Mieterstrom

Günstigen Solarstrom für Mieter liefert zum Beispiel die PV-Anlage auf dem Dach des Mehr-Generationen-Hauses in Hattingen. Foto: NATURSTROM AG

Das neue Mieterstromgesetz soll Projekte für die Betreiber wirtschaftlichermachen. Die NATURSTROM AG realisiert solche Vorhaben schon seit langem.

Günstigen Solarstrom für Mieter liefert zum Beispiel die PV-Anlage auf dem Dach des Mehr-Generationen-Hauses in Hattingen. Foto: NATURSTROM AG

Eine Energiewende, von der auch Mieterinnen und Mieter profitieren – das möchte die Bundesregierung mit dem im Juni verabschiedeten Mieterstromgesetz erreichen. Solarstrom wird nun auch dann gefördert, wenn er ohne Nutzung des öffentlichen Netzes an Letztverbraucher geliefert wird.

Für Verbraucher interessant waren Mieterstrommodelle schon vor der Gesetzesinitiative, denn für selbst erzeugten Strom, der direkt vor Ort verbraucht wird, entfallen die Netznutzungsentgelte, die Stromsteuer und einige andere Abgaben. Sind also entsprechende Anlagen – üblicherweise PV-Anlagen und/oder Blockheizkraftwerke (BHKW) – im Gebäude vorhanden, kann der Kunde einen Teil seines Verbrauchs günstiger decken. Den vollen Preis bezahlt er dann lediglich noch für den Reststromanteil, den er aus dem öffentlichen Netz bezieht. Überschüssiger Strom aus der Erzeugungsanlage kann umgekehrt ins Netz eingespeist werden. Für die Anbieterseite – Betreiber der Erzeugungsanlagen respektive Stromlieferanten – ließen sich Mieterstromprojekte bis dato oft nicht wirtschaftlich darstellen. „Bislang lassen sich Mieterstromprojekte nur unter besonders günstigen Umständen umsetzen“, sagt auch Dr. Tim Meyer, Vorstand der NATURSTROM AG. Viele Stadtwerke zögerten daher.

Bundesweit Projekte

Der Düsseldorfer Ökostromanbieter dagegen hat bundesweit bereits über 20 Mieterstromprojekte in den unterschiedlichsten Konstellationen realisiert – im Bestand und im Neubau, in kleineren Mehr-Familien-Häusern ebenso wie in großen Quartieren und in Gewerbeimmobilien. So freuen sich beispielsweise seit dem Sommer die Mieter der 14 Wohnungen eines Mehr-Generationen- Hauses in Hattingen, im Rahmen eines Mieterstrommodells von NATURSTROM rund 70 Prozent ihres Stroms aus einer PV-Anlage auf dem Dach beziehen zu können. Im Möckerkiez in Berlin-Kreuzberg wurde im Frühsommer Richtfest gefeiert. Das 30.000 Quadratmeter große Areal beherbergt 14 Wohngebäude mit rund 470 Wohnungen, 20 Gewerbeeinheiten, 98 Tiefgaragen-Stellplätzen und Raum für soziale Versorgungseinrichtungen. Strom und Wärme liefern hier fünf Photovoltaikanlagen, ein BHKW und ein (Erd-)Gas-Spitzenlastkessel. Das BHKW verfügt über eine elektrische Leistung von 140 kWel und eine thermische Leistung von 215 kWth, der Spitzenlastkessel hat jeweils eine Leistung von 650 kWth. Wie Dr. Tim Meyer berichtet, war die Rentabilität der Projekte zunächst einmal nicht das zentrale Bewertungskriterium für das Engagement seines Unternehmens: „Wir haben schon einiges einfach aus Überzeugung umgesetzt“, sagt der NATURSTROM-Vorstand.

Automatisierte Prozesse

Ortstermin beim Mieterstromprojekt in der Berliner Haasestraße: Donat Kühne (pro.b), Bundesministerin Brigitte Zypries (BMWI) und NATURSTROM-Vorstand Dr. Tim Meyer (v.l.). Foto: NATURSTROM AG

Vor diesem Hintergrund ist es kaum erstaunlich, dass der Düsseldorfer Stromanbieter nicht auf die Einführung der intelligenten Messsysteme wartete. „In den Gebäuden arbeiten wir standardmäßig mit Summenzählern, die den Gesamtbezug sowie den Überschuss erfassen, beim Kunden ist ein einfacher Energiezähler installiert.“ Messstellenbetreiber ist entweder die NATURSTROM AG selbst oder der grundzuständige Messstellenbetreiber. Die dahinterliegende IT-Infrastruktur beherrscht laut Dr. Meyer alle erforderlichen Prozesse – vom Lieferantenwechsel bis hin zur Abrechnung – automatisiert. „Das ist zwar energiewirtschaftliches Neuland, aber keine Raketenwissenschaft“, betont der Vorstand. „Man muss es einfach wollen.“

Hohe Potenziale

Für Dr. Tim Meyer sind Mieterstromprojekte in jeder Hinsicht absolut sinnvoll. „Auf den Dächern der klassischen, mehrgeschossigen Mietshäuser schlummern noch große Solarstrom- Potenziale.“ Das bestätigen Studien: 3,8 Millionen Miethaushalte könnten laut einer aktuellen Untersuchung des Bundeswirtschaftsministeriums künftig Sonnenstrom vom eigenen Dach beziehen. Eine Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) sieht diese Möglichkeit sogar für fast doppelt so viele Mietwohnungen. „Wenn wir diese Potenziale nutzen, können künftig auch deutlich mehr Mieter von den gefallenen Preisen für Sonnenstrom profitieren“, ergänzt der NATURSTROM-Vorstand und hat gleich eine konkrete Zahl zur Hand: „Bei einem Jahresverbrauch von 3.000 Kilowattstunden werden Mieterstromkunden in unserem Projekt in der Berliner Giselastraße über 120 Euro gegenüber der Grundversorgung sparen können.“

Dr. Tim Meyer freut sich über die neuen Fördermöglichkeiten, denn sie werden letztlich auch den Stromkunden zugutekommen – so etwa in der Berliner Haasestraße, wo sich Anfang September Bundesministerin Brigitte Zypries über die Umsetzung von Mieterstrommodellen informierte. Die NATURSTROM AG realisiert dort gemeinsam mit dem Immobilienentwickler pro.b ihr jüngstes Mieterstromprojekt mit 68 Wohnungen und einer Gewerbeeinheit. Die PV-Anlage auf dem Dach verfügt über eine Leistung von 83,75 kWp und wird pro Jahr voraussichtlich knapp über 77.400 kWh Sonnenstrom erzeugen. Über die Hälfte des produzierten Stroms kann direkt im Haus genutzt werden und wird dort etwa 30 Prozent des Verbrauchs abdecken. Die NATURSTROM AG betreibt die Photovoltaikanlage und übernimmt gleichzeitig die gesamte Stromversorgung der Mieter.

Dr. Tim Meyer erwartet, dass von dem neuen Gesetz wichtige Impulse für den Ausbau von Mieterstrommodellen ausgehen. Dennoch würde er sich etwas weniger Bürokratie wünschen: „Die Nachweisprozesse für die Förderung lösen bei Netzbetreibern und Lieferanten erheblichen Aufwand und Risiken aus – da muss die Politik nachbessern“, so sein Fazit.

Kontakt: NATURSTROM AG, Dr. Tim Loppe, 40468 Düsseldorf, Tel. +49 211 77900-363, loppe@naturstrom.de

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