Stadtwerke Garbsen testen Mioty-Technologie

31.03.2021 – Die Stadtwerke Garbsen treiben die Digitalisierung ihrer Netze voran. „Die Anforderungen an unsere Versorgungsnetze werden immer größer und sie werden weiter steigen“, erklärt Geschäftsführer Daniel Wolter. Um künftig in Echtzeit Zustandsdaten zu erhalten und frühzeitig Steuerungsbedarfe zu erkennen und reagieren zu können, werden im Rahmen eines Pilotprojektes nun Sensoren innerhalb der Netze verbaut. Voraussetzung für deren digitale Vernetzung ist ein robustes Funknetzwerk, das Daten tausender Sensoren über mehrere Kilometer übertragen kann.

Die Stadtwerke Garbsen setzen dabei auf Mioty, einer neuartigen Kommunikationstechnologie des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS. Die softwarebasierte Technologie lässt sich thematisch den Low Power Area Networks (LPWAN) zuordnen, hebe sich jedoch durch hohe Energieeffizienz, Mobilität und Skalierbarkeit und geringe Störanfälligkeit von bestehenden Systemen ab. Um Zugang zu Mioty zu erhalten, sind die Stadtwerke Garbsen nun der gleichnamigen Allianz beigetreten.

SW-Garbsen-Mioty-Test-Antenne
Die Stadtwerke Garbsen testen die Mioty-Funktechnik in ihren Netzen. Herzstück ist eine Funkantenne auf dem Dach des Rathauses. Bildquelle: Stadtwerke Garbsen GmbH

Die Mioty Allianz bietet den Stadtwerken auch die Möglichkeit, die Technologie aktiv mitzugestalten. Die Stadtwerke Garbsen sind damit der bundesweit erste Energieversorger, der die Technologie für eine Smart City nutzt.

Mioty-Testphase angelaufen

Derzeit prüfen die Stadtwerke Garbsen die Mioty-Technologie zunächst in einer dreimonatigen Testphase auf ihre Leistungsfähigkeit. Anfang März 2021 hatten Techniker dazu eine Funkantenne auf dem Dach des Rathauses installiert. Sensoren in Wasser- und Wärmemengenzählern, die an verschiedenen Stellen in Garbsen installiert sind, liefern in der Testphase Daten. Auch der Einsatz von Temperatur-, Luftfeuchtigkeit- und CO2-Sensorik ist vorgesehen. Geprüft werden neben der Qualität der Datenaufbereitung die Zuverlässigkeit der Datenübertragung und die Störanfälligkeit der Geräte.

Neuartige Funktechnologie

Ausgewählt haben die Stadtwerke Garbsen das Mioty Funknetzwerk, weil es als besonders zuverlässig, effizient und robust gilt. Daten können aus einer Entfernung von bis zu 15 Kilometern und von Endgeräten übertragen werden, die sich mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde bewegen. Ein spezielles Verfahren, das Telegramm Splitting, unterteilt das Signal der Sensoren in viele kleine Sendepakete. Diese Subpakete werden auf unterschiedlichen Frequenzen und mit zeitlichem Abstand per Funk gesendet. Das Splitting-Verfahren verbessert somit Leistungsfaktoren klassischer LPWA-Netzwerke: Zum einen schafft es eine hohe Robustheit gegenüber Fremd- und Eigenstörungen. Selbst wenn Kanäle bis zu 50 Prozent von anderen Funksystemen genutzt werden, ist eine verlustfreie Datenübertragung möglich. Zum anderen verbessern kurze Sendezeiten die Energieeffizienz und damit die Lebenszeit des Energiespeichers. Das Telegramm Splitting sorgt schließlich auch dafür, dass hunderttausende unabhängige Endgeräte mit nur einer Basisstation verbunden werden können, ohne die Übertragung zu koordinieren. Das erhöht die Netzwerkkapazität.

Die neue drahtlose Technologie ist die leistungsstärkste am Markt und gilt als neuer Kommunikationsstandard für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Die Vorteile der Mioty-Technologie haben Daniel Wolter überzeugt: „Stromverbrauch und Kosten sind niedrig, die Leistung hoch. Intelligente Anwendungen durch vernetzte Geräte werden stark wachsen und einen immer dichteren Sensoreinsatz ermöglichen. Bestehende Verfahren wie LoRaWAN können da an ihre Grenzen stoßen, Mioty kann deutlich mehr Daten verarbeiten. Wir sind zuversichtlich, dass wir am Ende der eingehenden Testphase mit Mioty die ersten Smart-City-Anwendungen planen können.“ So könnten beispielsweise Ampelphasen je nach Verkehrsaufkommen variiert oder Ausweichstrecken über digitale Tafeln angezeigt werden. (pq)

www.stadtwerke-garbsen.de

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