Spielend das Netz entlasten

Foto: GreenPocket GmbH

Im EU-geförderten PEAKapp-Projekt wird mithilfe einer intelligenten Energiemanagement-Software getestet, wie Endverbraucher zu netzdienlichem Verhalten motiviert werden können.

Seit Smart Metering auf die politische Agenda gesetzt wurde, ist der private Endverbraucher immer wieder Gegenstand der Diskussion. Ohne Frage bergen energieeffizientes Verhalten oder Demand Side Management beim Stromkunden interessante Optionen für die Netze. Doch wie können Verbraucher motiviert werden, ihr Verhalten in dieser Richtung zu verändern? „Ohne Frage sind die Möglichkeiten des Smart Metering mit der Visualisierung von Verbräuchen noch längst nicht ausgereizt“, sagt Dr. Thomas Goette, Geschäftsführer der GreenPocket GmbH. Das auf Smart Metering spezialisierte Softwareunternehmen ist Partner im PEAKapp-Projekt, das die Potenziale beim Endkunden ausloten will. Das Vorhaben wurde 2016 am Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität im österreichischen Linz ins Leben gerufen und wird durch das Horizont 2020-Programm der Europäischen Union gefördert. Teil des Konsortiums aus elf internationalen Partnern sind zum Beispiel ENAMO, einer der drei größten Energielieferanten Österreichs, und der Versorger 220 Energia, welcher Kunden in Lettland, Estland und Finnland mit Strom versorgt. GreenPocket liefert die notwendigen Softwarekomponenten.

Foto: GreenPocket GmbH

Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer App für private Stromkunden, die Verhaltensänderungen im Sinne von Lastverschiebungen und der Vermeidung von Lastspitzen anstoßen soll. In einer breit aufgesetzten Kampagne der ENAMO wurden rund 2.000 Haushalte gewonnen, die sich bereit erklärten, an einem einjährigen Feldtest teilzunehmen. Über 1.500 Haushalte wurden ausgewählt, um unter realen Bedingungen zu überprüfen, ob und mit welchen Funktionen ein solcher Effekt erzielt werden kann. Bei positiven Testergebnissen ist eine großflächige Verbreitung der PEAKapp-Anwendung im europäischen Raum geplant. Dr. Thomas Goette sieht hier auch für sein Unternehmen eine große Chance: „Im Rahmen des PEAKapp-Projektes hatten wir die Gelegenheit, unsere Software um neue, wesentliche Features zu erweitern. Sie wurde um Elemente ergänzt, durch die mehr Interaktion erzeugt und das Customer Engagement verstärkt werden soll. Nun wird uns durch die Kooperation mit internationalen Vorreitern auf dem Smart Meter-Markt die Möglichkeit geboten, die Effekte der neuen Features auf das Verbraucherverhalten genau nachzuvollziehen.“

Per Smartphone zur Netzdienlichkeit

Das Ergebnis der Entwicklungsarbeit, das im Pilotversuch getestet wird, ist fraglos innovativ, denn es orientiert sich bewusst sehr eng an den Aktivitäten und Vorlieben moderner Smartphone-Nutzer. Konkret werden vier Testinstrumente in der Feldstudie eingesetzt: Eine Gamification-Anwendung, ein Campaigning-Tool, eine Funktion für den Vergleich mit realen Haushalten sowie eine Social Media-Anbindung.

Die Gamification-Anwendung soll die Nutzer auf spielerische Weise dazu motivieren, sich intensiver mit ihrem Energieverbrauch zu beschäftigen. Sie können hier Schätzungen zu ihrem täglichen Energieverbrauch abgeben und am Folgetag überprüfen, wie nahe ihre Schätzung an ihrem tatsächlichen Verbrauch lag. Abweichungen können sie anschließend durch das Zuschalten virtueller Stromverbraucher oder -erzeuger ausgleichen, um damit ihren Punktwert zu optimieren. Durch das Spiel können sie nicht nur lernen, ihren eigenen Verbrauch besser einzuschätzen, sondern sie werden auch für den typischen Verbrauch einzelner Geräte sensibilisiert. Das soll sie in die Lage versetzen, ihre Energieeffizienz langfristig zu optimieren.

Das Campaigning-Tool gibt dem Energieversorger die Möglichkeit, seinen Kunden flexible Rabatte anzubieten. Die damit gelieferten Preisanreize können den Zeitpunkt beeinflussen, zu dem der Kunde Geräte mit hohem Stromverbrauch aktiviert. Das gibt dem Energieversorger ein Instrument an die Hand, mit dem er im Idealfall gezielt Lastverschiebungen auslösen und damit die Netzspannung reduzieren kann. Außerdem hat er dadurch eine Möglichkeit, den Kundendialog auszubauen und die Kundenbindung zu stärken.

Der Vergleich mit ähnlich ausgestatteten Haushalten schafft Wettbewerbscharakter. Foto: GreenPocket GmbH

Getestet wird auch die Möglichkeit, den eigenen Verbrauch mit dem Verbrauch ähnlich ausgestatteter Haushalte zu vergleichen. So können die Nutzer – natürlich unter strikter Bewahrung von Datensicherheit und Anonymität – erkennen, ob sie im Verhältnis in besonders effiziente oder eher in ineffiziente Verbrauchergruppen fallen. „Durch diesen Peergroup-Vergleich entsteht ein Wettbewerbscharakter, der zu einer Optimierung des Verbraucherverhaltens motivieren soll“, erläutert Dr. Thomas Goette.

Die Ergebnisse von Gamification-Anwendungen und Haushaltsvergleichen können anschließend über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter geteilt werden. Diese Funktion soll Diskussionen über Einsparmöglichkeiten und neue Trends anregen und gibt dem Energieversorger nicht nur Einblicke in die Kundenperspektive, sondern ermöglicht ihm auch eine positive Positionierung in der Öffentlichkeit.

Erste Ergebnisse

Die finalen Ergebnisse der Feldstudie stehen noch aus. Es lässt sich allerdings bereits ein erster Zwischenstand bezüglich der Nutzungsintensität festhalten: Etwa die Hälfte der teilnehmenden Haushalte nutzt die Software aktiv. Über 60 Prozent der aktiven Nutzer verwenden die Gamification- Anwendung, etwa ein Drittel davon regelmäßig. Ganze 70 Prozent der aktiven Anwender haben sich für den Vergleich mit anderen Haushalten interessiert. Auch auf diese Funktion greift etwa ein Drittel der Nutzer wiederholt und regelmäßig zu. Die Projektleitung wertet diesen Zwischenstand als Erfolg: „Die Anzahl der Haushalte, welche die App mehrmals wöchentlich nutzen, übertrifft unsere Erwartungen sogar“, kommentiert Projektleiter Dr. Johannes Reichl zufrieden. „Besonders spannend ist für uns die Frage, ob die Kunden das Angebot kurzfristig billiger Strompreise bei günstiger Marktlage annehmen und tatsächlich Lasten verschieben“, so Reichl. Das werten die Projektpartner ab dem nächsten Frühling aus.

Kontakt: GreenPocket GmbH, Wolf Stertkamp, 51063 Köln, Tel. 0221 3550950, wolf.stertkamp@greenpocket.de

Lesen Sie auch: