Plattform Wohnungswirtschaft

Foto: jl661227/shutterstock

Das Stadtwerkenetzwerk smartOPTIMO schafft einen Rahmen für die Entwicklung neuer Angebote rund um den Messstellenbetrieb in Mehrfamilienhäusern.

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Mit der bevorstehenden Umstellung des Messwesens steht auch die Rolle der Stadtwerke und Messstellenbetreiber auf dem Prüfstand. So macht es allein der Kostendruck, der durch die engen Preisobergrenzen für moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme entsteht, zwingend erforderlich, proaktiv nach Erlösquellen zu suchen, durch die sich die neue Infrastruktur finanzieren lässt. Zudem wollen Stadtwerke als kommunaler Lösungsanbieter agieren.

Veränderte Position im Wettbewerb

Wichtiger noch ist die Tatsache, dass die neue Gesetzgebung auch die Position der Messstellenbetreiber (und damit der Stadtwerke) im Wettbewerb verändert. Wesentlich ist hier Paragraph 6 des MsbG, der sogenannte Liegenschaftsparagraph: Dieser räumt ab 2021 auch dem Anschlussnehmer, also dem Eigentümer einer Liegenschaft, das Recht ein, den Messstellenbetreiber auszuwählen. Die Voraussetzungen sind, dass dadurch alle Zählpunkte der Liegenschaft für Strom mit intelligenten Messsystemen ausgestattet werden, neben dem Messstellenbetrieb Strom mindestens ein zusätzlicher Messstellenbetrieb der Sparten Gas, Fernwärme oder Heizwärme über das Smart Meter-Gateway gebündelt wird und der gebündelte Messstellenbetrieb für keinen der betroffenen Anschlussnutzer zu Mehrkosten führt. Dann kann der Hauseigentümer bestimmen, wer die Ablesung von Strom, Wasser etc. durchführt. „Speziell bei den Unternehmen der Wohnungswirtschaft wird hier einiges in Bewegung geraten“, vermutet Maximilian Joßbächer, der beim Stadtwerkenetzwerk smartOPTIMO ein neues Beratungs- und Entwicklungsprojekt betreut, das genau diese Zielgruppe im Blick hat: Die „Plattform Wohnungswirtschaft”.

Die großen kommerziellen Messdienstleister sind an diesem Markt bereits aktiv und bieten der Wohnungswirtschaft schon heute ein breites Service-Portfolio. „Dazu gehören neben der Verbrauchsablesung und –abrechnung speziell von Heizkosten auch Mehrwertdienste wie etwa das Energiedatenmanagement oder die Installation und Überwachung von Rauchmeldern – aber eben auch Energiebeschaffung und Contracting durch assoziierte Lieferanten“, erläutert Maximilian Joßbächer. Die Messstellen einer Liegenschaft werden damit zum direkten Zugang zu wichtigen Großkunden. Um welche Größenordnungen es hier geht, verdeutlichen aktuelle Zahlen: Allein in einer mittelgroßen Stadt wie Hagen mit knapp 190.000 Einwohnern befinden sich deutlich über 25.000 Wohnungen im Besitz von genossenschaftlichen, kommunalen oder privaten Wohnungsgesellschaften.

Chancen und Herausforderungen

„Für die Stadtwerke liegen hier definitiv Risiken, aber vor allem auch große Chancen“, sagt Joßbächer. So berichten die Mitglieder des Stadtwerkenetzwerks, dass die kommunalen Wohnungsgesellschaften bereits entsprechende Leistungen bei ihnen angefragt hätten. Auch Dipl.-Ing. Hiram Kahler, Referent für Planung und Technik beim Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen und Bremen e.V., bestätigt ein hohes Interesse der Wohnungswirtschaft an einer Zusammenarbeit mit den kommunalen Versorgern. Allerdings, so Kahler, gebe es bei der Art der Bebauung und Energieversorgung, den installierten Beheizungssystemen und Ablesevorrichtungen erhebliche Unterschiede. Erfolgversprechende Angebote müssten diese berücksichtigen. Eine weitere Herausforderung sei die heterogene IT-Infrastruktur der Unternehmen, berichtet der Verbandsexperte. Zudem befinde sich die Abrechnungssoftware gerade im Umbruch. Diese Beispiele zeigen, welche vielfältigen Herausforderungen die Stadtwerke bewältigen müssen, wenn sie sich im Wettbewerb um die Wohnungswirtschaft behaupten wollen. Marktsondierungen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Technologievergleiche, Produktdesign und Lösungsentwicklung – gegebenenfalls mit externen Partnern – sowie der Aufbau der notwendigen Prozesse im Unternehmen sind weitere Meilensteine auf dem Weg zum erfolgreichen Marktauftritt.

Projektphasen der Plattform Wohnungswirtschaft. Foto: smartOPTIMO

„Die Prozesse auf dem Weg zu tragfähigen Angeboten für die Wohnungswirtschaft sind komplex. Bedenkt man zudem, dass die entsprechenden Produkte spätestens 2020 am Markt eingeführt werden sollten, ist der Zeitrahmen eher knapp bemessen. Für ein einzelnes Stadtwerk ist das kaum zu leisten“, sagt Maximilian Joßbächer. Im Rahmen der „Plattform Wohnungswirtschaft“ wird man im Stadtwerkenetzwerk die notwendigen Strategien und Produkte daher gemeinsam entwickeln. Als Koordinator und Moderator der erforderlichen Prozesse wird smartOPTIMO hier unterstützen und ein qualitativ hochwertiges technisches und kaufmännisches Produkt- und Projektmanagement sicherstellen.

Auf dem Weg zum Produkt

Am 29. November fand in Münster das Kick-Off- Meeting der „Plattform Wohnungswirtschaft” statt. Nachdem Maximilian Joßbächer die Hintergründe erläutert und Hiram Kahler die Perspektive der Wohnungswirtschaft dargestellt hatte, zogen sich die 30 Stadtwerkevertreter zu einem ersten Workshop zurück. Hier ging es darum, mögliche Angebote hinsichtlich ihrer Relevanz für die Wohnungsgesellschaften, des Ertragspotenzials und der Realisierbarkeit zu bewerten. Unter anderem kamen Heizkostenablesung und Datenverarbeitung in die engere Wahl. Diese Vorschläge sollen nun im weiteren Verlauf ab Anfang 2018 konkretisiert und zur Umsetzungsreife gebracht werden. „In Phase 1 wird es in erster Linie darum gehen, Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Dazu werden wir die Nachfrage der Wohnungswirtschaft und relevante Rahmenbedingungen genauer analysieren und dazu entsprechende Business Cases entwickeln. Daraus leiten wir dann weitere Empfehlungen für die Teilnehmer ab“, skizziert Maximilian Joßbächer den nächsten Schritt. Im Ergebnis sollen konkrete Produkte stehen, die man dann im Netzwerk sukzessive weiterentwickelt und – so die Erwartung – rechtzeitig vor dem Stichtag am Markt positioniert.

Kontakt: smartOPTIMO GmbH & Co. KG, Maximilian, Joßbächer, 48155 Münster, Tel. 0251 694 3556, maximilian.jossbaecher@smartoptimo.de

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