Mobile Instandhaltungsprozesse aus der Cloud

Moderne Cloudlösungen können Prozesse modernisieren und wirtschaftlicher machen. Foto: mobileX AG

Einer aktuellen Studie der International Data Corporation (IDC) zufolge hat sich die Einstellung deutscher Unternehmen zum Thema Cloud in den letzten zwölf Monaten deutlich gewandelt. Wurden bisher nur Einzelprojekte oder Piloten in die Cloud ausgelagert, planen nun zwei Drittel der befragten Unternehmen in den nächsten 24 Monaten externe Services umfassend für ihre IT einzusetzen. Hannes Heckner, Gründer und Vorstandsvorsitzender der mobileX AG ist überzeugt, dass Energieversorger erheblich profitieren, wenn sie den Betrieb ihrer Instandhaltungs-Anwendungen auslagern.

Moderne Cloudlösungen können Prozesse modernisieren und wirtschaftlicher machen. Foto: mobileX AG

50komma2: Herr Heckner, auch wenn sich die Einstellung deutscher Unternehmen zum Thema Cloud langsam wandelt, bestehen bei einigen immer noch Bedenken, was die Sicherheit und Verfügbarkeit der eigenen Instandhaltungsdaten in der Cloud betrifft.

Hannes Heckner: Das ist richtig, doch diese Sorgen sind unbegründet, wenn man bei der Wahl des Angebots einige Regeln beachtet.

Was wäre hier beispielsweise wichtig?

Um die größtmögliche Sicherheit für ihre Daten zu gewährleisten, sollten Unternehmen bei der Wahl eines Anbieters auf einen lokalen Provider setzen. Der Standort Deutschland gewährleistet den Schutz von Instandhaltungsdaten nach deutschem oder europäischem Recht. Das Rechenzentrum sollte zudem nach ISO 27001 zertifiziert sein. Die ISO 27001 ist die international führende Norm für Informationssicherheits- Managementsysteme. Sie definiert die Forderungen für die Einführung, Umsetzung, Überwachung und Verbesserung eines Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS). Dies garantiert den Schutz von vertraulichen Daten vor Hackerangriffen, Datenverlust und Missbrauch beziehungsweise Offenlegung und gewährleistet eine schnellere Wiederherstellung nach dieser Art von Angriffen. Für besonders kritische Daten mit einer sehr hohen Anforderung an die Sicherheit gibt es auch noch die Zertifizierung nach dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die vor allem bei der Verarbeitung personenbezogener Daten im Finanzsektor zum Einsatz kommt.

Auch die Verfügbarkeit ist ein Thema, das Energieversorgern bei der Verlagerung ihrer Instandhaltungsdaten in die Cloud Kopfzerbrechen bereiten kann.

Eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent wöchentlich ist üblich, bedeutet aber auch, dass die Anwendungen pro Woche im schlechtesten Fall rund zehn Minuten nicht erreichbar sind. Aufs Jahr gerechnet entspricht dies einem Zugriffsverlust von 8,7 Stunden. EVUs und Stadtwerken, die ihren Kunden eine 24-Stunden-Versorgung mit Strom, Erdgas, Wasser und Wärme sieben Tage die Woche anbieten, könnte dies zu wenig sein. Für eine höhere Monatsgebühr lässt sich die Ausfallsicherheit natürlich steigern, zum Beispiel auf 99,999 Prozent. Nur fünf Minuten Ausfall pro Jahr kann ein kleines oder mittelständisches Unternehmen im Eigenbetrieb in den seltensten Fällen sicherstellen. Doch auch geplante und angekündigte Wartungszeiten und Updates gehören bei Cloud-Anbietern üblicherweise zur Uptime. Deswegen sollten Energieversorger diese Zeitfenster in den SLAs mit dem Provider vorab genau definieren.

Sie sind ein erklärter Verfechter von Cloud Computing, speziell auch im Bereich des Workforce Managements. Wo sehen Sie persönlich die größten Vorteile, verglichen mit Inhouse-Lösungen?

Hannes Heckner, Gründer und Vorstandsvorsitzender der mobileX AG. Foto: mobileX AG

Einer der größten Vorteile von Cloud Computing für Energieversorger liegt in der einfacheren Zusammenarbeit von eigenen und externen Mitarbeitern an verschiedenen Standorten. Der Trend geht deutlich Richtung flexibler Integration von Subunternehmern in die eigenen Abläufe. Gründe dafür gibt es viele: Lastpeaks überwinden, Zukauf von speziellem Know-how, ungeplante Ausfälle aufgrund von Krankheit bis hin zur regionalen Abdeckung. Gerade im Metering-Bereich greifen Energieversorger bei der alljährlichen Ablesung der Erdgas-, Wasser-, Strom- und Wärmezähler gerne auf externe Kräfte zurück. Um den Prozess einer „verlängerten Werkbank“ mit verschiedenen Subunternehmern effizient abzubilden, benötigen Unternehmen eine moderne Infrastruktur. Hier eignet sich ein Cloud-basierter Ansatz besonders gut: Die Cloud bietet eine einheitliche und zugleich gemeinsam nutzbare Infrastruktur, sodass der unternehmensübergreifende Datenaustausch schneller und effizienter implementiert werden kann.

Insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen werden Cloud-Lösungen ja vielfach als besonders sinnvoll empfohlen. Sehen Sie das ähnlich?

Absolut. Kleineren und mittleren EVUs und Stadtwerken bietet Cloud Computing eine gute Möglichkeit, den Betrieb ihrer IT zu professionalisieren. Durch eine optimale technische Ausstattung und breitbandige Netzwerkanbindung des Rechenzentrums eines Cloud-Anbieters profitieren sie von einer höheren Performance und Verfügbarkeit ihrer Instandhaltungs-Anwendungen und können somit auch eine zuverlässigere Energieversorgung ihrer Kunden gewährleisten. Dabei entfallen Investitionen in den Erwerb von Lizenzen, Serverinfrastruktur, Updates, Betrieb und Wartung. Darüber hinaus sind IT-Ressourcen in der Cloud für Unternehmen günstiger, weil die Grundkosten (Anschaffung, Betrieb, Wartung) von mehreren Nutzern geteilt werden. Die monatliche Abrechnung im Subskriptions-Modell nach der Anzahl der User schafft Kostentransparenz und erleichtert das Controlling.

Gibt es weitere Rahmenbedingungen, unter denen sich Cloud Computing in der Instandhaltung besonders lohnt?

Ein weiteres Einsparpotenzial bietet sich für Energieversorger, die ein saisonal schwankendes Geschäft haben. Mit Cloud Computing müssen sie keine ungenutzten IT-Ressourcen für Spitzenlastzeiten bereithalten. Zeitgleich können sie auch starke und ungeplante Nutzungslasten problemlos bedienen und so Service-Level-Agreements dem Endkunden gegenüber jederzeit erfüllen. Auch die Implementierungszeiten von neuen Anwendungen und Services lassen sich durch die Cloud drastisch verkürzen.

Ein gutes Beispiel ist hier der Smart Meter-Rollout in der Energiebranche. Mit dem „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ hat der Bundestag im Oktober 2016 im Grunde ein gigantisches IT-Projekt losgetreten. Bis 2032 müssen ca. 50 Millionen Stromzähler in Deutschland getauscht und nebenbei eine komplett neue IT-Infrastruktur für den Betrieb der selbigen installiert werden. Hier wird es bei vielen Unternehmen dazu kommen, dass die eigenen Kapazitäten nicht mehr ausreichen und man massiv Subunternehmer in den Prozess einbinden muss. Cloud-basierte Metering-Lösungen genießen unter anderem deswegen derzeit eine hohe Nachfrage. Zum einen, um schnell externe Kräfte „zuschalten“ zu können. Zum zweiten aber, weil man nach dem Rollout die zusätzlichen Ressourcen einfach wieder zurückfahren kann.

Ihr Fazit ist also absolut positiv?

Ja, definitiv! Wenn sich Energieversorger ernsthaft mit der Auslagerung von Instandhaltungs- Anwendungen beschäftigen, werden sie feststellen, dass der Cloud-Ansatz viele Vorteile bietet und sich Bedenken bezüglich der Sicherheit und Verfügbarkeit durch die Wahl des richtigen Providers und Cloud-Angebots ausräumen lassen.

Kontakt: mobileX AG, Patricia Dittmar, 81675 München, Tel. +49 (89) 542433-517, patricia.dittmar@mobilexag.de

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