Wertschöpfung aus der Gemeinschaft

01.04.2021 – Eine steigende Zahl von Energiekunden möchte eine aktivere Rolle im Energiesystem spielen – und wünscht sich passende Angebote der Versorger. Digitale Community-Lösungen bieten hier interessante Ansatzpunkte für neue Formen der Kundenbindung.

Rund 1,9 Millionen PV-Anlagen sind aktuell in Deutschland installiert, knapp ein Drittel davon befindet sich nach Erhebungen der Agentur für Erneuerbare Energien im Besitz privater Eigentümer – Tendenz steigend. Treiber dieser Entwicklung sind heute nicht mehr in erster Linie wirtschaftliche Erwägungen, sondern vielmehr der Wunsch nach Autonomie in der Versorgung und einer aktiven Beteiligung an der Energiewende.

Diese Bedürfnislage ist bezeichnend für viele Energiekunden, sagt Tina Hadler von der coneva GmbH. Als Produktmanager Energy Communities in der Tochtergesellschaft der SMA Solar Technology AG hat sie sich intensiv mit den aktuellen Marktentwicklungen beschäftigt: „Stromkunden wünschen sich im privaten Umfeld heute mehr Kontrolle über ihre Versorgung und ihre Energieflüsse. Gleichzeitig möchten sie sich mit Gleichgesinnten vernetzen und neue Potenziale erschließen, sich aber auch als Teil einer größeren, verlässlichen Gemeinschaft erleben“, führt sie aus. Versorger und Stadtwerke, die diese Kunden langfristig binden und ihre Wertschöpfungsketten dezentralisieren wollen, müssten diese Trends berücksichtigen.

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Foto: picture alliance ROPI | Antonio Pisacreta

Energie-Communities

Das kann beispielsweise über Energie-Communities geschehen, die den Kunden Transparenz und Mitwirkung innerhalb eines definierten lokalen Energiesystems eröffnen – und das auf beiden Seiten des Netzanschlusspunkts. Das Spektrum möglicher Anwendungen, die innerhalb solcher Gemeinschaften umsetzbar sind, reicht von intelligenten Energieeffizienz- und -management-Lösungen, über flexible Tarife zur netzdienlichen Einbindung steuerbarer Lasten bis hin zum regionalen Energiehandel zwischen Erzeugern und Verbrauchern, welcher wiederum das Portfoliomanagement und die Verteilnetze entlasten kann.
Das klingt sehr aufwendig, doch Tina Hadler beruhigt: „Ein Versorger benötigt dazu lediglich eine digitale Infrastruktur, in der die gewünschten Prozesse weitgehend automatisiert ablaufen. Er kann sich auf seine Rolle als ‚Stromdirigent‘ beschränken, der die Energieflüsse überwacht, bilanziert und nötigenfalls ausgleicht.“ Ein sicherer Kommunikationskanal für die Übermittlung von Mess- und gegebenenfalls Steuerdaten wird mit dem Smart Meter-Rollout über intelligente Messsysteme bereitstehen.

coneva hat sich auf die Umsetzung solcher Community-Plattformen spezialisiert und bietet neben eigenen Hard- und Software-Bausteinen auch das notwendige Integrations-Know-how für die Einbindung der Plattform in die IT-Landschaft des Versorgers.

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In Schönau im Schwarzwald erprobt die EWS Schönau in einem Modellversuch eine digitale Stromgemeinschaft. Die coneva GmbH liefert die Software und wichtige Hardwarebausteine. Foto: coneva GmbH

Energiegemeinschaft der EWS Schönau

Bei der EWS Schönau, einem genossenschaftlichen Versorger im Schwarzwald, der inzwischen Kunden aus dem gesamten Bundesgebiet beliefert, wird im Rahmen eines Modellprojekts derzeit eine lokale Stromgemeinschaft umgesetzt. Das erklärte Ziel dabei ist es, eine klimafreundliche, dezentrale und bürgergetragene Energieversorgung auf Basis von digitalen Lösungen zu entwickeln. Das Modellprojekt hat derzeit rund 30 Teilnehmer. Dazu gehören PV-Anlagen, unterschiedliche Batteriesysteme, Elektroautos und einige kleine Blockheizkraftwerke. Mit Hilfe von Energiemanagern und intelligenten Messsystemen wird dieses Portfolio an heterogenen Kleinanlagenbetreibern zu einem virtuellen Bürgerkraftwerk gruppiert.

Die technische Schnittstelle zu den Community-Mitgliedern liefert der Sunny Home Manager, ein von coneva gestelltes lokales Energiemanagement-System hinter dem Netzanschlusspunkt des Kunden. In einer Weiterentwicklung kommuniziert das System über die CLS-Schnittstelle mit dem Smart Meter-Gateway. Ein entsprechender Test wurde mit Geräten der Firma Theben erfolgreich durchgeführt. Die benötigten Softwarebausteine werden dabei über das Theben Mehrwertmodul direkt in die Infrastruktur des intelligenten Messsystems integriert. „Damit schaffen wir die Voraussetzungen, um Einspeise- und Verbrauchsdaten zuverlässig zu erfassen und sicher an unsere Community-Plattform zu übermitteln sowie perspektiv auch Anlagen zu steuern“, erläutert Tina Hadler.

Als aktiver EMT erfüllt die coneva die rechtlichen Voraussetzungen, um entsprechende Anwendungen – wie etwa eine Steuerung regelbarer Verbraucher – aus der Software heraus umzusetzen.

Gemeinschaft durch Transparenz

Tatsächlich stehen die netzdienliche Steuerung der Stromflüsse respektive die Sektorenkopplung als mittelfristiges Ziel auf der Agenda der EWS Schönau. Zunächst liegt der Fokus aber darauf, eine „virtuelle Gemeinschaft aufzubauen, die für die Mitglieder sukzessive zum erlebbaren Teil ihres Alltags wird“, sagt Tina Hadler. Wesentlich hierfür sei vor allem eine kundennahe Logik bei der Auswahl und Darbietung der Informationen sowie ein niedrigschwelliger digitaler Zugang per App oder Webportal.

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In Energie-Communities kann der Versorger seinen Kunden Transparenz und Teilhabe an der dezentralen Stromversorgung ermöglichen. Das erhöht die Bindung der Kunden und unterstützt neue Mehrwertangebote. Grafik: coneva GmbH

In diesem werden einerseits die Verbrauchs- und Erzeugungsdaten der Teilnehmer erfasst, zu einem virtuellen Pool zusammengefasst und praktisch in Echtzeit bilanziert. Die Visualisierung erfolgt über die Frontendlösung „Energielandschaft“ und die App Energy Buddy von coneva: „Hier können die Community-Mitglieder jederzeit sehen, wieviel Strom gerade wo erzeugt und in der Summe verbraucht wird“, erläutert Produktmanagerin Hadler. Gleichzeitig machen die Lösungen natürlich auch die individuellen Energieflüsse im Haushalt des Teilnehmers transparent. So können die Mitglieder jederzeit ihre persönliche Erzeugungs- und Verbrauchssituation in Beziehung zur Gemeinschaft setzen, um beispielsweise ihr Verbrauchsverhalten der Einspeisesituation anzupassen oder die Energieeffizienz ihres Haushalts zu evaluieren.

Ansätze für neue Kundenbeziehungen

„Für Stadtwerke, Versorger und Netzbetreiber gibt es hier zahlreiche Ansatzpunkte, um netzdienliches oder klimaschonendes Verhalten zu fördern und dabei natürlich auch vertrieblich neue, erfolgreiche Wege einzuschlagen“, so Tina Hadler. So können Unternehmen die Community-Infrastruktur nutzen, um beispielsweise Newsfeeds, digitale Services sowie passende Produkte bereitzustellen, wie beispielsweise Ladestromangebote, flexible Tarife und vieles mehr.

Dass das Moment der Gemeinschaft dabei einen spürbaren Unterschied zur konventionellen Kundenkommunikation der Energiebranche machen könnte, ist angesichts aktueller Trends im Endverbrauchermarkt jedenfalls gut vorstellbar. (pq)

coneva GmbH
sales@coneva.com
www.coneva.com

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