Arbeiten an Stromnetzen in Pandemie-Zeiten: Gemeinsam durch die Krise

08.12.2020 – Der technische Dienstleister Omexom meistert die neuen Herausforderungen und erlebt große Solidarität – in der Belegschaft und seitens der Netzbetreiber.

Eine sichere Stromversorgung ist für die meisten von uns eine Selbstverständlichkeit und selbst während der Corona-Pandemie hat es wohl niemanden verwundert, dass weiterhin das Licht leuchtete und der Kühlschrank lief, die Rechner im Homeoffice ebenso wie die elektrischen Anlagen in Betrieben, Krankenhäusern oder anderen Einrichtungen zuverlässig funktionierten. Die Voraussetzung dafür schaffen Unternehmen wie Omexom, die sich im Auftrag der Netzbetreiber nicht nur um die Planung und Errichtung der Versorgungsinfrastruktur, sondern ebenso um die laufende Wartung und Instandhaltung kümmern.

Omexom kümmert sich im Auftrag der Netzbetreiber um die laufende Wartung und Instandhaltung der Stromnetze. (Foto: Omexom)

„Uns betraf Corona schon massiv, bevor es Deutschland überhaupt richtig erreichte“, erinnert sich Jens Schulz, der bei der Omexom Hochspannung GmbH die Business-Unit Süd/West leitet. Dazu gehört neben Deutschland und Österreich auch Norditalien, wo bereits Ende Februar erste Regionen aufgrund des Infektionsgeschehens abgeriegelt wurden. „Unsere Mitarbeiter sind langjährig eingeschworene internationale Teams, die oft wochenlang miteinander arbeiten. Da ist eigentlich niemand zu ersetzen und man steht sich natürlich auch menschlich nah“, erzählt Schulz.

Mit dem kompletten Lockdown in Italien fielen somit nicht nur wertvolle Fachkräfte aus. Der Baustellenbetrieb vor Ort wurde komplett eingestellt und auch in Deutschland und Österreich wollten viele Netzbetreiber die Projekte in den 110-380 kV-Netzen zunächst stoppen. „Klare vertragliche Regelungen für solche Ausfälle gab es zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht“, berichtet der Geschäftsbereichsleiter. „Aber Stillstand war keine Option für uns.“

Baustellenhygiene in der Hochspannung

Omexom Safety-Moment
Mit kleinen Teams konnten alle Arbeiten im Verteilnetz planmäßig fortgeführt werden. (Foto: Omexon)

Vor diesem Hintergrund entwickelte Omexom ein Hygienekonzept, mit dem die Teams aus ganz Europa sicher arbeiten und Projekte wie ein Ersatzneubau im 380 kV-Netz von Amprion frühzeitig wieder aufgenommen werden konnten. „Das Konzept überzeugte den Auftraggeber und wurde bis heute beibehalten“, erläutert Jens Schulz. Bis heute gab es unter den rund 500 Mitarbeitern gerade einmal zwei Infektionsfälle.

Neben umfangreichen Hygienemaßnahmen und regelmäßigen Personalschulungen wurden die Abläufe auf der Baustelle neu organisiert: „Um Ansteckungen zu vermeiden und Kontakte nachverfolgen zu können, gab es sehr restriktive Kontaktregeln. Insbesondere haben wir Mitarbeiter aus unterschiedlichen Risikogebieten zu festen Gruppen mit separaten Aufenthalts-, Schlaf- und Sanitärräumen zusammengeschlossen“, berichtet er. Im Fall einer Infektion wäre die gesamte Kolonne in Quarantäne gegangen. Sogar das Abendessen wurde von einem örtlichen Gasthof angeliefert. „So konnten wir unnötige Kontakte in der Region vermeiden.“ Das Management und die eingebunden Fachabteilungen befanden sich – vielfach per Videokonferenz – in kontinuierlichem Austausch und auch zu den Kollegen vor Ort bestand regelmäßiger Kontakt. „Eine enorme logistische Herausforderung, die wir als Team gemeistert haben – da haben alle toll mitgezogen“, so Jens Schulz‘ Fazit. Auch an anderer Stelle bewies das Unternehmen Teamgeist: Für die italienischen Kollegen in Kurzarbeit verzichtete die Omexom-Führungsebene spontan auf einen Teil ihres Gehalts. „Die Bezüge zur Kurzarbeit in Italien sind teilweise sehr gering, da mussten wir etwas tun“, sagt Uwe Winkler.

Dauereinsatz in der Mittel- und Niederspannung

Er ist Executive Vice President von Omexom Distribution und zuständig für insgesamt 2.500 Mitarbeiter an 70 Standorten, die unterschiedliche Dienstleistungen in den Verteilnetzen erbringen – davon 2.000 im Außendienst. „In unserem Arbeitsbereich war im Frühjahr keine Rede von einer Verschiebung oder gar Einstellung der Arbeit – eher im Gegenteil“, erinnert er sich. „Gerade im Störungsdienst in der Mittel- und Niederspannung sind wir ein wichtiger Partner für die Netzbetreiber.“

Doch auch in diesem Bereich forderte der Infektionsschutz natürlich erhebliche Umstellungen in allen Arbeitsabläufen. Ein zentraler Krisenstab wurde eingerichtet, um die konkreten Maßnahmen zu planen und umzusetzen – europaweit, abgestimmt auf die jeweils gültigen Regeln. „Dass ab März praktisch alle unsere Ansprechpartner bei den Netzbetreibern im Homeoffice arbeiteten, war dabei das geringste Problem“, erinnert sich Winkler. Das Unternehmen hatte schon vor Corona einen hohen Digitalisierungsgrad, sodass man schnell Möglichkeiten fand, Abstimmungsgespräche oder den Austausch von Plänen und Dokumenten kontaktlos durchzuführen.

Auf den Baustellen setzte Omexom strikte Hygienemaßnahmen um. „Wir haben zusätzliche Waschbecken für die Baustellen beschafft, alle Fahrzeuge wurden nach den Einsätzen desinfiziert und dank der Zusammenarbeit mit örtlichen Schneidereien gab es bei uns auch keine Engpässe bei der Beschaffung von Schutzmasken“, erläutert der Omexom Distribution-Manager. Die größte Herausforderung jedoch bestand auch in der Mittel- und Niederspannung in der Organisation des Außendienstes. „Unsere dezentrale Struktur hat uns hier sehr geholfen“, berichtet Uwe Winkler. Die Mitarbeiter wurden kleinen festen Kolonnen zugeteilt – „das war nicht immer effizient, aber die nötige Sicherheit und Kontaktverfolgung waren gewährleistet.“

Gerade die letzte Aufgabe, die täglich auf der Agenda der Führungskräfte stand, erwies sich als extrem aufwendig: Uwe Winkler berichtet von 500 Kontaktverfolgungen, die aus konkretem Anlass durchgeführt werden mussten. „Infektionen während der Arbeitszeit hat es überhaupt nicht gegeben“, berichtet er und trotz einiger Erkrankungen und Quarantäne-Fälle musste Omexom Distribution nie große Einheiten schließen.

Besonderer Service und Solidarität

Doch auch diese umfangreichen Maßnahmen konnten anfangs nicht jedem Kunden die Sorge vor dem Ausfall der systemkritischen Service-Kräfte nehmen: „Ein Netzbetreiber wünschte sich ein Reserve-Team, das ausgefallene Mitarbeiter im Notfall sofort hätte ersetzen können“, erzählt Uwe Winkler. Und auch das habe man ermöglichen können: „14 Kollegen haben sich freiwillig in Quarantäne begeben und hätten jederzeit einspringen können.“ Umgekehrt berichtet er auch von großer Unterstützung seitens der Auftraggeber: „Die Netzbetreiber haben unser Engagement in hohem Maße gewürdigt und sind uns auch in vieler Hinsicht entgegengekommen.“

Auch Uwe Winkler und Jens Schulz sind stolz auf das, was Omexom in der Corona-Krise geleistet und entwickelt hat. Auch mit Blick auf die ungewisse Entwicklung in den kommenden Monaten sehen sie ihr Unternehmen bestens gerüstet. (pq)

Vinci Energies Deutschland Distribution
Uwe Winkler
uwe.winkler@omexom.com
www.omexom.de

 

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