Interview mit René Claussen, IoT-Chef bei Zenner:„CLS-Lösungen stark nachgefragt”

13.11.2019 – Der zweite SMGW-Anbieter ist zertifiziert, BSI und BMWi versprechen die Markterklärung zum iMSys-Rollout noch in 2019. Schlägt nun auch die Stunde der Controllable Local Systems (CLS-)Anwendungen? René Claussen, Leiter Geschäftsbereich IoT & Digitale Lösungen bei der ZENNER International GmbH & Co. KG in Saarbrücken, schildert seine Eindrücke.

ZENNER beschäftigt sich nun schon zwei Jahre mit dem Thema CLS-Gateway. Wo stehen Sie heute?
Unser Tochterunternehmen ZENNER Hessware GmbH zählt zu den ersten Firmen, die erfolgreich CLS-Services angeboten haben. Wir haben die letzten beiden Jahre sinnvoll genutzt und zum Beispiel unsere Betriebsprozesse gemäß der Norm ISO 27.001 zertifizieren lassen. Darüber hinaus haben wir die Kompetenzen der gesamten ZENNER Gruppe vereint und eine einheitliche Cloud-Architektur geschaffen. Mit der ZENNER Cloud verbinden wir die regulierte mit der nicht regulierten Anwendungswelt. Unsere Kunden können damit sowohl klassische energie­nahe Geschäftsmodelle als auch innovative IoT-Anwendungen umsetzen – etwa im Bereich Smart City. Dabei bietet die ZENNER Cloud alle Services aus einer Hand beziehungsweise aus einer Cloud, egal ob Smart Parking oder Submetering via CLS-Kanal.

Gibt es mittlerweile konkrete Nachfragen von Kunden und Interessenten zu CLS-Lösungen?
Wir spüren derzeit einen starken Anstieg der Nachfrage. Diesen Trend bestätigen auch die Gespräche auf den Metering Days in Fulda. Mittlerweile ist ein zweiter SMGW-Hersteller zertifiziert. Diese Tatsache hat die Zuver­sicht in der Branche gestärkt, dass die Markterklärung noch in 2019 kommen soll und damit der Rollout intelligenter Messsysteme für Pflichteinbaufälle alsbald starten kann.

Welche CLS-Anwendungen stehen aus Ihrer Sicht vor allem im Fokus?
Derzeit gehören die Mehrspartenauslesung und das Submetering zu den am meisten angefragten Services via CLS-Kanal. Aber auch Smart Building-Anwendungsfälle wie etwa die Überwachung von Rauchwarnmeldern nehmen zu. Von Seiten der Stadtwerke werden ständig neue Ideen für mögliche Geschäftsmodelle entwickelt. Das Portfolio wird also weiterhin wachsen.

Wie schnell werden die Versorger das Thema CLS-basierte Services in der Praxis anpacken? Parallel zum Rollout intelligenter Messsysteme (iMSys) oder erst später?
Wir haben in den vergangenen 24 Monaten mit unseren Kunden bereits CLS-Pilotprojekte erfolgreich umgesetzt und führen gerade gemeinsam mit unserem Partner VOLTARIS ein Submetering-Produkt via CLS-Kanal ein. Während des langen Wartens auf zertifizierte Smart Meter Gateways war die Branche auf der Suche nach „Mehrwerten“. Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass eine Vielzahl von IoT-Anwendungsfällen bereits heute realisierbar ist. Vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Betriebes von intelligenten Messsystemen ist der parallele Rollout sinnvoll. Wir glauben, dass der CLS-Aspekt eine zentrale Rolle bei Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zum Rollout und Betrieb intelligenter Messsysteme spielen wird.

Nun sind die Regularien für die Marktrollen des aktiven und passiven EMT ja relativ komplex. Sehen Sie hier ein Hemmnis für die skizzierte Entwicklung?
Für externe Marktteilnehmer ist die aktive Nutzung des CLS-Kanals am SMGW mit der Notwendigkeit einer DIN-27.001-Zertifizierung verbunden. Deren Erwerb erfordert einen aufwändigen Implementierungsprozess. Für potentielle Nutzer des CLS-Kanals muss dies aber kein Ausschlusskriterium sein. ZENNER beseitigt die Zertifizierungshürde, indem die via SMGW übertragenen Daten von der ZENNER Cloud in Empfang genommen und von dort aus aufbereitet in die Backend- und Anwendungssysteme der Kunden geleitet werden. Indem ZENNER sich als zertifizierter Dienstleister zwischen SMGW und Anwender schaltet – also die Rolle des aktiven Externen Marktteilnehmers (aEMT) übernimmt –, kann der Nutzer in der Rolle des passiven Externen Marktteilnehmers (pEMT) bleiben. Für diese Marktrolle sind die Ausübungsanforderungen deutlich geringer.

ZENNER sieht sich also im Bereich der CLS-Services bestens aufgestellt?
Wie gesagt, ZENNER zählt zu den Pionieren auf diesem Gebiet und bringt jahrzehntelange Erfahrung in den Bereichen Metering und Submetering mit. Das Lösungsportfolio, das im Zuge der Digitalisierung der Messgeräte und insbesondere durch den Aufbau der ZENNER Cloud entstanden ist, sucht in meinen Augen seinesgleichen. Dazu kommen die Erfahrungen aus mittlerweile über 80 IoT-Projekten aller Art im letzten Jahr. Viele große, mittlere und kleine Energieversorger haben uns ihr Vertrauen geschenkt. Unsere Erfahrung macht uns im Kontext der Digitalisierung zu dem vertrauensvollen Partner für Energieversorger, Stadtwerke, Kommunen – auch und gerade im CLS-Umfeld.

Dabei positionieren Sie sich als Komplettanbieter?
In der Minol-ZENNER-Gruppe sind die Kompetenzen und Kenntnisse über die Abläufe, Anforderungen und Prozesse der Zielgruppen Stadtwerke, EVU und Wohnungswirtschaft schon lange unter einem Dach vereint. Ganz allgemein schätzen unsere Kunden zudem, dass wir selbst Gerätehersteller sind. Das vereinfacht die Sache für sie erheblich, da sie die gesamte Hardware sowie umfassenden technischen Support aus einer Hand bekommen. Für die Kunden bedeutet das weniger Koordinationsaufwand sowie reduzierte Komplexität in Projektmanagement, Installation und Betrieb.

www.zenner.de

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