Blockchain: Zukunftsthema im Experimentierstadium

Foto: Sashkin/shutterstock

Eine Studie im Auftrag der Sopra Steria Consulting ergab hohes Interesse – und Zweifel an der Marktreife.

Foto: Sashkin/shutterstock

Die Blockchain-Technologie stößt auch in der Energiebranche auf zunehmendes Interesse. Einsatzszenarien sind die schnellere Zahlungs- und Kaufabwicklung sowie das Managen von Identitäten. Ob und in welcher Form die neue Technologie Eingang in die Wirtschaft findet, untersuchte jüngst die Yougov-Studie „Potenzialanalyse Blockchain” im Auftrag von Sopra Steria Consulting, für die 204 Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen verschiedener Branchen befragt wurden. Rund 79 Prozent der Befragten haben von der Technologie bereits gehört, 48 Prozent kennen sich besser aus. Von diesen nutzen wiederum 22 Prozent ein Blockchain-basiertes System. Im öffentlichen Sektor ist die Bekanntehit mit 53 Prozent am geringsten.

In Deutschland hat sich inzwischen eine Blockchain-Szene mit vielen Startups etabliert. Das Zentrum bildet Berlin. Dort sitzt beispielsweise ein Team von Ethereum, einer Organisation, die eine der derzeit führenden Blockchain-Varianten erfunden hat. Hamburg wird durch seine Nähe zum Handel und zur Logistikbranche als kommende Blockchain- Hochburg für Anwendungen für die Realwirtschaft gehandelt. Das Interesse an Blockchain- basierten Anwendungen innerhalb der deutschen Wirtschaft ist groß. Knapp neun von zehn befragten Unternehmen, die Blockchain kennen, befassen sich mit der Technologie. Der Großteil von ihnen sammelt derzeit vor allem Informationen und tüftelt an möglichen Anwendungsfällen. „In den vergangenen fünf Jahren hat sich ein Markt entwickelt, und Investoren haben ein steigendes Interesse an Blockchain-Startups. Für viele Pioniere hat damit die Blockchain-Gegenwart bereits begonnen. Wer sich jetzt mit den Auswirkungen auseinandersetzt, wird Hürden schneller überwinden und damit früher neue Geschäftsmodelle auf Basis der Blockchain-Technologie entwickeln”, sagt Urs M. Krämer, CEO von Sopra Steria Consulting.

Anwendungsfälle

Foto: Sopra Steria Consulting AG

Ziel der meisten befragten Unternehmen ist, den Umgang mit Geld, Dokumenten, Identitäten und Sachwerten künftig deutlich zu vereinfachen, zu beschleunigen und sicherer zu machen. Diejenigen Unternehmen, die Blockchain bereits einsetzen, nutzen die Technologie unter anderem für eine Anwendung in der Zahlungsabwicklung. Befragte Banken und Versicherer vereinfachen zudem ihr Identity Management durch Blockchain und nutzen die Technologie beispielsweise für gesetzlich vorgeschriebene Know-your-customer-Prozesse. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die verbesserte Steuerung von Lieferketten. Über regelbasierte Verfahren auf Basis eines Smart Contracts werden Transportabläufe automatisiert. Das spart Zeit und Kosten. Zudem lassen sich Betrugsrisiken deutlich eingrenzen. Neue Geschäftsmodelle, wie die Nutzung von Mietgegenständen sowie der Verkauf von Musik und anderer Medien ohne Zwischenhändler sind weitere Anwendungsfelder. „Vorteile können theoretisch überall entstehen, wo ein Austausch von Werten und Daten stattfindet, die durch so genannte geschäftliche Vereinbarungen geregelt sind – also auch in der Arbeit mit Dienstleistern, im Handel, bei Streitfällen sowie bei der Revision und bei Überprüfungen durch Aufsichtsbehörden”, sagt Mustafa Cavus, Blockchain-Experte von Sopra Steria Consulting.

Manager fordern Verbesserungen

Nur sieben Prozent der Fach- und Führungskräfte halten die Technologie allerdings aktuell für marktreif. Für rund jeden Zweiten befindet sie sich in einem Experimentierstadium. Dennoch sieht jede zweite befragte Fach- und Führungskraft die Chance auf komplett neue Geschäftsmodelle, 29 Prozent wollen sich Vorteile gegenüber Wettbewerbern verschaffen. Jeder Fünfte tut sich allerdings noch schwer damit, sinnvolle Einsatzmöglichkeiten zu finden. Fehlende Anwendungsfälle für das eigene Unternehmen sind ein zentrales Argument gegen den Blockchain-Einsatz. Andere Hürden sind Zweifel an der Sicherheit oder die Kosten für die Implementierung. 51 Prozent der Befragten sehen dringend Verbesserungsbedarf beim Schutz vertraulicher Informationen, bevor sie auf die Technologie setzen wollen. „An der geäußerten Skepsis lässt sich ablesen, dass in den Unternehmen vielfach Unkenntnis herrscht. Viele der Argumente treffen nicht auf alle Plattformen und Anwendungen zu. Mit steigendem Know-how, praktischen Erfahrungen und mehr rechtlicher Sicherheit ist davon auszugehen, dass künftig mehr Unternehmen ihre Vorbehalte aufgeben”, so Mustafa Cavus.

Blockchain wird Geschäft maßgeblich verändern

Foto: Sopra Steria Consulting AG

Trotz fehlender Erfahrungswerte und fehlender technischer sowie rechtlicher Standards: 61 Prozent der befragten Fach und Führungskräfte sind überzeugt, dass die Blockchain-Technologie ihre Branche in den kommenden fünf Jahren verändern wird. Es gibt selbst Stimmen, die Blockchain das Potenzial zutrauen, für Transaktionen das zu werden, was das Internet für den Austausch von Informationen ist.

EDNA gründet „Blockchain-Initiative Energie“

Mit der „Blockchain-Initiative Energie” hat sich im EDNA Bundesverband Energiemarkt und Kommunikation e.V. jetzt eine eigene Interessensgemeinschaft für den Einsatz dieser neuen Technologie in der Energiewirtschaft gegründet. Im Unterschied zu anderen Verbänden und Vereinigungen zu Blockchain steht bei dieser Initiative nicht das Thema „Krypto-Währungen” im Fokus. Vielmehr sollen mögliche Einsatzmöglichkeiten und geeignete Frameworks anhand konkreter Geschäftsmodelle untersucht werden.

„Bislang gibt es keine derartige fachliche Gruppierung, die sich auf die spezifischen Gegebenheiten in der Energiewirtschaft konzentriert. Deswegen haben wir diese Initiative auch ganz bewusst nicht als EDNAProjektgruppe gegründet, sondern als eigenständige Plattform, an der sich auch Nichtmitglieder beteiligen können und sollen”, beschreibt Geschäftsführer Rüdiger Winkler den Ansatz. Eine Mitgliedschaft in der Blockchain-Initiative Energie ist auch nicht abhängig von einer bestimmten Branchenzugehörigkeit. Angesprochen werden Unternehmen aus allen interessierten Bereichen wie etwa IT-Dienstleister, die klassischen Energiemarktakteure, Start-Ups oder neue Energieanbieter. Interessierte Unternehmen können über die Mailadresse blockchaininitiative@edna-bundesverband.de weitere Informationen anfordern.

Kontakt: Sopra Steria Consulting AG, Nils Ritter, 22085 Hamburg, Tel. +49 (0) 40 22703-8801, nils.ritter@soprasteria.com

Lesen Sie auch: