Vorfahrt für grünes Laden

18.12.2020 – Der CO2-Kompass der Hochschule Osnabrück veranschaulicht, woher der eingespeiste Strom zu einem bestimmten Zeitpunkt stammt. Zudem ermöglicht es die Software, beim Laden bevorzugt regenerativ erzeugte Energie zu nutzen.

Elektroautofahrer sind an öffentlichen Ladesäulen häufig mit diversen Abrechnungssystemen, verschiedenen Stromtarifen und Zugangssystemen konfrontiert. Transparenz würde zu einem besseren Überblick führen und die Akzeptanz der Elektromobilität weiter erhöhen. Dies trifft auch auf den Strommix beim Laden zu. Nach einer Studie des Instituts für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wünschen sich viele Verbraucher, Elektrofahrzeuge vor allem zu jenen Zeitpunkten zu laden, an denen der Strom aus erneuerbaren Quellen generiert wird. Auch vor diesem Hintergrund hat ein Forschungsteam der Hochschule Osnabrück den CO2-Kompass entwickelt.

PV-Carport-Entwurf-1
Ein PV-Carport kann ebenfalls über eine Schnittstelle mit dem CO2-Kompass verbunden werden. (Bild: Hochschule Osnabrück)

Die web-basierte Plattform stellt transparent dar, woher der eingespeiste Strom stammt. Zur Visualisierung kann sich der Nutzer auf der Webseite mit wenigen Klicks anhand eines Liniendiagramms die aktuellen Emissionen der deutschlandweiten Energieerzeugung ansehen oder aber einen bestimmten Zeitraum auswählen, wie Projektleiter Prof. Dr. Hans-Jürgen Pfisterer darlegt: „Wir haben eine Software entwickelt, die die Zusammensetzung der Stromerzeugung transparent macht, zu welchen Anteilen der Strom also zu einem bestimmten Zeitpunkt zum Beispiel aus Solarkraft, Windkraft oder Atomkraft stammt“ und ergänzt: „Damit einher geht die Berechnung der CO2-Emissionen, für die das System täglich um 0 Uhr auch eine Prognose für die nächsten 24 Stunden erstellt.“

Rohdaten werden laufend übermittelt

Der CO2-Kompass operiert auf Basis einer Schnittstelle zwischen der Datenbank des Verbandes Europäischer Übertragungsnetzbetreiber und der Datenbank des CO2-Kompasses. „In unserer Datenbank werden die Stromproduktionsdaten für jeden der bundesweit vier Übertragungsnetzbetreiber und für Deutschland im Gesamten gespeichert“, erläutert der Doktorand Lucas Hüer. In fünfminütigen Abständen werden die Rohdaten übermittelt. Im nächsten Schritt folgt eine Berechnung der Kohlenstoffdioxidwerte auf Grundlage der Produktionszahlen. Eine sogenannte REST-Schnittstelle ermöglicht es schließlich, die Emissions-Informationen mit elektrischen Geräten zu koppeln.

Die Software stellt den Anteil bei der Stromerzeugung aus den jeweiligen Anlagen transparent dar. (Bild: Hochschule Osnabrück
Die Software stellt den Anteil bei der Stromerzeugung aus den jeweiligen Anlagen transparent dar. (Bild: Hochschule Osnabrück

Verknüpfung mit unterschiedlichen Geräten möglich

Für die Erprobung im Realbetrieb plant das Forschungsteam, die Software auch in eine intelligente Ladesäule zu integrieren. Sie ist dann in der Lage, bevorzugt zu laden, wenn CO2-armer Strom fließt. „So ist beispielsweise die Verbindung des CO2-Kompasses mit einer intelligenten Ladesäule möglich. Sie erfragt über die Schnittstelle kontinuierlich den aktuellen Strommix inklusive zugehöriger Emissionswerte“, erläutert Prof. Pfisterer. Darauf basierend können die Ladevorgänge zeitlich angepasst werden. Auch eine Verknüpfung mit anderer Hardware, etwa Haushaltsgeräten, Wärmepumpen oder Klimaanlagen, sei möglich. Die Aloys & Brigitte Coppenrath Stiftung fördert das Projekt mit mehr als 140.000 Euro. (ds)

Hochschule Osnabrück
Prof. Dr. Hans-Jürgen Pfisterer
j.pfisterer@hs-osnabrueck.de
www.hs-osnabrueck.de

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