Es gibt eine Fülle von Mehrwertanwendungen

Systematischer Aufbau der sternförmigen Kommunikation des SMGWs mit CLS. Foto: ZENNER Hessware GmbH

Am intelligenten Messsystem ist die Controllable Local Systems (CLS)-Schnittstelle das Tor zur Welt der nicht-regulierten Anwendungen. Als einer von wenigen Anbietern hat sich hier die ZENNER Hessware GmbH als Prozessdienstleister positioniert. 50,2 sprach mit Geschäftsführer Sebastian Heß über die Ausrichtung des Unternehmens in der ZENNER-Gruppe und das Lösungsportfolio.

50Komma2: Bitte helfen Sie uns bei der Orientierung: Wo ist die ZENNER Hessware GmbH inzwischen auf der energiewirtschaftlichen Prozesslandkarte angesiedelt?

Sebastian Heß, Geschäftsführer der ZENNER Hessware GmbH. Foto: ZENNER Hessware GmbH

Sebastian Heß: Im Bereich Energiewirtschaft sind wir dort positioniert, wo es darum geht, über das Smart Meter Gateway (SMGW) Mehrwerte zu generieren beziehungsweise Prozesse am Laufen zu halten. Einerseits geht es um die Thematik Steuern und Schalten. Hier nutzen Unternehmen wie Trianel oder Arvato unsere Systeme, um Photovoltaik- Anlagen und Windparks im Feld zu schalten. Andererseits unterstützen wir im Bereich CLS-Management beispielsweise Aufgaben im Meter Management und Submetering. Hier gibt es eine Fülle weiterer Mehrwertanwendungen, die wir zum Laufen bringen können. Man könnte im weitesten Sinne sagen, dass wir Bindeglied und Enabler für eine einfache Medien- und Sektorenkopplung sind.

Im Dezember 2017 wurde Hessware von ZENNER mehrheitlich übernommen und firmiert seitdem als ZENNER Hessware GmbH. Hat sich das Tätigkeitsprofil des Unternehmens dadurch verändert?

Wir haben früher überwiegend im Auftrag anderer Firmen, zum Beispiel für SMGW-Hersteller, Software entwickelt und sind dadurch kaum nach außen in Erscheinung getreten. Das begann sich dynamisch zu ändern, als wir 2016 das iGridS CLS-Modul vorgestellt haben und Anfang 2017 in Zusammenarbeit mit ZENNER das erste LoRaWAN-fähige CLS-Gateway entstand, indem wir das LoRaWAN-Indoor-Gateway von ZENNER mit unserem CLS-Stack ausgerüstet haben. Dieses gemeinsame Projekt hat unseren Transformationsprozess vom Dienstleister zum Produktentwickler beschleunigt und war auch Ausgangspunkt der Idee, beide Unternehmen zusammenzuführen. Heute liegt unser Fokus auf allen Themen im Umfeld der sicheren Anbindung von Internet of Things (IoT)-Anwendungen.

Welche Mehrwerte entstehen auf beiden Seiten durch die enge Zusammenarbeit?

Es ist eine Win-Win-Situation. ZENNER ergänzt sein Produktportfolio um die sichere Kommunikation und den sicheren Betrieb der Geräte. Hier spielt die Zertifizierung nach ISO 27.001, an der die ZENNER Hessware aktuell arbeitet, eine zentrale Rolle. Damit ist ZENNER aktuell der einzige Anbieter am Markt, der die gesamte Produktpalette und Prozesskette für SMGW-basierte IoT-Anwendungen anbieten beziehungsweise abbilden kann. Durch die Zertifizierung nach ISO 27.001 werden wir in der Lage sein, als aktiver externer Marktteilnehmer (EMT) über das Smart Meter Gateway nachgelagerte Geräte zu steuern. Unternehmen, die diesen Service nutzen, brauchen sich nicht selbst der aufwändigen Zertifizierung zu unterziehen.

Das heißt, ZENNER Hessware fungiert auch als Rechenzentrumsbetreiber?

Anbindung der Netzleittechnik und Mehrwertdienstleistungen an das CLS-System der ZENNER Hessware GmbH. Foto: ZENNER Hessware GmbH

Das ist Teil unserer Dienstleistung. Wir werden unser Rechenzentrum weiter ausbauen und verbessern, damit unsere Kunden immer mehr Daten über unsere Systeme bewegen und so weitere Dienstleistungen anbieten und neue Geschäftsmodelle erschließen können. Denn in diese Richtung wird sich der Markt nach dem Rollout der Smart Meter Gateways zweifellos bewegen. Wie angedeutet: Die Nutzung des CLS-Kanals erfordert die Einhaltung strenger Sicherheitsanforderungen. Diese Leistung bringen wir als Kommunikationsbindeglied zwischen den ZENNER-Geräten im Feld und der nachgelagerten IoT-Softwareplattform dank unserer Zertifizierung automatisch mit.

Was bedeutet es für Hessware, Teil der ZENNER-Gruppe zu sein?

Durch die enge Verzahnung und Zusammenarbeit mit ZENNER gewinnen wir an vielen Stellen Schlagkraft und erhalten neue Impulse. Wir erleben eine viel stärkere Dynamik, als ich mir das anfangs vorstellen konnte. Gemeinsam mit der ZENNER IoT Solutions GmbH sind wir Teil eines Ökosystems, das gemeinsam deutlich mehr bewegen kann als seine Bestandteile allein. ZENNER liefert Zähler und andere Geräte für IoT-Anwendungen, ZENNER IoT Solutions stellte LoRaWAN-basierte Applikationen bereit und wickelt die IoT-Projekte bei den Kunden ab. Wir kümmern uns um die marktkonforme Datenhaltung. Von dieser Aufgabenteilung bemerkt der Kunde jedoch nichts. Er erhält eine Lösung aus einem Guss.

Schauen wir etwas genauer auf Ihre CLS-Lösungen. Sie können damit beliebige Anwendungen über die CLS-Schnittstelle am Smart Meter Gateway realisieren?

Genau. Im Gegensatz zu diversen anderen Anbietern konzentrieren wir uns nicht nur auf die FNN-Steuerbox oder was das FNN-Lastenheft darüber hinaus verlangt, sondern ganz generell auf Anwendungen, die sinnvollerweise mittels CLS-Kanal via SMGW realisierbar sind. Und da gibt es enorm viele Möglichkeiten. Beispielsweise führen wir Gespräche mit Herstellern von Alarmanlagen. Für deren Betrieb benötigt man immer zwei Meldewege. Der CLS-Kanal mit seinen hohen Sicherheits- und Zuverlässigkeitsanforderungen eignet sich hervorragend als Hauptmeldeweg oder Back-up- Leitung. Ein anderes konkretes Beispiel ist die Steuerung von Ladesäulen für Elektromobile. Dort wird nicht nur eine Ein-Aus-Funktion verlangt, sondern die intelligente Steuerung von Ladestellen im Feld, etwa nach Stromangebot, Ladelast oder Ladezeit. Diese Steuerleistung lässt sich über unser CLS Center als Backend-System hervorragend erbringen. Gerade im Bereich der Gebäudewirtschaft lassen sich so umfangreiche Mehrwerte generieren – auch abseits der Messstelle.

Apropos FNN-Lastenheft: Ist Ihr CLS-Stack für alle darin verlangten Anwendungen ausgeprägt?

In unserer CLS-Lösung sind alle Anwendungsfälle des FNN-Lastenheftes implementiert, ausgenommen die Tarifweitergabe, da diese von den G1-SMGWs nicht interoperabel umgesetzt wird. Für die Kommunikationsstrecke benutzen wir allerdings ein eigenes, seit vielen Jahren bewährtes Protokoll, da die stark auf das Thema Schalten und Steuern ausgelegte IEC 61850 nicht die Optionen und Möglichkeiten bietet, die wir für die Anforderungen unserer Kunden benötigen.

Systematischer Aufbau der sternförmigen Kommunikation des SMGWs mit CLS. Foto: ZENNER Hessware GmbH

Welches Protokoll verwenden Sie?

Es nennt sich HRTCP, ein zeilenorientiertes JSON-Format. Wir haben damit einen modularen Ansatz realisiert, der auf der Remote-Procedure- Call (RPC)-Technik basiert. Client und Server können darüber gegenseitig Funktionen ansprechen und Daten übergeben. Damit war es uns zum Beispiel möglich, in wenigen Tagen die ersten LoRaWAN-Integrationen komplett abzuschließen, ohne am Protokoll etwas verändern zu müssen.

Noch einmal zurück zum Thema Anlagen schalten: Wie realisieren Sie die Integration in Netzleitsysteme?

Zur Integration der Netzleittechnik im EVU unterstützt unser CLS Center die gängigen Protokolle wie IEC 61850 und die IEC 60870-10x-Familie. Für die Einbindung in moderne Kommunikationsnetze bieten wir REST-Webservices und OPC XML/DA an. Ebenso können Standardwebbrowser zum Ausführen der Schalthandlungen verwendet werden. Kundenindividuelle Software-Anpassungen sind darüber hinaus ebenfalls möglich. Wir entwickeln das CLS-Framework als Basisplattform kontinuierlich weiter. Dadurch ist gewährleistet, dass neue Funktionen sowohl auf der Server- also auch auf der Client-Seite schnell und zuverlässig umgesetzt werden können.

Kontakt: ZENNER Hessware GmbH, Sebastian Heß, 68219 Mannheim, Tel.: +49 (0) 621 58 67 85 70, shess@hessware.de

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