Smart Grid für zuhause

Foto: Uwe Landgraf/shutterstock

Mit dem Energiemanagement- System energybase von EnBW lassen sich Kundenanlagen intelligent vernetzen – und zahlreiche Mehrwertdienste umsetzen.

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Der „Prosumer“ war noch vor nicht allzu langer Zeit ein erklärungsbedürftiger Kunstbegriff, heute ist er fester Bestandteil der Energiewelt. Die Versorgung mit eigenem Strom aus regenerativen Quellen ist für eine steigende Zahl von Verbrauchern interessant und – aufgrund sinkender Preise für PV-Anlagen und Speicher – auch finanzierbar. Viele Versorger und Stadtwerke greifen diesen Trend auf und offerieren ihren Kunden Komplettpakete in unterschiedlichen Konfigurationen, die neben der Anlagentechnik, Installations- und Wartungsdienstleistungen auch die Lieferung des benötigten Reststroms enthalten. „Wirklich spannend wird das Thema aber erst, wenn die im Haushalt vorhandenen Anlagen vernetzt und die Daten intelligent genutzt werden“, sagt Dominik Gluba von der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. „Dann lässt sich nämlich der Eigenverbrauch des Kunden wirklich optimieren, seine Anlagen können effizient überwacht werden und man kann ihm mit geringem Aufwand ein hohes Maß an Transparenz bieten.“ Auch Interaktionen zwischen Prosumern untereinander sowie deren engere Anbindung an Markt und Netz sei durch die Digitalisierung der Kundenanlagen ganz einfach zu organisieren. Dominik Gluba ist im Konzern verantwortlich für energybase – eine Technologie, die genau diese Aufgaben übernimmt.

Entwickelt wurde energybase ab 2015 im Innovationscampus der EnBW, die die Lösung heute selbst im Rahmen ihres Solar+-Angebots nutzt. Darüber hinaus setzen zahlreiche Stadtwerke, darunter die Stadtwerke München und Esslingen, aber auch Stromanbieter wie YelloStrom, energybase als OEM-Lösung ein.

Transparenz und optimierter Eigenverbrauch

Vernetzung und Kommunikation von Einspeisern und Verbrauchern. Foto: EnBW AG

Den Kern von energybase bildet ein Energiemanagement- System im Backend, das über einen gesicherten Kommunikationskanal auf die Mess- und Steuertechnik der Anlagen im Haushalt des Endnutzers zugreift. Damit stehen Verbrauchs-, Einspeise- und Anlagendaten quasi in Echtzeit zur Verfügung, können visualisiert, analysiert, angereichert und für die Steuerung von Speichern oder Verbrauchsanlagen genutzt werden. „Das Backendsystem kann prinzipiell mit beliebigen externen Systemen zusammenarbeiten und greift standardmäßig beispielsweise auf Wetter- und Börsendaten zu. So kann es sehr hochwertige Einspeise- und Preisprognosen für den einzelnen Haushalt erstellen“, erläutert Dominik Gluba. Gleichzeitig berechnet energybase anhand lernender Algorithmen den zu erwartenden Eigenverbrauch. Diese Daten werden genutzt, um vollautomatisch etwa den Solarspeicher, die Wärmeversorgung oder auch eine Ladebox für Elektrofahrzeuge zu steuern. Die Liste der unterstützten Anlagen und Geräte wächst kontinuierlich. „Das Energiemanagement funktioniert so zuverlässig, dass wir bei EnBW unseren Solar+ – Kunden eine Einspargarantie geben können“, berichtet Gluba nicht ohne Stolz.

Davon profitiert auch der Netzbetreiber, denn bei einem optimierten Eigenverbrauch der Prosumer können sowohl Last- als auch Einspeisespitzen abgemildert werden. In aller Regel, so Dominik Gluba, lässt sich durch den Einsatz von energybase eine Einspeisebegrenzung von PV-Anlagen am Übergabepunkt vermeiden. Auch weitere netzdienliche Anwendungen, wie etwa ein Lastmanagement, lassen sich über energybase organisieren.

Über angeschlossene Kundenportale beziehungsweise Energie-Apps werden die Einspeise- und Verbrauchsdaten parallel auch dem Endkunden zur Verfügung gestellt und können mit anderen smarten Funktionen angereichert werden. „Solche Anwendungen sind nachweislich ein sehr erfolgreiches Kundenbindungsinstrument und der Phantasie des Stadtwerks bei der Ausgestaltung sind im Rahmen der energybase- Infrastruktur praktisch keine Grenzen gesetzt“, weiß Dominik Gluba und berichtet von den Stadtwerken München, die neben aktuellen Wetterdaten beispielsweise auch Empfehlungen für den eigenverbrauchsoptimierten Betrieb von manuell gesteuerten Hausgeräten zur Verfügung stellen.

Anlagenservice

Im Kundenportal werden Energieflüsse und Anlagendaten transparent und Mehrwertdienste abrufbar. Foto: EnBW AG

Da die PV- und Speicherangebote der Stadtwerke und Versorger heute vielfach als Full-Service-Pakete ausgelegt werden, unterstützt energybase auch diese Facette der Kundenbetreuung. Die ausgelesenen Anlagendaten können bei Bedarf beispielsweise an entsprechende Service-Portale der technischen Partner weitergegeben werden, so dass Fehlfunktionen frühzeitig erkannt und Wartungsarbeiten im Überblick geplant werden können. „Diese Funktionalitäten sind nicht nur praktisch, sie zeigen, dass energybase grundsätzlich auch andere Themen im Umfeld von Smart Home und Smart Building abbilden kann, die für ein Stadtwerk interessant sein könnten“, erläutert Dominik Gluba.

Virtuelle Kraftwerke

Neben dem Basisprodukt wird die EnBW in Kürze energybase.community an den Markt bringen, welches – wie der Name vermuten lässt – den Aufbau von Strom-Communities und erweiterten virtuellen Kraftwerken mit unterschiedlichen Erzeugungsanlagen (Windkraft, Biogas etc.) unterstützt. Im Konzept der Strom-Community verbindet sich der Wunsch vieler Verbraucher nach Energie- Autarkie mit den Prinzipien der sogenannten Share Economy, die höchst erfolgreiche Unternehmen wie etwa Uber oder Airbnb hervorgebracht hat. Dabei schließen sich Erzeuger, Prosumer und Verbraucher in einer virtuellen Gemeinschaft zusammen und „teilen“ den regenerativ erzeugten Strom. Die Mitglieder der Community kaufen und verkaufen untereinander die erzeugten Energiemengen – und profitieren auch finanziell. Der Versorger oder Stromlieferant, der seinen Kunden die dafür benötigte Infrastruktur zur Verfügung stellt, liefert auch den benötigten Reststrom und kann den Community-Mitgliedern zusätzliche Mehrwerte anbieten. „Derartige Konzepte greifen wichtige gesellschaftliche Trends auf und sind somit für Stadtwerke absolut interessante Geschäftsmodelle,“ berichtet Dominik Gluba. Auch bei EnBW können Solar+- Kunden Teil einer Strom-Community werden – die technischen Voraussetzungen schafft energybase. Als modulare Hintergrundlösung sorgt das System dafür, dass die Transaktionen zwischen den Beteiligten reibungslos ablaufen. Für die OEM-Kunden sollen zudem spezielle Community-Funktionen bereitgestellt werden: „Das Stadtwerk oder der Versorger kann hier beispielsweise Stromgeschenke verteilen, Rankings und Wettbewerbe organisieren oder in Zukunft sogar virtuelle Stromkonten verwalten, auf die Community-Kunden dann auch mobil – etwa zum Laden eines Elektrofahrzeugs – zugreifen können“, erläutert Gluba. Auch eine interaktive Community-Website im Corporate Design des Kunden gehört zum Leistungsumfang.

Mit der Regio-Option lässt sich der mit energybase verwaltete Virtuelle Powerpool um zusätzliche regenerative Erzeuger vor Ort erweitern, so dass auch Betreiber von Windkraft- oder Biogasanlagen mit spezifischen Mehrwertangeboten erreicht werden können.

Für Dominik Gluba ist energybase nicht nur eine Energiemanagement-Lösung, sondern ein Instrument, mit dem Stadtwerke und Versorger ihre Kunden in die neue Energiewelt führen können – zum beiderseitigen Nutzen. „Dass die Kunden sich auf den Weg machen, ist sicher”, sagt er. „Und wenn die Versorgungswirtschaft sie nicht begleitet, werden es andere tun.“

energybase Stand 6-506

Kontakt: EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Dominik Gluba, 70191 Stuttgart, d.gluba@energybase.com, www.energybase.com

 

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