Stromnetzentgelte

Foto: Deutsche Energie-Agentur GmbH

Energieintensive Industrie und Netzbetreiber legen im Rahmen der dena-Taskforce Netzentgelte gemeinsame Vorschläge vor.

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat gemeinsam mit Netzbetreibern, Industrieunternehmen und Verbänden Vorschläge zur Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik erarbeitet. Das Ziel der Taskforce Netzentgelte ist, ein netzdienliches, flexibleres Verbrauchsverhalten der Netznutzer zu ermöglichen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen besser an den aktuellen und zukünftigen Anforderungen der Energiewende auszurichten. Dabei werden sowohl die betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen und Notwendigkeiten der Unternehmen als auch die netz- und systemseitigen Bedürfnisse der Netzbetreiber berücksichtigt. Die zwölf Maßnahmen der Taskforce beziehen sich auf Änderungen und Ergänzungen der Stromnetzentgeltverordnung, die sich relativ kurzfristig umsetzen lassen.

Besseres Zusammenspiel, mehr Flexibilität

Foto: Deutsche Energie-Agentur GmbH

Ein Vorschlag der Taskforce Netzentgelte ist, dass netzdienliches Verbrauchsverhalten grundsätzlich nicht zu höheren Netzentgelten führen sollte. Dieser Fall kann zum Beispiel eintreten, wenn ein Netznutzer Regelleistung zur Verfügung stellt, also seinen Verbrauch je nach Lage im Netz kurzfristig steigert oder verringert. Wenn es dabei durch eine besonders hohe Stromaufnahme zu einer abrechnungsrelevanten Lastspitze kommt, wird nach den aktuellen Regelungen ein erhöhtes Netzentgelt fällig. Das Risiko, dass diese Zusatzkosten die Erträge für die erbrachte Regelleistung übersteigen, wollen viele Netznutzer nicht eingehen. Ihre Flexibilitätspotenziale werden aus diesem Grund nicht genutzt. Fast die Hälfte der Vorschläge bezieht sich auf die Regelungen zu besonderen Formen der Netznutzung nach Stromnetzentgeltverordnung § 19 Abs. 2. Nach Auffassung der Stakeholder sollten zum Beispiel die Regelungen zur sogenannten „atypischen Netznutzung“ so angepasst werden, dass die Netzbetreiber die Möglichkeit haben, Hochlastzeitfenster zurückzunehmen. Hochlastzeitfenster sind Zeiträume, in denen üblicherweise die höchste Last im Netzgebiet auftritt. Die Netzbetreiber können diese Zeitfenster aktuell nur einmal im Jahr festlegen. Netznutzer, die sicherstellen, dass sie während der Hochlastzeitfenster nicht zur Höchstlast beitragen, zahlen dafür nach der aktuellen Regelung ein individuelles, reduziertes Netzentgelt. Aber nicht immer tritt während der prognostizierten Hochlastzeitfenster auch tatsächlich eine Hochlastsituation ein. Eine Rücknahme des Hochlastzeitfensters kann deshalb bewirken, dass die atypischen Netznutzer ihre Last nicht reduzieren müssen und ihren wertschöpfenden Produktionsprozess fortsetzen können. Für die Netzplanung der Netzbetreiber ist es darüber hinaus relevant, dass die atypischen Netznutzer die Hochlastzeitfenster verbindlich einhalten. Dieser Aspekt ist deshalb Gegenstand eines weiteren Vorschlags.

Hier steht das Ergebnispapier der Taskforce Netzentgelte zum Download bereit.

In der Frage, wie ein sehr großes, temporäres Angebot an erneuerbarer Energie besser genutzt werden kann, sieht die Taskforce Netzentgelte ebenfalls Handlungsbedarf. In solchen Situationen, zum Beispiel während eines Sturmtiefs, müssen Netzbetreiber derzeit oft Erneuerbare-Energien-Anlagen in ihrem Netzgebiet abregeln, um die Netzstabilität gewährleisten zu können. Um diese Abregelungen zu vermeiden und einen Anreiz für einen höheren Verbrauch in diesen Situationen zu setzen, sollen betroffene Netzbetreiber lokal sogenannte „Erneuerbare- Energien-Zeitfenster“ ausgeben können. Während dieser Zeitfenster könnten Netznutzer im jeweiligen Netzgebiet mehr Energie verbrauchen, ohne dass dies für sie zu höheren Netzentgelten führt.

Auch neue Betrachtungsansätze wie die Berücksichtigung der Netzanschlusskapazität in den Netzentgelten oder die Nutzung von Flexibilisierungsmöglichkeiten bei diskontinuierlichen Verbrauchern wurden von den Partnern diskutiert. Das Ergebnispapier thematisiert auch die Frage, wie klima- und industriepolitische Aspekte bei der Ausgestaltung der Netzentgelte berücksichtigt werden können.

Kontakt: Deutsche Energie-Agentur GmbH, Philipp Prein, 10115 Berlin, Tel. +49 30 66 777-641, prein@dena.de

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