Dynamische Leistungsvorgabe am Netzanschluss

Interview mit Thomas Zwanziger, TQ-Systems

28.10.2020 – Steigende Zulassungszahlen von Elektrofahrzeugen könnten speziell städtische Verteilnetze schon bald an ihre Grenzen bringen. Eine Lösung sehen viele Experten in der dynamischen Begrenzung der Leistung am Netzanschluss (Plim). In Pilotprojekten mit Netzbetreibern will die TQ-Systems GmbH eine innovative Technologie für diesen Einsatzbereich in die Praxis bringen. Thomas Zwanziger, Head of Application & Service bei TQ-Systems, erläutert die Hintergründe.

Herr Zwanziger, was ist Ihre Motivation für die Pilotprojekte?

Wir alle wissen, dass mit dem Hochlauf der Elektromobilität die Risiken für die Verteilnetze steigen: Wenn beispielsweise in Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern mehrere Elektroautos mit 11 kW oder sogar 22 kW gleichzeitig unkoordiniert laden, reichen die Kapazitäten schlicht nicht aus. Die Netze zu verstärken ist teuer und in vielen Fällen auch technisch relativ schwierig.

Welchen alternativen Ansatz sehen Sie?

Es bedarf einer intelligenten Netzintegration im Rahmen einer Plim-Vorgabe durch den Netzbetreiber – der dynamischen Regelung des Anschlusspunktes, abhängig von den tatsächlich im Gebäude abgerufenen Lasten und der Situation im Ortsnetz. Wir haben mit dem EM430 eine kombinierte Mess-, Kommunikations- und Schalteinheit entwickelt, die vom Netzbetreiber in Pilotprojekten am Netzanschlusspunkt installiert wird und genau dies ermöglicht. Zu Spitzenzeiten kann der Netzbetreiber den Bezug begrenzen. Zu Schwachlastzeiten gibt es „freie Fahrt“ und der Netzanschluss kann voll ausgeschöpft werden. Im Gebäude selbst kommt dann das Energiemanagementsystem DM100 durch den Kunden zum Einsatz, das die Plim-Vorgaben des EM 430 umsetzt. Diese Technologie wollen wir jetzt gemeinsam mit interessierten Netzbetreibern im Praxiseinsatz erproben.

Was wollen Sie im Rahmen der Projekte untersuchen?

In den Projekten soll gezeigt werden, wie die Plim-Vorgabe technisch unter Berücksichtigung der verschiedenen Stake­holder wie Energielieferanten und Netzbetreiber umgesetzt werden kann. Die Ziele der Netzbetreiber und Stromlieferanten können widersprüchlich sein und müssen sinnvoll in Einklang gebracht werden. Kundenanforderungen, wie etwa gewünschte Reichweite zum gewählten Abfahrtszeitpunkt, Stromtarife und begrenzte Kapazität am Netzanschlusspunkt machen das Thema für den Netzbetreiber natürlich komplex. Eine gebäudescharfe Betrachtung am Netzanschlusspunkt kann das vereinfachen. Auch die Umsetzung der notwendigen Standardschnittstellen (IEC-61850, EE-Bus) wollen wir in der praktischen Anwendung evaluieren, um eine Anwendung in der Breite bestmöglich vorzubereiten.

Welchen Nutzen sehen Sie für Stadtwerke und Netzbetreiber?

Stadtwerke können konkrete Erfahrungen sammeln, wie sich eine Plim-Vorgabe auswirkt, wie eine solche Lösung realisiert und mit vorhandenen oder zukünftigen Geschäftsmodellen in Einklang gebracht werden kann. Es gibt zudem noch viele Unklarheiten, etwa wie das Thema im Rahmen der FNN Steuerbox behandelt wird oder welche Schnittstellen sich durchsetzen. Mit einem Feldtest lässt sich ein möglicher Ansatz praktikabel und leicht testen.

Was müssen die Stadtwerke tun, um Kooperationspartner zu werden?

Kontakt aufnehmen und die Anforderungen besprechen, um mit dem ersten Pilotprojekt loszulegen. (pq)

TQ-Systems GmbH
Thomas Zwanziger
thomas.zwanziger@tq-group.com
www.tq-group.com

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