Outsourcing auf dem Prüfstand

26.10.2020 – Selbst erledigen oder einkaufen? Eine systematische Analyse bietet die Chance zur Hebung von Effizienz- und Kostenpotentialen. Die Westfalen-Weser Netz ist diesen Weg gegangen.

Verteilnetzbetreiber (VNB) befinden sich seit langem in einem Spannungsfeld zwischen steigendem Kostendruck auf der einen Seite und immer anspruchsvolleren Aufgaben zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit auf der anderen Seite. Die effiziente Umsetzung einer Vielzahl neuer (regulatorischer) Anforderungen sowie die komplexer werdenden Prozesse sind dabei eine große Herausforderung. Ressourcenengpässe und der demographische Wandel verstärken diese zusätzlich.

Strategie-Dienstleistungskonzepte
Angesichts vielfältiger Dienstleistungsangebote und -konzepte verhilft eine systematische Betrachtung zur richtigen Strategie. Foto oben: puhhha/Shutterstock.com ; Foto Mitte: dgdimension/Shutterstock.com ; Foto unten: Foto: REDPIXEL.PL/Shutterstock.com

Von der umfassenden Full-Service-Dienstleistung bis zu Randprozessen

Immer mehr Marktteilnehmer stellen sich daher die Frage, ob es sinnvoll ist, die IT-Ressourcen sowie die operativen Prozesse in Eigenregie durchzuführen oder ob es auf dem Markt passende Alternativen gibt? Der Blick in den Markt zeigt umgekehrt, dass es ein ausgeprägtes und vielseitiges Leistungsangebot verschiedener Dienstleister gibt. Das Angebot reicht von der umfassenden Full-Service-Dienstleistung bis zum Randprozess der Druckdienstleistung. „Gerade im IT-Segment bewegt sich der Markt weg von monolithischen On-Premise-Angeboten hin zu heterogenen Servicelösungen mit intelligenter IT-Orchestrierung“, sagt Konstantin Reimann, Consultant des Beratungsunternehmens HORIZONTE-Group. Für VNB bestünde allerdings genau in dieser Vielfältigkeit auch ein Risiko, denn das Angebot ist teilweise intransparent und die einzelnen Leistungsbestandteile sind häufig nicht direkt zu erkennen. „Natürlich bedeutet Outsourcing aber mehr als eine reine ‚Make-or-Buy‘-Entscheidung. Vielmehr müssen strategische Rahmenparameter, Prozessgrenzen und Schnittstellen berücksichtigt werden, um Prozesse intelligent zu schneiden und somit den Steuerungsaufwand zu minimieren“, so Reimanns Fazit.

Exemplarisches Vorgehensmodell bei IT-Ressourcen

Die HORIZONTE-Group (HG) hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Unternehmen auf dem Weg in verschiedenartige Providermodelle begleitet und dabei ein standardisiertes Vorgehensmodell entwickelt. Das Modell basiert im Wesentlichen auf fünf aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten.

Horizonze Group netzwirschaftliche Wertschöpfungskette
Leistungsportfolio und Kostenbetrachtung verschiedener Dienstleister entlang der netzwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Grafik: Horizonte-Group AG

Um ein gemeinsames Verständnis sicherzustellen, werden zu Beginn alle Prozessschritte entlang der Wertschöpfungskette hinsichtlich ihrer Durchführung sowie etwaiger Schwachstellen und ihrer Dauer nebst Kosten analysiert und mit einer gemeinsam konzipierten Soll-Situation abgeglichen. In der Folge werden sämtliche Teilprozesse zu sinnvollen, möglichst gleichartigen und zusammenhängenden Prozessen geclustert. Diese Prozesscluster müssen hinsichtlich ihrer Eignung für ein Outsourcing bewertet werden und bilden die Grundlage für das Lastenheft.

„Bei der Entscheidung zwischen Single-Provider oder/und Multi-Provider geht es sowohl um strategische Aspekte wie Risikostreuung, Effizienzsteigerung als auch um Faktoren wie Dienstleisterschnittstellen und Dienstleistersteuerung“, so Bashkim Malushaj, Senior-Partner des Beratungshauses.

Mit Blick auf die Systemarchitektur ist neben der Bewertung verschiedener Betriebsmodelle auch darauf zu achten, die Gefahr von Vendor-Lock-Effekten zu minimieren, um die eigene Unabhängigkeit sicherzustellen. Ein besonderer Fokus liegt weiterhin auf Systemschnittstellen und Aspekten wie dem Technologiewechsel, welche vorausschauend bewertet werden müssen.
Für die kaufmännische Betrachtung bietet sich die Nutzung einer Kostenbenchmark Respektive die Durchführung einer Markterkundung an. So lassen sich plausible Kostenindikationen für die zuvor erarbeiteten Szenarien der Soll-Konzeption ableiten und in eine Entscheidungsvorlage überführen.

Effizienzsteigerungen in der Netzwirtschaft im Basisjahr Strom 2021

„Ein sinnvolles In- beziehungsweise Outsourcing ist nur durch eine ausgeprägte Analyse und Vorbereitung möglich. Sofern diese Hürden aber genommen sind, lassen sich durch eine intelligente Providerstrategie sowohl kaufmännische als auch qualitative Synergien für das gesamte Unternehmen realisieren“, fasst Bashkim Malushaj zusammen. Grundsätzlich sind die entstehenden Kosten regulatorisch anrechenbar. Durch das Basisjahr Strom 2021 ist aktuell ein guter Zeitpunkt, um sich Gedanken über Effizienzsteigerungen in der Netzwirtschaft zu machen. (pq)

Horizonte-Group AG
Konstantin Reimann
konstantin.reimann@horizonte-group.com

Bashkim Malushaj
bashkim.malushaj@horizonte-group.com

www.horizonte.group

Westfalen Weser Netz GmbH
Oliver Eue
oliver.eue@ww-energie.com

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