Netzdienliches Laden im Untergrund

04.05.2021 – Ein intelligentes Lastmanagement in Mehrfamilienhäusern hat die Netze BW in einem Feldversuch in Tamm getestet. Das Ziel: Netzstabilität und Ladebedürfnisse in Einklang bringen.

Der Ausbau von Ladeinfrastruktur an Mehrfamilienhäusern erfordert jedoch erhebliche Investitionen, die weder von den Immobilieneigentümern noch von den Mietern vollständig geleistet werden können. Diese Ansicht vertreten der Verband der Automobilindustrie (VDA), der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. in einem gemeinsamen Schreiben aus dem März 2021 an die verantwortlichen Minister im Verkehrs-, Wirtschafts- und Finanzministerium. Unter anderem befürchten die Verbände, dass die Hausanschlüsse zu wenig Reserven für die in Zukunft zu erwartenden hohen Lasten bieten – und dann auf Kosten der Eigentümer nachgerüstet werden müssten.

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Die Netze BW hatte die Tiefgarage der Wohnanlage mit 58 Ladepunkten ausgestattet und den Teilnehmern 45 E-Autos zur V

Praxistests in Netzlaboren

Genau dieser Annahme ist die Netze BW in Tamm bei Ludwigsburg auf den Grund gegangen: Im „E-Mobility-Carré“ stattete man 58 von 85 der Stellplätze in der Tiefgarage einer Wohnanlage mit Ladepunkten aus und stellte den Teilnehmern 45 E-Autos für den täglichen Gebrauch zur Verfügung. In dem 16-monatigen Feldtest wurde untersucht, ob die bisherige Anschlussleistung auch für nachträglich in der Tiefgarage installierte Ladestationen noch ausreicht. Gleichzeitig wurde getestet, wie man bestenfalls ohne zusätzliche Netzverstärkungsmaßnahmen mit dem vorhandenen Hausanschluss auskommen könnte, ohne die Bewohner beim Laden einzuschränken.

Dabei sollte das Netzlabor insbesondere auch eine Antwort auf die grundsätzliche Frage geben, wie sich Hausanschlüsse von Mehrparteien-Wohnobjekten für den zusätzlichen Verbrauch durch Ladestationen optimieren lassen. Im Idealfall stellt ein Anschluss nämlich ausreichend Leistung zur Verfügung, ohne überdimensioniert zu sein.

Lademanagement glättet Lastspitzen

Um eine optimale Auslastung erreichen zu können, wurde ein intelligentes Lademanagementsystem erprobt. Damit konnten die Anschlussleistung der Ladepunkte Netze BW zufolge abgesenkt und so Lastspitzen reduziert werden. Bestehende Netzanschlüsse von Mehrfamilienhäusern können dadurch optimal ausgenutzt werden.

Im E-Mobility-Carré zeigte sich, dass bei den insgesamt 58 zur Verfügung stehenden Ladepunkten nie mehr als 13 Ladevorgänge parallel stattfanden. Demnach betrug die sich auf das Netz belastend auswirkende Gleichzeitigkeit bei den Ladevorgängen lediglich 22 Prozent. Damit lag der Wert deutlich unter den beim vorher durchgeführten Feldtest in Ostfildern gemessenen 50 Prozent. In der „E-Mobility-Allee“ in Ostfildern hatte die Netze BW untersucht, welche Anforderungen die Integration von E-Fahrzeugen ins Stromnetz in vorstädtischen Gebieten mit Ein- oder Zweifamilienhäusern stellt. Dabei habe der Stuttgarter Netzbetreiber wichtige Erkenntnisse zum Ladeverhalten und zur Netzbelastung gewonnen. Wie Netze BW mitteilt, wurde beim E-Mobility-Carré nahezu während der Hälfte der Zeit überhaupt kein Auto geladen.

Darüber hinaus ermöglicht ein intelligentes Lademanagement, dass Netzbetreibern zukünftig mehr Zeit für sinnvolle und effiziente Netzverstärkung zur Verfügung steht. Zwar müsse dafür zeitweise eine etwas längere Ladezeit in Kauf genommen werden, gleichwohl fühlten sich über 90 Prozent der Teilnehmer des Feldtests in Tamm laut Netze BW nicht eingeschränkt.

Projekte wie das E-Mobility-Carré zeigten auch, dass Energiewirtschaft, Wohnungswirtschaft und die Menschen vor Ort die Mobilitätswende als Teil der Energiewende gemeinsam meistern können. (ds)

www.netze-bw.de

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