihr besonderes Anliegen ist die Kundenkommunikation. „Die Kunden müssen spätestens drei Monate vor dem Rollout informiert werden“, sagt sie. „Dann bekommen sie etwas eingebaut, das sie gar nicht bestellt haben, und unter Umständen stellt sich heraus, dass sie auch noch auf eigene Kosten einen neuen Zählerschrank anschaffen müssen.“ Anja Hedig ist überzeugt, dass hier viele Fragen auftauchen, auf die das Stadtwerk eine überzeugende Antwort geben muss. Umso mehr freut es sie, dass in der Anwendergemeinschaft ein netzgebietsübergreifendes Kommunikationskonzept entwickelt werden soll.

Für die praktische Umsetzung des Rollouts sieht sie ihr Unternehmen gut aufgestellt: „Wir haben noch einiges zu tun, aber wir werden das hinkriegen.“ Sogar neue Geschäftsmodelle im Zusammenhang mit dem intelligenten Messwesen hat man in Sangerhausen schon konkret im Blick. Gemeinsam mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft soll ein Projekt zur Umsetzung der intelligenten Messwerterfassung im Wohnungsbau entwickelt werden.

Auch als Neuling in der Anwendergemeinschaft besteht für Anja Hedig kein Zweifel: „Der Ideen- und Erfahrungsaustausch mit vielen Netzbetreibern und Stadtwerken bringt eine Menge.“

Heute ist in der Anwendergemeinschaft das Fachwissen von 56 unterschiedlichen Netzbetreibern vereint, die gemeinsam für über 2,8 Millionen Stromzähler verantwortlich sind – 28 Prozent aller Stromzähler in Ostdeutschland. Und neue Mitglieder sind nach wie vor willkommen.

 

Kontakt: Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH (MITNETZ STROM), Raimund Brückner, 06184 Kabelsketal, Tel. (+49) 345 216-3853, Raimund.Brueckner@mitnetz-strom.de

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