Selbstzahlende Elektroautos?

17.02.2021 – Das Startup PolyCrypt will Blockchain-Transaktionen, sogenannte „Smart Contracts“, im Internet of Things (IoT) ohne Wartezeit und zu deutlich reduzierten Preisen ermöglichen. Nicht nur Menschen, auch vernetzte Dinge sollen dadurch in die Lage versetzt werden, sich untereinander auszutauschen und Verträge abzuschließen. So könnte ein Elektroauto bald selbst an der Ladesäule bezahlen, ohne irgendein Zutun des Fahrenden hinter dem Steuer.

Was als Forschungsprojekt an der Technischen Universität Darmstadt unter der Leitung von Prof. Sebastian Faust, Leiter des Fachgebiets für Angewandte Kryptographie, begann, mündete im November letzten Jahres in die Gründung des Startups PolyCrypt. Für einen erfolgreichen Transfer in die Wirtschaft wird das Gründerteam mit seinem Projektvorhaben Perun vom Förderprogramm StartUpSecure des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt.

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Bild: picture alliance / Fotostand | Fotostand / Freitag

Fokus auf Energie und Mobilität sowie dezentrale Marktplätze

Das Projektvorhaben Perun lässt sich anschaulich anhand eines Beispiels aus dem Bereich der Elektromobilität erklären. Die Nachfrage nach Elektroautos steigt und die Anbieter müssen für den Kunden Anreize schaffen, die Elektroautos nicht zur gleichen Zeit an den Ladestationen aufzuladen, um eine Überlastung des Stromnetzes zu vermeiden. Dies kann beispielsweise über finanzielle Angebote funktionieren. Mithilfe der Lösung von Perun könnte ein Automobilhersteller seinen Endkunden beispielsweise über eine Rabattaktion dazu bewegen, das Elektroauto nachts aufzuladen. Das Startup aus Darmstadt hat dafür eine Software entwickelt, mit der eine Transaktion zwischen Kunde und Automobilhersteller simpel abgewickelt werden soll.

Die Perun-Software-Technologie

Die Lösung von Perun ist in ihrer Anwendung skalierbar und könnte 10.000 Transaktionen pro Sekunde zwischen zwei Personen ermöglichen. In ihrer Umsetzung ist sie dem Startup zufolge kostengünstig, da die durchgeführten Transaktionen ohne die Blockchain und damit ohne die juristische Prüfung abgewickelt werden können. Sollte es im Zahlungsprozess aber zu Unstimmigkeiten zwischen zwei Parteien kommen, greift die Perun-Software automatisch auf den Einsatz der Blockchain zurück.

Die bisherigen Blockchain-Lösungen nehmen bei der Transaktion zwischen zwei Parteien immer auch die Funktion eines Gerichts ein, um missbräuchlichen Zahlungsvorgängen vorzubeugen. Dies ist in der juristischen Umsetzung genauso teuer wie im richtigen Leben. Mithilfe der Perun-Lösung könnten damit erhebliche Kosten eingespart werden. Die Technologie bietet darüber hinaus Unternehmen aber auch viele Möglichkeiten, um direkt zwischen Unternehmen zu vermitteln, manuelle Prozesse zu automatisieren und dabei gleichzeitig die IT-Sicherheit und den Datenschutz zu erhöhen.

Auch vernetzte Dinge sollen sich dank der Perun-Software künftig in sicheren Ökosystemen selbstständig untereinander austauschen können und in der Lage versetzen, Verträge abzuschließen. Möglich wird dies durch den Einsatz der smarten Verträge und vielen weiteren Komponenten, die aus den Forschungsergebnissen der letzten Jahre am Fachgebiet für Angewandte Kryptographie entstanden sind.

In der Förderphase I ermöglichte die finanzielle Unterstützung den Aufbau eines Teams, die Entwicklung der Basistechnologie sowie die Kooperation mit Partnern wie Bosch oder der Telekom AG. Mithilfe der nun beginnenden Förderphase II steht die Weiterentwicklung des Produkts und der erfolgreiche Transfer in die Wirtschaft mittels Pionierprojekten mit etablierten Unternehmen zum Testen des Marktpotenzials an. Der gleichnamige Gründungsinkubator StartUpSecure | ATHENE, ansässig am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT und an der Technischen Universität Darmstadt, hat das Gründerteam bei der Antragstellung mit seinem technischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fachwissen unterstützt und beraten. (ds)

www.perun.network

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