Erste Regeln zur Umsetzung des „Redispatch 2.0“ im Strommarkt

06.11.2020 – Die Bundesnetzagentur hat heute die ersten Marktregelungen für die Umsetzung des sogenannten Redispatch 2.0 erlassen. Die Festlegung regelt den bilanziellen Ausgleich und schafft die Grundlage für den digitalen Informationsaustausch im Zusammenhang mit Redispatch-Maßnahmen.

Unter Redispatch versteht man eine kurzfristige Änderung des Kraftwerkseinsatzes auf Anordnung eines Netzbetreibers zur Vermeidung von Netzengpässen. Bisher gleichen die Netzbetreiber Ungleichgewichte in Bilanzkreisen, die durch Redispatch-Maßnahmen verursacht werden, nur bei größeren konventionellen Kraftwerken aus, nicht jedoch bei einer Abregelung von erneuerbarer Stromproduktion – dem sogenannten Einspeisemanagement. Ab 1. Oktober 2021 besteht die gesetzliche Pflicht, im Zuge des sogenannten Redispatch 2.0 alle Redispatch-Maßnahmen bilanziell ausgleichen, also auch das Einspeisemanagement. Dies ist eine Hilfe für betroffene Direktvermarkter und unterstützt die Systemsicherheit, da der bilanzielle Ausgleich koordiniert durchgeführt werden kann.

Der bilanzielle Ausgleich aller Redispatch-Maßnahmen stellt gleichzeitig eine große Herausforderung dar, erhöht sich doch die Zahl der betroffenen Anlagen um ein Vielfaches. Hinzu kommt, dass viele Anlagen für erneuerbare Produktion dargebotsabhängig sind, so dass ihre Einspeisung schwerer plan- und vorhersehbar ist.

Bilanzierungsmodelle und Prozessbeschreibungen

Um dennoch den gezielten bilanziellen Ausgleich zu ermöglichen, setzt die Bundesnetzagentur mit der Festlegung den notwendigen Rahmen. Die Festlegung regelt, wie der bilanzielle Ausgleich berechnet und durchgeführt wird. Dafür gibt sie zwei „Bilanzierungsmodelle“ vor, je nachdem, ob für die Einspeisung verbindliche Fahrpläne vorliegen oder nicht. Darüber hinaus regelt die Festlegung die Grundlage für eine digitale Kommunikation der beteiligten Unternehmen. Dies beginnt mit der Übermittlung der notwendigen Daten und Fahrpläne, setzt sich mit dem eigentlichen Redispatch-Abruf fort und endet mit der Durchführung des bilanziellen Ausgleichs.

Die dafür notwendigen Prozessbeschreibungen basieren im Wesentlichen auf Entwürfen des BDEW.

Weitere Festlegungsverfahren

Die heutige Entscheidung steht im Zusammenhang mit drei weiteren Festlegungsverfahren, die den Rahmen für das Redispatch 2.0 weiter ergänzen. Die weiteren Verfahren betreffen die Bestimmung der sogenannten Mindestfaktoren, die den Einspeisevorrang von erneuerbaren und KWK-Strom steuern, die Koordinierung der Netzbetreiber untereinander sowie die Verbesserung der Informationsgrundlage der Netzbetreiber.

Die Festlegung ist unter www.bundesnetzagentur.de/BK6-20-059 veröffentlicht. (pq)

www.bundesnetzagentur.de

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