Submetering – einfach starten

Foto: Michael Nivelet/shutterstock

Die LoRaWAN-Funktechnologie macht Stadtwerke beim Messdatentransfer prinzipiell unabhängig vom intelligenten Messsystem und dessen SMGWKommunikationskanal.

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Auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern und Geschäftsmodellen werden immer mehr Stadtwerke beim Submetering fündig, also bei der wohnungsweisen Erfassung und Abrechnung von Heiz- und Wasserkosten in Mehrparteiengebäuden. Die Zahlen klingen vielversprechend: Im deutschen Submetering- Markt werden heute rund 1,5 Milliarden Euro jährlich umgesetzt. Der größte Teil des Marktes entfällt auf eine Handvoll großer Messdienstunternehmen. Aber auch zahlreiche kleinere Unternehmen, die zum Teil nur wenige Objekte betreuen, konnten sich Marktanteile erarbeiten. Der Smart Meter Rollout gibt Stadtwerken nun einen zusätzlichen Impuls, sich im Submetering-Markt zu engagieren. Es handelt sich um ein in vielerlei Hinsicht interessantes Betätigungsfeld für Stadtwerke: Submetering liegt nah am Kerngeschäft, basiert auf verwandten Prozessen, bietet Kundenbindungs- und Upselling-Potenzial und ist finanziell lukrativ.

Neuer Wettbewerb entsteht

Stadtwerke sind jedoch nicht die einzigen neuen Player, die ein Auge auf diesen Markt werfen. Auch große Wohnungsbaugesellschaften sehen die Chance, den Profit anderer in eigene Geschäftsmodelle umzumünzen und ihre Umsätze zu steigern. Die großen Messdienstleister schlafen ebenfalls nicht, sondern investieren in neue Technologien und Serviceangebote, um Ihre Marktposition zu stärken. Stadtwerke müssen also zeitnah Konzepte zum Aufbau von Submetering-Diensten entwickeln, wenn sie Marktanteile erobern wollen.

Ein kritischer Faktor in diesem Zusammenhang ist die Verzögerung beim Rollout intelligenter Messsysteme (iMSys). Angesichts offener Punkte bei Gerätezulassungen und Prozessdefinitionen ist derzeit noch ungewiss, ob der Startschuss tatsächlich im Sommer 2018 fallen wird. Und ohne Smart Meter- Gateways (SMGW) steht auch kein Wide Area Network (WAN)-Kommunikationskanal für den Messdatentransfer beim Submetering zur Verfügung.

Dennoch können Stadtwerke bereits heute erste Projekte starten, denn das SMGW wird dafür gar nicht zwingend benötigt. „Ich sehe absolut die Möglichkeit, ohne SMGW quasi sofort ins Submetering einzusteigen“, sagt Thomas Buchholz, Leiter Produktmanagement Smart Solutions bei der ZENNER International GmbH & Co. KG in Saarbrücken. Möglich mache dies die Nutzung von LoRaWAN-Indoor Gateways von ZENNER. „So kann man sich frühzeitig mit der Thematik Submetering beschäftigen und sich mit den verschiedenen Prozessen vertraut machen.“

LoRaWAN-Kommunikation auf zwei Pfaden möglich

Das LoRaWAN-CLS-Gateway von ZENNER erfasst die Daten von Verbrauchszählern und Sensoren innerhalb eines Gebäudes oder über mehrere Gebäude hinweg. Von dort aus werden die Daten über das SMGW in eine sichere Cloud übertragen, wo sie zur weiteren Auswertung und für verschiedene Anwendungen bereitstehen. Foto: ZENNER

Der Funkstandard Long Range Wide Area Network (LoRaWAN) bietet beide Möglichkeiten des Datentransfers. Die Endgeräte kommunizieren über einen funkfähigen Mikrochip mit den LoRaWAN-Gateways, die wiederum die Datenpakete an zugehörige Netzwerk- und Application-Server senden, wo sie verarbeitet und ausgewertet werden können. Diese Datensendung lässt sich entweder über ein „normales“ Indoor-LoRaWAN-Gateway via Mobilfunkoder DSL-Strecke realisieren. Oder die Messdaten werden zukünftig via Controllable Local Systems (CLS)-Schnittstelle des SMGW und dessen besonders gesicherter Datenverbindung an externe Marktteilnehmer (EMT), wie in diesem Fall das Stadtwerk, gesendet. Andernfalls wird zusätzlich ein Lo- RaWAN-CLS-Gateway als Kommunikationsknotenpunkt benötigt, das ZENNER 2017 entwickelt hat und heute ebenfalls anbietet. Stadtwerke können also schon jetzt Submetering- Dienste aufsetzen, indem sie eine LoRaWAN-basierte Infrastruktur aufbauen und die Zählerdaten über diese auslesen. Später, wenn intelligente Messsysteme vor Ort installiert sein werden, lässt sich die Datenkommunikation mit geringem Aufwand auf den SMGW-basierten Kanal umlegen. „Durch den nachträglichen Einbau eines Lo- RaWAN-CLS-Gateways und die Umbettung der Messdatenübertragungsstrecke entstehen zwar gewisse Kosten, denen jedoch ein wichtiger Vorteil gegenübersteht“, erläutert Thomas Buchholz: „Das Stadtwerk stellt den Fuß früh in die Tür zum Submetering-Geschäft und kann später strategisch über dessen weitere Ausprägung entscheiden.“

Alle Optionen erhalten

Grundsätzlich besteht keine Verpflichtung, beim Submetering später von der rein Lo- RaWAN-basierten Datenübertragung auf den SMGW-Kanal umzusteigen. „Allerdings kann dies innerhalb des Stadtwerks ein vorteilhafter Schritt sein“, gibt Thomas Buchholz zu bedenken. Denn dem eigenen grundzuständigen Messstellenbetreiber (gMSB), der durch Preisobergrenzen (POG) und den gesetzlich beschränkten Aktionsradius in einem engen wirtschaftlichen Korsett steckt, eröffnet sich eine zusätzliche Einnahmemöglichkeit. Erlöse, die er für die Nutzung der SMGW-Datenverbindung von EMT erhält, liegen außerhalb der POG-Regel. Externe Nutzungsentgelte bieten dem gMSB also die Möglichkeit, das eigene Geschäftsmodell zu optimieren. Thomas Buchholz: „Stadtwerke könnten sogar grundsätzlich zweigleisig fahren, indem sie Submetering in zwei Varianten anbieten – davon ist eine besonders sicher via SMGW, die andere rein LoRaWAN-basiert und gegebenfalls etwas günstiger.“ Der parallele Betrieb getrennter LoRaWAN-Infrastrukturen stelle technisch kein Problem dar.

End-to-End-Lösungsanbieter

Die Firma ZENNER, bislang vor allem als Hersteller von Wasser- und Wärmezählern bekannt, hat traditionelle Zählertechnik mit Internet-of Things (IoT)-Anwendungen kombiniert und sich zum End-to-End-Lösungsanbieter entwickelt. Im Verbund mit mehreren spezialisierten Firmen, an denen ZENNER beteiligt ist, wird die gesamte Prozesskette abgebildet: von Zählern und Sensoren, der technischen Infrastruktur zur Datenübermittlung, über eine skalierbare und sichere IoT-Daten-Cloud inklusive Big-Data-Management, Beratung beim Aufbau individueller IoT-Netze bis hin zu Software-Plattformen und Applikationen zur Nutzung der Daten.

In diesem Kontext war die mehrheitliche Übernahme der Hessware GmbH – seitdem als ZENNER Hessware GmbH firmierend – ein wichtiger Baustein. Der Mannheimer Spezialist für CLS-Lösungen spielte bereits eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung des LoRaWAN-CLS-Gateways von ZENNER. Die Hessware-Technologie wird bereits heute bei zahlreichen Kunden eingesetzt und ermöglicht neben dem Schalten von EEG-Anlagen und steuerbaren Lasten auch die Auslesung beliebiger Bestandszähler sowie die Umsetzung von Messkonzepten. Nach dem iMSys-Rollout lassen sich die Mess- und Steuervorgänge in die gesetzlich vorgeschriebene, gesicherte SMGW-Kommunikationsinfrastruktur einbinden. ZENNER Hessware wird zudem durch die Zertifizierung nach ISO 27001 als Unternehmen berechtigt sein, als aktiver EMT über das Smart Meter- Gateway nachgelagerte Geräte zu steuern. Damit kann das Unternehmen als Dienstleister für Unternehmen tätig werden, die IoT-Services aufsetzen möchten, sich aber nicht der Zertifizierung des Informationssicherheits- Managements unterziehen wollen, die für die Ausübung der aktiven EMT-Marktrolle notwendig ist.

Auf der E-world 2018 in Essen will ZENNER mit einem IoT-Lösungsangebot in den Bereichen Smart Metering, Smart Utility und Smart City punkten, das nach Auskunft des Unternehmens in Funktion und Breite aktuell einmalig ist.

Kontakt: ZENNER International GmbH & Co. KG, Thomas Buchholz, 66121 Saarbrücken, Tel. +49(0)681-99676-0, thomas.buchholz@zenner.com

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