Kennzeichnen mit 2D-Codes im Kraftwerk: Ein Gewinn für die Instandhaltung

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Rohrleitungen, Messgeräte und Bedienelemente: Auch im Bau und Betrieb
von Kraftwerken sind Kennzeichnungen unverzichtbar. 2D-Codes generieren
dabei große Vorteile für die Instandhaltung. Foto: PrintoLUX GmbH

04.12.2020 – Beim Kraftwerksbau und Kraftwerksbetrieb kommen – wie im sonstigen Anlagenbau auch – unzählige Kennzeichnungen zum Einsatz. Das sind unter anderen Sicherheits- und Hinweisschilder, Kabelschilder, Schaltschrankbeschilderung, Rohrleitungskennzeichen, Bedienschilder und Typenschilder. Ohne Kennzeichen wäre jede Produktion chaotisch. Dennoch genießt das Thema „industrielles Kennzeichnen“ in der Regel keine gesteigerte Aufmerksamkeit. Für Konstrukteure ist es eher lästiges Beiwerk, für das Management wirtschaftlich und strategisch wenig bedeutsam. So wird das Planen und Beschaffen von Kennzeichen oft sehr „werkstattnah“ und kleinteilig in Form von Insellösungen organisiert. Sicherheitsbeauftragte kümmern sich um die Sicherheitskennzeichen und Gebotsschilder.

Im Verantwortungsbereich von Elektrikern liegt die Kennzeichnung von Schaltschränken und die Besorgung von Kabelschildern. Den Konstrukteuren und technischen Redaktionen obliegt die Kennzeichnung von Maschinen und ihren Komponenten. Eine weitere Insel bilden die Logistiker mit ihren innerbetrieblichen Hinweis- und Orientierungskennzeichen.

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Im Schadensfall erlauben 2D-Codes den sofortigen Zugang zu relevanten Informationen, was die Reparatur und Instandsetzung erheblich beschleunigt. Foto: PrintoLUX GmbH

Die Nachteile solcher Insellösungen liegen auf der Hand: Auf Betriebsebene entstehen hinsichtlich der eingesetzten Kennzeichen Qualitätsbrüche hinsichtlich Darstellungsqualität und Beständigkeit, der Einsatz unterschiedlichster Formate und Materialien verhindert mögliche Standardisierungen, die Kostenvorteile von Mengenrabatten gehen verloren.

Aus seinem Schattendasein trat das Kennzeichnen in jüngster Zeit in vielen Betrieben durch den deutlich zunehmenden Einsatz von Kennzeichen mit 2D-Codes. Da diese Codes im Unterschied zur vorangegangenen Generation der Strichcodes ein sehr großes Informationsvolumen aufnehmen und ad-hoc verfügbar machen, wurden Kennzeichen mit 2D-Codes zu Funktionsträgern für Prozessoptimierungen.

2D-Codes erhöhen die Transparenz von Produktionsprozessen

Mögliche Elemente dieser Optimierungen führt Fachautor Bernhard Lenk in einem aktuellen Auf-satz über „Codes in der industriellen Kennzeichnung“1 auf. Er ordnet den Codes folgende Funktionen zu:

  • eindeutige Zuordnung von Material und Zeit,
  • durchgängige Objektverfolgung (Tracking),
  • Automatisierung von Transport- und Materialflüssen,
  • Kosteneinsparung durch schnelles Auffinden von Objekten,
  • permanente, automatisierte Inventur,
  • nachhaltige Wartungs- und Servicekonzepte,
  • Unterstützung von Industrie 4.0 durch Mensch-Maschine- und Maschine-Maschine-Schnittstellen.
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Im Schadensfall erlauben 2D-Codes den sofortigen Zugang zu relevanten Informationen, was die Reparatur und Instandsetzung erheblich beschleunigt. Foto: PrintoLUX GmbH

Nicht jeder eingesetzte 2D-Code kann all diese Leistungssegmente auf sich vereinen, aber auch dort, wo nur eine einzige Optimierungsweise zur Geltung kommt, kann dies einen großen Vorteil bedeuten. So hat die Innio Jenbacher GmbH mit Sitz in Frankenthal bei der Herstellung eines 30-MW-Blockheizkraftwerks für das Kraftwerk Merheim des Kunden RheinEnergie erstmals breitflächig 2D-Codes eingesetzt. Bei der Fertigung der Anlage zwischen November 2018 und April 2020 wurden alle verbauten Komponenten zusätzlich zur üblichen Kennzeichnung mit 2D-Codes versehen.

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Auch in Kraftwerksbau werden bei der Kennzeichnung von Komponenten zunehmen 2D-Codes eingesetzt, was klare Vorteile für den Anlagenbetrieb bewirkt. Foto: PrintoLUX GmbH

Ob Messabzweige für Druck und Temperatur, Pumpen, Hähne, Absperrklappen oder Manometer – überall wurden auch 2D-Codes aufgebracht. Michael Völkel, Senior Projektleiter bei Jenba-cher, nennt die Gründe: „Mit diesen Codes wollen wir eine Verlinkung zu Datenbanken ermöglichen, auf die der Kraftwerksbetreiber dann einen schnellen Zugriff hat. Durch dieses Element, auf das uns unser Kennzeichnungslieferant PrintoLUX aufmerksam machte, kommt es insbesondere bei Instandhaltungsarbeiten zu einem großen Zeitgewinn. Mit 2D-Codes und der Verlinkung mit der Anlagendokumentation lassen sich aktuelle und relevante Information genau an die Orte bringen, an denen sie gebraucht werden. So wird bei Instandhaltungsmaßnahmen oder bei Schadensfällen am Schadensort alles sofort sichtbar, was wichtig ist: Detailbeschreibung von Funktion, Kontaktdaten bei Schadensfällen, letzte Revision und letzter Austausch von Komponenten. Dies alles erleichtert und beschleunigt jede Instandhaltung und jede Reparatur. Ungeplante Standzeiten werden so verkürzt, die Verfügbarkeit der Anlage erhöht.“

2D-Codes lassen also das Herumsuchen in langen Listen und Plänen hinter sich und ermöglichen den direkten Zugriff auf erforderliche Informationen.

Die Anlagenkennzeichnung insgesamt neu organisieren

Der schnell wachsende Einsatz von 2D-Codes hat vielen Konstrukteuren und Beschaffungsmana-gern den Blick geweitet. Anlagenkennzeichnung wird allmählich etwas häufiger als zentral organisierte Planungsaufgabe wahrgenommen. Insellösungen werden aufgegeben, Kennzeichnen rückt als Ganzes stärker in den Fokus des Managements. Die Realisierung einer solchen Neuorientierung gehört in der Regel zum Aufgabengebiet des Chain Managements. Der erste praktische Schritt besteht dabei zunächst im Erfassen der Gesamtheit der benötigten Kennzeichen, ihrer Gestalt und ihrer Beschaffungskosten für festgelegte Zeiträume; zum Beispiel pro Jahr, pro Projekt, pro Auftrag, etc.

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Um die Beständigkeit der Kennzeichen im Außenbereich zu erhöhen, werden häufig Folien als Wit-terungsschutz aufkaschiert. Foto: PrintoLUX GmbH

Sind der Gesamtbedarf und die dafür eingesetzten Mittel detailliert erfasst, kann gemeinsam mit den innerbetrieblichen Kennzeichnungsnutzer darüber befunden werden, welche Schnittstellen bei Planung und Beschaffung abzubauen sind und wie sich aus der vorgefundenen Diversität an eingesetzten Schildmaterialien, Formaten und Herstellungsverfahren ein höheres Maß an Standardisierung erreichen lässt. Schließlich ist auf der organisatorischen Ebene eine Instanz zu etablieren, die das Kennzeichnungsmanagement fortan übernimmt. Sinnvollerweise wird eine solche Instanz von einem Team gebildet, in dem Mitarbeiter aus Konstruktion, technischer Planung, Werkstatt und Einkauf/Beschaffung vertreten sind.

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Auch in Schaltschränken sorgen Kennzeichnungen für Ordnung und Bedienbarkeit. Foto: PrintoLUX GmbH

Bei einem planvollen innerbetrieblichen Umgang mit Kennzeichnungsaufgaben ist auch zu berücksichtigen, dass sich bei den Herstellungsverfahren für Kennzeichnungen eine starke Entwicklungsdynamik zeigt. Bis vor wenigen Jahren waren beim Herstellen industriell eingesetzter Kennzeichen die Gravur – mechanisch oder lasergestützt – und der Siebdruck die meist angewandten Verfahren. Die Lasergravur bedeutete einen deutlichen Fortschritt, wenn bei den produzierten Kennzeichen hohe Beständigkeiten gegenüber chemischen, physischen oder thermischen Strapazen gefordert waren. Wobei diesem Verfahren weniger gute Noten zu erteilen, wenn es um Wirtschaftlichkeit, Flexibilität einsetzbarer Schildmaterialien, Einsetzbarkeit von Farben sowie Gesundheit und Umwelt geht.

Mit dem Digitaldruck zeigte sich dann ein weiterer Fortschritt. Der fotobasierte Digitaldruck kommt bei der Herstellung von Kennzeichen ohne jedes Fräsen aus und kann auch bei kleinen Formaten hohe Kontraste und eine gute Beständigkeit erzielen. Diese Druckform benötigt im Vergleich zu anderen Verfahren bei der Bedienung so gut wie keine Vorkenntnisse. Digitaldruck bedeutet, die Gestaltung des Druckbildes am Bildschirm zu erledigen und auf alle Rüstzeiten für den Druckvorgang verzichten zu können. Hinsichtlich Gesundheit und Umwelt kommt das Verfahren ohne bedenkliche Materialien, Stäube und Rückstände aus. So ist der Digitaldruck auch und gerade bei der Herstellung von 2D-Codes in der industriellen Kennzeichnung als nachgefragte Alternative neben die lange schon etablierte Lasergravur getreten. (ds)

Der Autor Dr. Helmuth Bischoff hat das 2018 bei Springer Heidelberg erschienene Fachbuch „Herstellungsverfahren für die industrielle Kennzeichnung“ konzipiert und redaktionell betreut. Er arbeitet seit 2010 als Presseverantwortlicher des Unternehmens PrintoLUX GmbH.

PrintoLUX GmbH
Dr. Helmuth Bischoff
67227 Frankenthal
helmuth_bischoff@web.de
www.printolux.com/de/

Fußnoten:
1: Bernhard Lenk, Codes in der Industriellen Kennzeichnung, Kapitel 7 in: Hermann Oberhollenzer (Hrsg.), Herstellungsverfahren für die industrielle Kennzeichnung, Springer, Heidelberg 2018, 320 Seiten, ISBN 978-3-662-55331-2

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