Mit neuer Energiezentrale vom Stromverbraucher zum Eigenerzeuger

05.08.2019

Der Schokoladenhersteller Ludwig Weinrich GmbH & Co. KG in Herford produziert seit 1895 seine Naschereien. Die energieintensive Herstellung verschlang bis vor kurzem noch jährlich neun Millionen Kilowattstunden Strom – für 1,4 Millionen Euro. Weinrich war damit der drittgrößte Stromverbraucher in Herford. Mit einem modernen Energiekonzept will die Firma nun zwei Drittel des Strombedarfs in der Schokoladenproduktion aus Eigenerzeugung decken und gleichzeitig bis zu 1.924 Tonnen CO2 einsparen. Die Berliner SES Energiesysteme GmbH installierte dazu ein 800 kW-Blockheizkraftwerk, eine Absorptionskältemaschine (AKM), Speicher sowie einen zuschaltbaren Spitzenlastkessel. Die einzelnen Komponenten sind innerhalb einer neu errichteten Energiezentrale auf dem Firmengelände gebündelt. Das Konzept soll nun für die Produktion von 22.500 Tonnen Schokolade im Jahr ganzjährig Wärme, Kälte und Strom bereitstellen. Die Arbeiten an der Energiezentrale als kleines Kraftwerk vor dem Tor des Werks begannen 2018 und wurden im Herbst desselben Jahres fertiggestellt.

Die Idee und der Wunsch nach mehr Energieeffizienz habe bereits seit längerem bestanden, berichtet der technische Betriebsleiter von Weinrich, Hans-Joachim Kamphowe. Dringen sei die Überlegung zum Energieverbrauch geworden, als die Druckmessung des 40 Jahre alten Dampfkessels anstand. „Der Dampfkessel hätte die nächste innere Druckmessung nicht überstanden, er war einfach in die Jahre gekommen und ineffizient, wodurch eine Modernisierung sowieso nötig gewesen wäre. In diesem Zug haben wir uns direkt für ein effizientes Energiesystem entschieden.“

800 kW-Blockheizkraftwerk in der Energiezentrale des Schokoladenherstellers Weinrich in Herford
In der neu errichteten Energiezentrale auf dem Firmengelände des Schokoladenherstellers Weinrich in Herford bildet ein 800 kW-BHKW das Herzstück. Foto: Lara Blankenberg, EA.NRW

Wärme, Kälte und Absicherung in Einem

Das System liefert Strom und Wärme für die Schokoladenproduktion über das BHKW und die installierten Wärmetauscher. Die ebenfalls in der Herstellung benötigte Kälte wird wiederum mit Hilfe der vorhandenen Absorptionskältemaschine produziert. Dazu wurde das BHKW größer ausgelegt, als für die reine Wärmeproduktion notwendig war. „Durch den Einsatz der Absorptionskältemaschine werden allein 600.000 kWh eingespart, da nicht über Kompressionskälte gearbeitet wird“, erklärt Kamphowe. Eine weitere Besonderheit der Anlage sind die verbauten drei Speicher der Energiezentrale. Sie sollen den Verbrauch der erzeugten Energie entkoppeln. Die Wasserspeicher für Heiß-, Warm-, und Kaltwasser sollen so einen kontinuierlichen und ruhigen Lauf des Kraftwerks bei produktionsbedingten schwankenden Verbräuchen ermöglichen. Der 1-MW-Spitzenlastkessel setzt darüber hinaus dann ein, wenn die Wärmeenergieverbräuche zu hoch sind und nicht mehr über das BHKW abgedeckt werden können. Außerdem dient er als Redundanz für das BHKW, um die Wärmebereitstellung etwa bei Ausfällen dessen komplett zu übernehmen.

Kontrollsystem soll Produktion sichern

Die Energiezentrale von Weinrich kann mittels eines digitalen Kontrollsystems laufend überwacht und bei Problemen per Fernwartung bedient werden. „Diese Anlage ist technisch sehr anspruchsvoll und perfekt auf die Firma Weinrich zugeschnitten“, betont Frank Poliwoda, Vertriebsleiter West bei SES Energiesysteme. So wurde etwa auch das Programm des Kontrollsystems von der Firma Schaper Steuerungstechnik aus Herford für Weinrich geschrieben. Über einen Bildschirm können damit alle Prozesse in der Steuerungszentrale überwacht werden. „Wir wissen mit diesem Programm genau, wo Anomalien sind, wie viel Energie gerade erzeugt wird, welche Lastengänge wir haben und wo die Ströme hingehen“, so Kamphowe. Das moderne Energiekonzept reihe sich ein in die Nachhaltigkeitsstrategie von Weinrich, hebt Margit Thomeczek, Leiterin der Kampagne KWK.NRW – Strom trifft Wärme bei der EnergieAgentur.NRW hervor: „Weinrich stellt sich mit diesem innovativen Konzept für die Zukunft auf. Die Installation dieser hochmodernen Anlage, ist definitiv ein Best-Practice-Beispiel für Energieeffizienz mit KWK und vorbildlich für Unternehmen in NRW.“ (vb)

www.energieagentur.nrw

www.weinrich-schokolade.de

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