SMARD

Daten des europäischen Verbands der Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E werden in der neuen Plattform aufbereitet und visualisiert. Quelle: pixabay (Nick H.)

Seit Anfang Juli betreibt die Bundesnetzagentur eine eigene Strommarktdaten-Plattform unter dem Namen SMARD. Die Entwicklerteams von EWERK und XITEE setzten auf eine Mischung aus Eigenentwicklung und individualisierter Standardlösung.

Am 3. Juli 2017 ging SMARD online, die Plattform für Strommarktdaten der Bundesnetzagentur. Der Name steht dabei für „Strom- MARktDaten“. Die Seite zeigt unter anderem geplante und tatsächliche Erzeugung aus Wind, Sonne und weiteren Quellen, Preise im Großhandel oder den nationalen Verbrauch nah an der Echtzeit. Erklärtes Ziel der Bundesnetzagentur: Das komplexe Thema so sauber und verständlich aufzubereiten, dass jeder interessierte Bürger aus den Grafiken, Zahlen und Datensätzen einen Mehrwert erhält. Denn in der Energiebranche werden Daten durch die Dezentralisierung der Energieproduktion infolge der Energiewende immer wichtiger. Deswegen wird SMARD, anders als bisherige Plattformen, auch in ein redaktionelles Konzept eingebettet. Die Artikel erklären das System des Strommarkts generell und erläutern Fachbegriffe.

Eine grenzüberschreitende Kooperation

Entwickelt wurde und wird SMARD von den Teams von EWERK und XITEE. Das Besondere der Kooperation: Die deutsche Strommarktdaten- Plattform wurde von einem deutsch-tschechischen Team über Grenzen hinweg entwickelt. EWERK ist ein Dienstleister für digitale Lösungen mit Sitz in Leipzig, während XITEE ein Software-Entwickler aus Prag ist. Beide Unternehmen haben langjährige Erfahrung mit digitalen Lösungen für große Datenmengen – und bringen Referenzen aus Energie- und Börsenbranche mit. Auch die Stärken der Teams hinsichtlich der Entwicklungs-Skills ergänzen sich. Beides half bei der Entwicklung von SMARD. EWERK ist zudem über die reine Software-Entwicklung hinaus auch Betreiber eigener Rechenzentren, verfügt über eine Consulting- Abteilung und bietet in allen Phasen des Entstehens einer digitalen Lösung Unterstützung – bei der ersten Idee genauso wie bei der Perfektionierung bestehender Lösungen. „Diese 360-Grad-Perspektive der IT-Landschaft war bei der Entwicklung der Strommarktdaten-Plattform wichtig“, sagt Hendrik Schubert, geschäftsführender Gesellschafter von EWERK.

Daten des europäischen Verbands der Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E werden in der neuen Plattform aufbereitet und visualisiert. Quelle: pixabay (Nick H.)

 

Prototyp für eine zugängliche Daten-Plattform

SMARD verfolgt einen konzeptionellen Ansatz, der in der Energiebranche relativ neu ist: Durch den einfachen Zugang zu Daten sollen der breiten Bevölkerung Wissen, Muster und Zusammenhänge im Kontext der Energiewende vermittelt werden. Spannend ist auch die Architektur der Seite aus technologischer Sicht.

Für eine saubere Darstellung braucht es zuerst eine breite Datenbasis. Die stammt im Falle von SMARD vom europäischen Verband der Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E, und wird zunächst überprüft, bevor sie anschließend nahe an der Echtzeit aufbereitet und auf der Plattform sichtbar wird. Das klingt auf den ersten Blick einfacher als es tatsächlich ist.

Datenverarbeitung und Visualisierung

Der Prozess beginnt an einer eigens bereitgestellten Schnittstelle von ENTSO-E. Dort legt ENTSO- E XML-Dateien in einer Art Postfach ab. Die Backend-Systeme von SMARD greifen diese Datenpakete in regelmäßigen kurzen Abständen heraus und speichern sie in unbehandelter Rohform ab. Dadurch sind die Rohdaten zu jedem Zeitpunkt wiederherstellbar.

Im Folgenden werden die Datensätze nach bestimmten Regeln mithilfe von Drools, einem konfigurierbaren Regel-Managementsystem, automatisiert validiert. Dabei wird etwa darauf geachtet, ob die Summe der Viertelstunden mit der Summe der Stunden übereinstimmt oder ob die Werte insgesamt stark von den historischen Mittelwerten abweichen. Im Zuge dessen werden Daten aggregiert, also direkt mit historischen Werten des gleichen Typs zu einem riesigen Datensatz verbunden. So werden die Daten in einen Kontext gesetzt – und es lassen sich leichter Muster erkennen und Schlüsse ziehen. Durch die Aggregation wird nun die Anzeige der Daten auf der Plattform möglich.

Unterschiedliche Akteure benötigen im Zuge der Energiewende verlässliche Daten aus dem Markt. Foto: pixelio (RKB)

Dieses Verarbeitungs-Backend ist eine komplette Eigenentwicklung in Java und verfügt über eine Admin-Oberfläche für Protokollansichten, für Konfiguration der Validierungsregeln und Konfiguration der Datenaufbereitung. Über diese Admin-Oberfläche kann die Bundesnetzagentur insbesondere die Grafiken konfigurieren und einstellen, in welcher Form die Daten angezeigt werden – und etwa die Chart-Typen verändern. Das Daten-Backend von SMARD versorgt die Nutzeroberfläche kontinuierlich mit Dateien im JSON-Format. Das ist dem gebräuchlichen Datenformat XML nicht unähnlich – nur robuster und einfacher. Die Anzeige erfolgt dann mittels JavaScript, das als Komponente in ein Content Management System (CMS) eingebunden ist.

Für die Verwaltung von Texten und Bildern kommt eine individualisierte Version eines Core- Media-CMS zum Einsatz. Dieser Teil des Backends dient vor allem zur Pflege und zum Ausbau eines Alleinstellungsmerkmals von SMARD: Hintergrundinformationen und erklärende Texte zum Strommarkt.

Weitere Meilensteine

Mit dem Start am 3. Juli war ein Meilenstein von SMARD geschafft – jedoch noch lange nicht das Ende des Entwicklungszyklus erreicht. Und dabei geht es nicht nur um den Support bei Fragen oder Problemen, bei denen EWERK eng mit der Bundesnetzagentur kooperiert. Auch weiterhin arbeiten Crews von EWERK und XITEE zusammen mit dem Team der Bundesnetzagentur an Ideen und der Weiterentwicklung der SMARD-Plattform. Hier zahlt sich nun die solide Vorarbeit aus der Designphase aus. Die Datenverarbeitung etwa wurde so dynamisch konzipiert, dass neue Datenströme in Zukunft vergleichsweise reibungslos integriert werden können.

So sollen zukünftig alle Kraftwerke mit einer Leistung von mehr als 10 Megawatt angezeigt werden – und weitere Erneuerbare-Energien-Anlagen aus dem Anlagenregister mit geringeren Leistungen. Ein weiteres Beispiel: Künftig sollen alle auf SMARD verfügbaren Daten zum Download bereitgestellt werden. Das erleichtert die Weiterverwendung von Daten beispielsweise für wissenschaftliche Zwecke. Eine englische Version der Plattform ist ebenfalls in Planung.

Hendrik Schubert: „SMARD ist ein Beleg dafür, dass heute mit der richtigen individuellen digitalen Architektur jegliche Art von Daten verarbeitet und verständlich visualisiert werden kann – für den Endverbraucher genauso wie für Experten.“ Zudem zeigt die Plattform, dass der Launch eines digitales Projekts nur ein Meilenstein von vielen sein kann.

Kontakt: EWERK Gruppe, 04109 Leipzig, T. +49 341 42649-99, info@ewerk.com

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