Marktkommunikation neu gedacht

29.06.2021 – Die Leipziger Stadtwerke gehören zu den ersten Anwendern der AEP MaKo Cloud von Arvato Systems, einer End-to-End-IT-Lösung für die fachliche und technische Marktkommunikation – unabhängig von der jeweiligen Marktrolle.

Sie existiert seit 2006, verursacht erheblichen Aufwand und bringt selbst keinerlei Erträge. Trotzdem kommt kein energiewirtschaftlicher Akteur an ihr vorbei: Die Rede ist von der Marktkommunikation (MaKo). 2019 wurde sie aufgrund der Neuregelungen im Messwesen zur „MaKo 2020“ – der Energiemarkt erlebte einen umfangreichen Umbruch in der Prozesslandschaft, von denen alle regulierten energiewirtschaftlichen Use Cases betroffen sind. Mit dem Redispatch 2.0, der Einbindung von Energiespeichern und Elektroladesäulen, stehen weitere Aufgaben ins Haus, die ebenfalls die Marktkommunikation betreffen.

Herausforderung MaKo

Schon heute belastet das Thema die Energieversorger in erheblichem Maße, zum Beispiel durch die permanente fristgerechte Pflege des Nachrichtenaustauschs. Auch die regelmäßigen gesetzlichen Anpassungen im Rahmen der Formatwechsel und Prozessanpassungen stellen eine Herausforderung dar, da entsprechendes Know-how aufgebaut und Systeme ertüchtigt werden müssen. Dabei entstehen teils hohe Kosten und Aufwände im Nachrichten-Management sowie in der Bearbeitung von Sonderfällen oder fehlerhaften Nachrichten. „Ich kenne Unternehmen in der Branche, die zum Teil ein Dutzend Sachbearbeiter oder mehr ausschließlich für diese sogenannten Clearingprozesse benötigen“, berichtet Andreas Pöhner, Geschäftsführer der Next Level Integration GmbH, die zur Arvato Systems Gruppe gehört.

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Bild: Marko Aliaksandr / Shutterstock.com

Das läge schlicht an der zunehmenden Komplexität der Vorgaben und den Interpretationsspielräumen für die Umsetzung, die immer wieder zu Inkonsistenzen bei den Daten führten. Für die Versorger werde dies zunehmend zur Belastung – nicht nur, weil die hausinternen Systeme an ihre Grenzen stoßen, sondern insbesondere auch, weil die MaKo als solche nicht wertschöpfend ist. „Eigentlich müssten die Prozesse einfach im Hintergrund laufen“, so Pöhner.

Dies gilt umso mehr mit Blick auf die künftigen Entwicklungen in der Regulierung und der IT-Landschaft der Versorgungswirtschaft: „Immer mehr Marktteilnehmer tauschen immer mehr Daten aus ganz unterschiedlichen Quellen aus. Nicht nur die Anzahl der Transaktionen nimmt stetig zu, auch fachlich werden die Prozesse immer komplexer und damit aufwändiger in der Handhabung. Künftig wird sich dieser Trend verstärken und wir werden zum Beispiel verstärkt auch Cloud-to-Cloud-Ansätze sehen, bei denen die Daten aus beziehungsweise zwischen verschiedenen Cloud-Lösungen in die jeweils vorgeschriebenen Kommunikationsprozesse überführt werden müssen.“

Dass Handlungsbedarf besteht, hat die Branche erkannt. Wie der NLI-Geschäftsführer berichtet, stellen sich viele Versorger aktuell die Frage, wie sie ihre weitere IT-Strategie grundsätzlich gestalten sollen und befinden sich in einem Sondierungs- und Findungsprozess. „Dabei ist den meisten Unternehmen nicht bewusst, dass es Optionen außerhalb ihrer angestammten IT-Lösungswelt gibt“, vermutet Andreas Pöhner. Tatsächlich böte sich für die Marktkommunikation eine systemunabhängige Cloud-Lösung an. Hierbei wird die technische mit der fachlichen Marktkommunikation verbunden, um die Prozesse durchgängig unterstützen und monitoren zu können.

AEP MaKo Cloud

Hier setzt die AEP MaKo Cloud an, eine cloudbasierte End-to-End-Lösung für alle Marktrollen. Dieses Betriebsmodell soll den Nutzern etwa den Test- und Installationsaufwand im Zuge der halbjährlichen Aktualisierungen ersparen, wie Andreas Pöhner unterstreicht: „Läuft die Marktkommunikation in der Cloud und wird zentral administriert, muss sich der Anwender nicht mehr mit diesen Dingen beschäftigen.“ Zusätzlich erleichtere und beschleunige der Cloud-Ansatz das Onboarding für die Anwender.

AEP Mako Cloud Arvato Systems
AEP MaKo Cloud. Grafik: Arvato Systems

Die MaKo-Cloud wurde als Baustein innerhalb der Arvato Energy Platform (AEP) entwickelt, die übergreifend auch zahlreiche Systemfunktionalitäten für alle Marktrollen bereitstellt, so zum Beispiel ein weitreichendes Monitoring und verschiedene Dashboards. Dabei funktioniert die Marktkommunikation nicht nur mit der AEP von Arvato Systems, sondern lässt sich flexibel auch mit beliebigen Backend-Systemen und Fachmodulen anderer Systemhersteller kombinieren. „Ein weiteres besonderes Merkmal der Lösung besteht darin, dass sie zusätzlich zur klassischen EDIFACT-Kommunikation über sogenannte Enterprise Application Integration (EAI)-Funktionalitäten verfügt“, erläutert der NLI-Geschäftsführer. Das Kürzel bedeutet, dass sich vorhandene (und künftige) Anwendungssysteme prozessorientiert integrieren lassen.

„Die AEP MaKo Cloud wird damit zur Datendrehscheibe, die Informationen aus unterschiedlichen Quellen automatisch in die jeweiligen Marktprozesse einspielt.“ Prozesse können dabei einfach über eine Business Process Engine angepasst und über ein Monitoring im Rahmen des AEP Frameworks transparent gemacht werden.

Die Konzepte und Erfahrungen der Next Level Integration sind wesentlich in die Entwicklung eingeflossen, wie Andreas Pöhner berichtet: „Wir haben bereits in den vergangenen zehn Jahren unseren Kunden mit der Open-Source-Lösung B2B by Practice ein hohes Maß an Stabilität und Integrationsfähigkeit in der technischen Marktkommunikation geliefert. Unser Leistungsversprechen mit der ‚AEP MaKo Cloud‘ ist, dies auch zukünftig für alle technischen und fachlichen Prozesse der Marktkommunikation – unabhängig von der jeweiligen Marktrolle – sicherzustellen.“

Leipziger Stadtwerke in der Cloud

Als einer der ersten Anwender setzen bereits heute die Leipziger Stadtwerke auf fachliche und technische Kernprozesse der AEP MaKo Cloud. Im Zentrum steht hier zunächst die Abdeckung der beiden Marktrollen Messstellenbetreiber und Lieferant. Diese werden zusätzlich um Funktionalitäten der AEP Abrechnungslösung „myBusiness Supplier” ergänzt.

Für die Zukunft ist der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Leipziger Stadtwerken und Arvato Systems auch auf die Prozesse der Marktrolle Netzbetreiber in Planung. Uwe Fischer, Bereichsleiter Informationsmanagement der Leipziger Stadtwerke, äußert sich zufrieden: „Mit dem Produktportfolio der Arvato Systems auf Lieferantenseite stellen wir weitere Weichen für die Digitalisierung unseres Geschäftes und werden dieses sukzessive auf Basis der AEP weiter ausbauen.“ (pq)

Next Level Integration GmbH
Andreas Pöhner
andreas.poehner@bertelsmann.de
www.next-level-integration.com

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