Trotz großem Aufwand: Energiebranche sieht sich für MaKo 2020 gerüstet

01.10.2019 – Mit der Digitalisierung des Messwesens werden neue Prozesse des Datenaustauschs erforderlich. Speziell die Anpassung der elektronischen Marktkommunikation im Stromsektor an die Erfordernisse des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) gilt in diesem Zusammenhang als unabdingbar, somit fordert das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende, dass ab dem 1. Dezember 2019 die Verteilung der Daten aus den intelligenten Messsystemen sternförmig an alle Marktteilnehmer zu erfolgen hat – über ein Smart Meter Gateway der zweiten Generation (SMGW G2). Ein Jahr vor Ablauf dieser Frist gab es allerdings noch nicht einmal ein BSI-zertifziertes Smart Meter Gateway der ersten Generation. Wer hoffte, die Fristen würden verlängert, wurde enttäuscht: Die Bundesnetzagentur legte vielmehr fest, dass die sternförmige Weitergabe der Daten bis zur Verfügbarkeit der notwendigen Gateways aus den Backend-Systemen der grundzuständigen Messstellenbetreiber zu erfolgen hätte. Kurz vor Weihnachten 2018 standen die Prozesse weitestgehend fest – und die Zeit lief.

Hohe Anforderungen an Messstellenbetreiber und Anbieter

„Obwohl es sich bei der MaKo 2020 um einen Zwischenschritt zum Zielmodell des Messtellenbetriebsgesetzes handelt – also eigentlich um ein Provisorium –, sind die Herausforderungen für die betroffenen Unternehmen doch umfangreich und vielfältig“, sagt Rüdiger Winkler, Geschäftsführer des edna- Bundesverbands. Immerhin verschiebe sich die Aufgabe der Messwertaufbereitung und -versendung vom Netzbetreiber (VNB) zum Messstellenbetreiber (MSB) und würde um neue Prozesse, etwa beim Austausch von Stammdaten, bei der Abrechnung oder bei den Wechselprozessen, erweitert. Andere Prozesse entfallen. Der ÜNB erhält künftig für alle mit einem iMSys ausgestatteten Marktlokationen die Aggregationsverantwortung. Zudem verkürzen sich die Fristen bei den Massengeschäftsprozessen im Umfeld des Lieferantenwechsels. Insgesamt also hohe Anforderungen an die Messstellenbetreiber, deren Systeme und Prozesse – so Winkler – bislang noch nicht für derartig komplexe Aufgaben ausgelegt seien. Mit dieser Argumentation legten dann auch im März dieses Jahres 15 Stadtwerke beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Festlegung der BNetzA ein, die allerdings wenige Wochen später abgewiesen wurde. Nach einer Unterspeisung des Netzes im Juni 2019 wird es sowohl im Interimsmodell als auch in der MaKo2020 weitere Anpassungen bei der Stammdatensynchronisation sowie bei der Messwertübermittlung geben.

Insbesondere die IT-Anbieter waren und sind also gefordert, praxistaugliche Lösungen zu entwickeln, die den Kunden eine funktionierende Umstellung zum Stichtag ermöglichen. „Wir haben uns eigentlich seit Ende 2017 mit dem Thema beschäftigt“, erinnert sich Christian Haase, Teamleiter Utility Solutions bei GISA. „Bis Ende 2018 die Festlegungen der BNetzA vorlagen, konnten wir allerdings nur hoffen, dass unsere Konzepte in die richtige Richtung gehen“, so Haase weiter. „Glücklicherweise hat das weitestgehend gepasst.“ Ab März starteten die ersten Kundenworkshops, aktuell befindet man sich in der Umsetzung. Andere Anbieter berichten über ähnliche Zeitpläne.

Systeme und Prozesse

Wie der GISA-Teamleiter berichtet, haben sich nur wenige große Kunden dazu entschlossen, den MSB für die anstehenden Aufgaben mit neuen, eigenständigen Systemen auszustatten.

Die große Mehrzahl nutze die vorhandenen VNB-Systeme mit den entsprechenden Anpassungen. „Das MsbG schreibt nach unserer Lesart derzeit kein informationstechnisches Unbundling vor“, erläutert Christian Haase. Dementsprechend reiche es aus, den MSB als neue Rolle in den Bestandssystemen kenntlich zu machen und die neuen Prozesse zu implementieren. Damit sinken die Aufwendungen, allerdings sei in diesem Fall ein sauberer Umgang mit den geteilten Datengrundlagen für die unterschiedlichen Aufgaben zu gewährleisten. Last but not least sei es auch möglich, die Prozesse outzusourcen.

Der edna-Bundesverband geht davon aus, dass die gesetzlichen Fristen eingehalten werden: „Ab Dezember 2019 wird die MAKO 2020 laufen“, sagt Rüdiger Winkler. Auch Christian Haase ist bezüglich der Systemvoraussetzungen zuversichtlich und betont, dass die Anwender auch die notwendigen prozessualen Anpassungen rechtzeitig und adäquat umsetzen müssen.

Gerechtfertigter Aufwand?

„Soweit zu kommen, war für uns und unsere Kunden ein enormer Kraftakt, der erhebliche Ressourcen gebunden hat“, betont der GISA- Teamleiter. Ressourcen, die zwangsläufig fehlten, um andere Zukunftsthemen voranzubringen. „Das ist ein schon hoher Preis für ein Thema, mit dem die Stadtwerke kein Geld verdienen können.“

Jedenfalls gehen alle Experten davon aus, dass die jetzt eingeführten Prozesse für den MSB Bestand haben werden, da sie die Abbildung der kommenden Marktprozesse im Zielmodell vorwegnehmen. Die Daten für die modernen Messeinrichtungen, die wohl noch lange die Mehrzahl der installierten Messsysteme ausmachen, werden sowieso weiterhin aus dem MSB-Backend gesendet.

Prof. Rüdiger Winkler sieht einen weiteren positiven Aspekt: „Fraglos bietet die MaKo 2020 allen Marktteilnehmern die Chance, noch vor der zu erwartenden Einbauwelle der intelligenten Messsysteme Praxiserfahrung zu sammeln, Fragen zu klären und die neuen Prozesse rechtzeitig einzuüben.“ Und vielleicht – so der edna-Geschäftsführer – erweise sich das Provisorium ja doch als langfristigere Lösung. (pq)

www.edna-bundesverband.de

www.gisa.de

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