Futurice Energie-Trends 2021: Kundenfokus und KI

03.12.2020 – Die Digitalberatung Futurice stellt fünf Prognosen auf, die den Energiemarkt 2021 bewegen werden. Dabei sind sich die Analysten sicher, dass Kunden und KI mehr denn je in den Mittelpunkt gerückt werden müssen. Welche Entwicklungen 2021 der Studie auf dem Energiemarkt zu erwarten sind, zeigt folgender Trendüberblick.

#1 Kundenfokus

Die Erwartungen der Verbraucher ändern sich derzeit fundamental, aus dem Umgang mit digitalen Dienstleistern haben sie sich an Transparenz, Flexibilität und kundennahen Service gewöhnt. Auch wechseln sie schneller und öfter mal ihre Anbieter. Außerdem spiele das Thema Energie mehr und mehr in den Alltag hinein: Wer ein E-Auto fährt, möchte dieses auch als Speicher nutzen, idealerweise gleich im Verbund mit der PV-Anlage oder Wärmepumpe im smarten Heimnetzwerk.

Energieunternehmen müssen diese neue digitale Verbrauchermündigkeit auf der Rechnung haben. Bedeutet nach Ansicht von Futurice: Die Menschen müssen mit ihrem Versorger die Erfahrung machen, dass ihr Feedback zählt und zu positiven Veränderungen führt. Neue Services stießen so auf mehr Akzeptanz, die Versorger könnten sich durch die entgegengebrachte Wertschätzung die Treue ihres Kundenstamms erhalten und am Markt relevant bleiben.

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Bild: urbans78 – stock.adobe.com

#2 Smarter Grid

In den kommenden Jahrzehnten werden allein in Deutschland rund 50 Milliarden Euro in die Netzinfrastruktur investiert, um einen effizienteren Netzbetrieb sowie intelligentere Netze zu realisieren. Um das zu erreichen, sollen Verbraucherdaten, IoT- und Asset-Tracking-Geräten, Inspektionsdrohnen, Satelliten und anderen Technologien effizient genutzt werden. Intelligent analysiert sollten diese Daten viele neue Antworten darauf liefern, wie der Netzbetrieb belastbarer, flexibler und nachhaltiger werden kann.

Das Analysieren riesiger Datenmengen, die im gesamten Energie- und Versorgungssektor erzeugt werden, liefern einmalige Einblicke in das Nutzungsverhalten der Kunden. Dieses Wissen muss für Bedarfsprognose und effektives Energiemanagement nutzbar gemacht werden. Mehr noch: Betrug verhindern, Verluste reduzieren, Einhalten von Gesetzen oder besserer Kundendienst – all diese Möglichkeiten und noch mehr lassen sich durch Datenanalysen erschließen. Energieversorger, denen es gelingt, ihr Datenkapital gewinnbringend einzusetzen, werden 2021 die Nase vorne haben.

#3 Prosumenten

Laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) sind in Deutschland allein zwischen Februar 2019 und Januar 2020 annähernd 100.000 neue Prosumenten hinzugekommen. Diese Zahl gilt nur für den Solarbereich. Jeder Prosument ist zugleich ein potenzieller Energiemanager für das Eigenheim, der als solcher mit den großen Produzenten und Netzbetreibern kooperiert und als Faktor im Energie-Management an Bedeutung gewinnt.

Doch wie mit diesen zunehmenden „Mikroeinheiten“ rechnen, wenn es gilt das schwankende Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten? Hier kommt der intelligente Zähler ins Spiel, er liefert das digitale Zwischenstück zwischen Verbrauchern, Produzenten und Netzbetreibern. Zum Beispiel hilft er auch den Verbrauchern, sich einen Überblick über ihr Verbrauchsprofil zu verschaffen und Einsparpotenziale zu erkennen, indem sie Gewohnheiten ändern oder sich mit Energiespeichern ausstatten.

Die intelligenten Zähler sind auch die Grundlage für die Ermittlung der Nachfrageentwicklung im Großen. Das Zusammenspiel wird komplexer und funktioniert nur, wenn dahinter ein intelligentes Netz steht, das einen oder zwei Schritte voraus denkt und dem Markt auf Daten basierende Empfehlungen gibt, wann Energie gespeichert, verkauft, umgewandelt oder verbraucht werden sollte.

#4 Intermittierende Produktion

Der steigende Anteil intermittierender Energieproduktionen – etwa durch Erneuerbare Energien oder Prosumenten – an der Gesamtversorgung macht deren Planung herausfordernder. Dies führt zu einer höheren Preisvolatilität und erfordert ein besseres Management ausgleichender Energiequellen – wie der Wasserkraft –, die Verbrauchsspitzen abfangen und Überschüsse speichern können.

Die kürzeren Vorlaufzeiten auf dem Markt erfordern ein Energiemanagement, das nahezu in Echtzeit auf Marktveränderungen reagieren kann. Dies wiederum erfordert weitgehend automatisierte daten- und KI-unterstützte Ausschreibungs- und Dispatching-Prozesse sowohl für Energieunternehmen als auch für Unternehmen in energieintensiven Sektoren.

Der zunehmende Einsatz von Cloud-Plattformen im gesamten Energie- und Versorgungssektor dürfte sich positiv auf das Marktwachstum auswirken. Die größten Herausforderungen für den Markt liegen im Bereich Datensicherheit und Datenschutz. Zudem fehle es laut Futurice an qualifiziertem analytischem Fachwissen und der Kompetenz, Analyse- oder KI-Lösungen in die bestehende IT-Architektur zu integrieren.

#5 Hardware und Software wollen gemeinsam entwickelt werden

Die Energieproduktion ist traditionell eine eher Hardware-lastige Branche, bei der sich naturgemäß alles um die physikalischen Prozesse dreht. Doch das Hardware-Setting der Energieproduktion alleine wird in Zukunft keinen entscheidenden Unterschied mehr machen. Nur Hardware und Digitaltechnologie im Verbund werden zu mehr Effizienz und Nachhaltigkeit führen. Entsprechend müssen beide Disziplinen gemeinsam weiterentwickelt werden, um Erzeugung, Verteilung und Verbrauch elektrischer Energie zukunftsfähig zu machen.

Fazit

Für Energieunternehmen am Markt bedeuten diese Trends, dass sie weiterhin am Aufbau digitaler Kompetenzen arbeiten müssen, um in Zukunft relevant zu bleiben. Die Herausforderung ist groß, auch andere Branchen kämpfen um diese Talente. Denn sie alle wissen, dass der zukünftige Erfolg in hohem Maße von ihren digitalen Fähigkeiten abhängen wird.

www.futurice.com

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