Spartenübergreifend mit zwei Systemen

Elektronische Gaszähler übermitteln im Feldtest ihre Daten über das Smart Meter Gateway. Foto: Netze BW GmbH

Der Netzservice der Stadtwerke Karlsruhe (SWKN) und die Netze BW testeten zum Jahreswechsel intelligente Messsysteme in zwei Sparten im Feld. Zusätzlich wurden zwei unterschiedliche IT-Systeme eingebunden.

Das Smart Meter Gateway kommuniziert mit zwei Messstellenbetreibern mit unterschiedlichen IT-Systemen. Foto: Netze BW GmbH

Eine funktionierende Mehrspartigkeit ist für viele Stadtwerke und Versorger ein unverzichtbarer Bestandteil des Aufbruchs in die neue, digitale Zählerwelt. Sie bildet auch eine entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung neuer Dienstleistungen, an denen die ganze Branche zum Teil fieberhaft arbeitet. Dies gilt auch aus Sicht von SWKN und EnBW, die schon 2016 ihren Weg zum Rollout skizziert und die Bedeutung von Kooperationen herausgestellt hatten. Der Zeitplan hat sich wegen der fehlenden Zertifizierung von Smart Meter Gateways (SMGW) durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) immer wieder verzögert. Noch heute ist nicht präzise abschätzbar, wann erstmals Geräte von drei unabhängigen Herstellern alle Bedingungen erfüllen.

Mehrspartigkeit entwickeln

„Aber wir lassen die Zeit nicht ungenutzt verstreichen. Damals wie heute stehen wir zu der Aussage, dass die Digitalisierung des Messwesens langfristig nur bei Einbezug aller wesentlichen Sparten erfolgreich sein kann“, stellt Arkadius Jarek, Projektleiter für den Rollout der intelligenten Messsysteme bei Netze BW, heraus. „Das gilt besonders in Großstädten wie Karlsruhe, wo zu Strom und Wasser oft Gas und sogar Wärme kommen“, ergänzt Christian Günther, der bei der Stadtwerke Karlsruhe Netzservice für den Rollout zuständig ist. Dort hatte man bereits im Sommer 2017 die Mehrspartigkeit in einem Gebäude mit einem Gas- und sogar acht Stromzählern getestet. Aber auch in den Versorgungsgebieten der Netze BW finden sich vielfach Überschneidungen zwischen Gas- und Stromnetzbetreibern. Zusammen mit der ebenfalls zur EnBW gehörenden Netze Gesellschaft Südwest (NGS) mit Sitz in Ettlingen wurden bereits im Sommer 2017 rund ein Dutzend intelligente Messsysteme in Haushalten installiert, die über einen Strom- sowie einen Gasanschluss verfügen. Dabei handelte es sich um „friendly customers“, also in erster Linie Mitarbeiter, die sich besonders aufgeschlossen gegenüber den Innovationen im Messwesen zeigten.

Feldtest in Rheinstetten

Der jüngste Feldtest in Rheinstetten weist zunächst eine Reihe von Ähnlichkeiten mit dem vorausgegangenen Projekt auf: Acht Gas-Netzkunden der SWKN erhielten zu ihrer modernen Messeinrichtung für den Stromverbrauch und dem Smart Meter Gateway der Netze BW einen elektronischen Gaszähler von Landis+Gyr mit Schnittstelle für die Datenübertragung. „Dafür gewinnen konnten wir neben interessierten Mitarbeitern vor allem die Stadt, die mit einer Reihe von Liegenschaften bereits am Feldtest Strom der Netze BW im Jahr 2017 teilgenommen hatte“, erläutert Christian Günther. Rheinstetten bot sich insbesondere an, weil in der dortigen Netzeigentumsgesellschaft allen drei Partnern die Strom- und Gasnetze gehören. „Wir haben die Netze zurückgepachtet und fungieren zudem natürlich als grundzuständige Messstellenbetreiber (MSB)“, so Arkadius Jarek. Der Bereich Operations der EnBW übernahm auch in Rheinstetten die Dienstleistung der Gateway Administration (GWA), in diesem Fall für die Netze BW.

Elektronische Gaszähler übermitteln im Feldtest ihre Daten über das Smart Meter Gateway. Foto: Netze BW GmbH

An dieser Stelle wurde es dann auch richtig spannend: „Nach unserem Wissensstand erstmalig in der gesamten Branche testeten wir neben dem zweispartigen Betrieb von intelligenten Messsystemen die Administration zweier MSB, deren Daten auch noch in unterschiedlichen Systemen verarbeitet werden. Und das nicht im Labor, sondern unter realen Bedingungen“, berichten die Projektleiter. Beim ersten Test der Netze BW mit der NGS hatte sich bereits gezeigt, dass die Übertragung der Messdaten von den Zählern zum Gateway und weiter zum IT-System bei der EnBW Operations funktioniert. Auch in Rheinstetten ging es zunächst um Erkenntnisse zur technischen Funktionsweise bei der Kommunikation wichtiger Messdaten von den Gaszählern zu den Smart Meter Gateways, darunter auch Stundenlastgänge. Entscheidend war aber die Kommunikation zwischen dem Gateway der Netze BW und einem dritten Backend-IT-System. Da es hier noch keine etablierten automatisierten Prozesse gibt, war dieser händisch zu unterstützen.

Schließlich testete man auch die kundenfreundliche Aufbereitung der Gasdaten in einem MSB-Kundenportal. „Dafür verwenden wir vorläufig gemeinsam die Lösung, die bereits bei der Netze BW im Rahmen der drei Feldtests Strom entwickelt wurde,“ führt Jarek aus. So erhalten die Kunden mit nur einem Login den kompletten Überblick über ihren Energieverbrauch. Aktuell arbeite man darüber hinaus an einer detaillierten gemeinsamen Auswertung durch alle drei Partner.

Auf lange Sicht haben die beiden baden-württembergischen Netzbetreiber auch die Bereiche Wasser und Wärme im Blick – im Labor ist man hier bereits tätig. Christian Günther: „Bei der Fernwärme sind wir durchaus zuversichtlich, dass der Markt in Bälde Geräte anbietet. Gerade für Rheinstetten, wo diese umweltfreundliche Art der Versorgung ausgebaut werden soll, wäre dies eine prima Ergänzung.“

Neben dieser „Kür“ gibt es aber auch die im Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende niedergelegte „Pflicht”, die Netze für einen immer größeren Anteil erneuerbarer und meist volatiler Stromerzeuger fit zu machen. „Auch das wird nur dann zügig zu realisieren sein, wenn die Gateway Administratoren rechtzeitig lernen, mit einer Vielzahl unterschiedlicher IT-Systeme routiniert klar zu kommen“, sind die Projektverantwortlichen überzeugt. In dieser Hinsicht wird in Rheinstetten fraglos Pionierarbeit auf dem Weg zum Rollout geleistet.

Kontakt: Netze BW GmbH, Ulrich Stark, 70567 Stuttgart, Tel. +49 711 289-52136, u.stark@enbw.com

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