MaaS-Plattform als Datendrehscheibe

03.05.2021 – Für digitalisierte Prozesse und Geschäftsmodelle benötigt die Energiewirtschaft wohl dauerhaft Daten aus unterschiedlichen Quellen. Eine innovative Metering-as-a-Service (MaaS)-Plattform von MeterPan soll diese zusammenführen.

Der Stromverbrauch des Großkunden wird über intelligente Messsysteme per SMGWA-System ausgelesen. Die Werte des Haushaltskunden kommen teilweise noch per Postkarte und werden im MDM verarbeitet. Wasser- und Wärmezähler, Feuermelder, Trafostationen, Abwasserschächte und vieles andere mehr werden per LoRaWAN überwacht, die Sensordaten wiederum auf gesonderten Plattformen gesammelt. „Das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben“, sagt Georg Baumgardt, Leiter Produktentwicklung bei der MeterPan GmbH. Das Unternehmen unterstützt Stadtwerke und Netzbetreiber als IT-Dienstleister in allen genannten Prozessen – und betreibt die entsprechenden Plattformen. Wie er sind viele Experten und Praktiker überzeugt, dass es in der Energiewirtschaft auf absehbare Zeit keine einheitlichen Technologien und Prozesse zur Datenerfassung und -verarbeitung geben wird.

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Grafik: anttoniart / Shutterstock.com

Gleichzeitig drängen die Vertriebe der Stadtwerke ebenso wie potenziell interessierte Kunden auf integrierte Lösungen und Services, die jedoch sinnvollerweise auf den gesamten Datenbestand aus sämtlichen Sensoren zugreifen müssen. „Stadtwerke und Messstellenbetreiber haben vielfach schon Angebote, beispielsweise für Liegenschaftsbetreiber, in der Schublade. Allein die Umsetzung in der IT gestaltete sich bislang aber eher kompliziert“, berichtet Georg Baumgardt. Zudem bestünde ein steigendes Interesse, die Möglichkeiten von IoT-Technologien für die eigenen Betriebsaufgaben oder neuartige Smart City-Services zu erproben. Für all diese Aufgaben separate Plattformen bereitzustellen und weiterzuentwickeln, ist nach seiner Einschätzung wenig effektiv: „Die Herausforderung besteht aus unserer Sicht darin, eine gemeinsame Infrastruktur bereitzustellen, auf der alle verfügbaren Daten für möglichst viele Anwendungsfälle nutzbar gemacht werden können“, erläutert Baumgardt. Eine solche einheitliche Plattform könnte den Kunden nicht nur die Umsetzung konkreter Projekte erleichtern. Auch die zugrundeliegenden IT-Service-Modelle würden dadurch deutlich einfacher und transparenter werden.

Kundenprojekte migriert

Die Entwicklung des integrierten Daten-Hubs startete bereits Ende 2020. „Die größte Aufgabe war die Überführung unserer aktuellen GWA-, LoRAWAN- und Metering-Server in eine ganzheitliche Lösung, die allen rechtlichen Vorgaben genügt“, berichtet der MeterPan-Verantwortliche. Dies sei inzwischen gelungen: Auf der MaaS-Plattform können jetzt Messwerte aus beliebigen Zählern oder Sensoren zusammenhängend gespeichert und für die weitere Verarbeitung bereitgestellt werden. Ein Web-Interface ermöglicht die Visualisierung der Daten über jeden marktüblichen Browser. Momentan werden erste Kundenprojekte migriert – zunächst mit dem Ziel, die Plattform quasi unter Last zu erproben.

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Die MaaS-Plattform steht kurz vor der breiten Markteinführung. Grafik: MeterPan GmbH

Nutzen aus dem Daten-Pool

„Es ist schon spannend, welche Erkenntnisse die neue 360-Grad-Sicht auf die Daten bringt“, berichtet Georg Baumgardt. So zeigte sich zum Beispiel ein unmittelbarer Mehrwert beim Fehlermanagement: „Wenn der Messtellenbetreiber beziehungsweise sein GWA feststellt, dass einige Smart Meter Gateways keine Daten mehr liefern, kann das viele Gründe haben, die in der Regel aufwändig untersucht werden. Auf der Plattform dagegen erkennt man sofort, dass im fraglichen Gebiet sämtliche Sensoren SIM-Karten-Probleme melden – und weiß, dass vermutlich einfach ein Funkmast ausgefallen ist.“ Solche und andere datenbasierten Informationen sollen den Kunden künftig über webbasierte Anwendungen bereitgestellt werden. An Ideen mangelt es nicht. „Das reicht von einfachen Alarmierungsfunktionen, die der Kunde bei definierten Sensormeldungen erhält, über Energiedaten-Analysen bis hin zu komplexeren Lösungen, mit denen sich beispielsweise die Straßenbeleuchtung konfigurieren lässt“, weiß Georg Baumgardt zu berichten. Erste Apps sind bereits verfügbar.

Das grundsätzliche Ziel zum Start sei es, den Kunden einfache Zugänge zu den Daten zu bieten und die Potenziale unterschiedlicher Auswertungen zugänglich zu machen. „Jedes Stadtwerk und jeder Netzbetreiber kann hier mit sehr überschaubarem Aufwand testen, welche Mehrwerte in seinen Daten schlummern“, fasst Baumgardt zusammen.

Für die Weitergabe der Informationen in unterschiedliche Kundensysteme (Abrechnung, EDM etc.) werden aktuell die nötigen Schnittstellen entwickelt, auch ein CSV-Export, eine API für den direkten Zugriff sowie eine Visualisierung für Energiedaten befinden sich in der Umsetzung. (pq)

MeterPan GmbH
Georg Baumgardt
gbaumgardt@meterpan.de
www.meterpan.de

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