Intelligenztest

Foto: Mark Bollhorst

Die diesjährigen metering days in Fulda weisen schon weit über den Rollout hinaus.

Wenn Dennis Laupichler vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) am 19. September das Podium der metering days betritt, ist ihm die Aufmerksamkeit des Publikums sicher. An seiner Organisation hängt schließlich die Zertifizierung der Smart Meter Gateways und damit der offizielle Startschuss für den Smart Meter-Rollout. Falls es dazu tatsächlich einen verbindlichen Termin gibt – umso besser. Falls nicht, ist das für viele fraglos ärgerlich, in der Sache aber eigentlich nicht dramatisch. Denn eines ist sicher: Die erfolgreiche Durchführung des Smart Meter-Rollouts im Sinne des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende steht absolut außer Frage.

Startbereit

In der Metering Solutions Area ist die Branche nahezu vollständig vertreten. Foto: Mark Bollhorst

Das zeigt ein Blick auf die Anbieterbranche, die auf dem diesjährigen Treffen in Fulda wieder praktisch vollständig versammelt ist und im Vergleich zum vergangenen Jahr weitere wichtige Meilensteine erreicht hat: Die vorgestellten Zähler und Gateways entsprechen durchgängig den (sicherheits-) technischen Anforderungen für den operativen Einsatz, sind interoperabel und arbeiten zuverlässig mit dem Gateway Administrator zusammen. Hinsichtlich der kommunikativen Anbindung der intelligenten Messsysteme via Mobilfunk, Powerline oder spezieller Funklösungen bietet der Markt heute vielfältige Optionen. Eine vergleichende Analyse stellt die Thüringer Kooperation im Messwesen am zweiten Konferenztag vor.

Für die angebundenen Prozesse – allen voran die Gateway-Administration – stehen Systeme und zertifizierte Dienstleister bereit, über die der grundzuständige Messstellenbetreiber seine neuen Aufgaben verlässlich und rechtskonform abwickeln kann. Gleiches gilt für die ETM-Prozesse. Die Integration in die vorhandene Systemlandschaft ist den Anbietern zufolge auf allen Ebenen realisierbar. In umfangreichen Testprojekten wurde die Praxistauglichkeit der Systeme bewiesen und wertvolles Wissen für den Rollout gesammelt – darüber berichten auf der Konferenz zum Beispiel Vertreter von Netze BW, Stromnetz Hamburg, E.ON Metering und Soluvia Metering. Unternehmen, die bei der Vorbereitung und Umsetzung des Rollouts oder beim Betrieb der intelligenten Messsysteme Unterstützung benötigen, finden diese bei Stadtwerkekooperationen, Versorgern und spezialisierten Dienstleistern.

Mehrwertdienste und neue Geschäftmodelle

Für Stadtwerke und Messtellenbetreiber, die noch grundsätzliche Entscheidungen für die Umsetzung des Rollouts treffen müssen, besteht also lediglich die Qual der Wahl – und die große Frage, wie sich das kostenintensive Vorhaben langfristig refinanzieren soll. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, auf der Konferenz und in der Fachausstellung einen Blick über den Tellerrand der Pflichtaufgaben im intelligenten Messwesen zu werfen. Die Technologieanbieter und Dienstleister tun das längst und auch im Konferenzprogramm spielen künftige Mehrwertdienste und Geschäftsmodelle rund um die neue Infrastruktur eine wichtige Rolle. Christian Arnold, der bei der EWE das SINTEG-Projekt Enera leitet, Sebastian Schnurre, beim neuen Kooperationspartner BNE (Bundesverband Neue Energiewirtschaft) zuständig für Flexibilität und Digitales sowie Dr. Kai-Olaf Kruse, Geschäftsführer E.ON Metering, widmen sich diesen Themen.

Kurzfristig interessante Optionen ergeben sich beispielsweise im Submetering respektive dem wettbewerblichen Messstellenbetrieb. Darüber hinaus bietet die neue Infrastruktur zahlreiche Ansatzpunkte für kombinierte Angebote rund um das Thema Energieeffizienz – selbst auf der Basis moderner Messeinrichtungen lassen sich entsprechende Anwendungen realisieren. Smart- Home- und Smart-Building-Lösungen oder Mieterstrom- Angebote sind in diesem Zusammenhang ein weiterer Baustein für künftige Business Cases. Die Vorträge zu Entwicklungen in der Wohnungswirtschaft, ganzheitlichen Lösungsansätzen für Quartiere und möglichen Kundenvorteilen durch intelligente Messsysteme können hier neue Impulse geben.

Wer mit dieser Perspektive durch die Ausstellung geht, wird feststellen, dass die anwesenden Zählerhersteller keineswegs nur im Strommarkt aktiv sind. Zudem haben viele Anbieter überaus intelligente Lösungen zur spartenübergreifenden Erfassung, Verwaltung und Auswertung von Energiedaten im Portfolio. Manch ein Smart Meter-Gateway ist mehrsparten- und mehrtariffähig und auch seitens der Software-Hersteller werden die neuen Geschäftsfelder inzwischen ganz konkret unterstützt.

Steuerboxen und CLS-Module

Im Digitalisierungsgesetz nur am Rande erwähnt, gewinnen Steuerboxen oder CLS-Module derzeit verstärkt an Aufmerksamkeit. Als Kommunikationsschnittstelle zu allen Geräten und Anlagen, die nicht direkt an das Smart Meter-Gateway angeschlossen sind, bergen sie in der Tat enorme Potenziale für neue Geschäfts- und Betriebsmodelle im intelligenten Netz. So ermöglichen sie einerseits den Zugriff auf Mess- und Zustandsdaten jenseits der intelligenten Messsysteme und erlauben im Gegenzug die Steuerung von Lasten und Einspeisung. Nicht nur Gerätehersteller präsentieren diese Zukunftstechnologie auf den metering days.

www.zvei-services.de/zvei-akademie/metering-days-2017

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