Power statt Quote

30.06.2021 – Bei der ED Netze GmbH sind drei junge Frauen verantwortlich für zentrale Aufgaben in Betrieb und Entwicklung der Netze und der Organisation. Eigentlich nichts Besonderes. Oder doch?

Deutschland streitet aktuell darüber, ob die Menschen in Unternehmen nun Mitarbeiter, Mitarbeiter*innen oder Mitarbeitende genannt werden sollen. Gleichzeitig wehren sich zahlreiche Konzerne und Wirtschaftsverbände immer noch massiv gegen eine gesetzlich festgelegte Frauenquote für Führungspositionen. Bei der ED Netze GmbH, einem mittelgroßen Netzbetreiber im südbadischen Rheinfelden, liegt die Frauenquote auf Führungsebene im technischen Bereich rein rechnerisch bei 50 Prozent. Doch Betriebsleiterin Julia Kruschina, Franziska Heidecke, Leiterin Digitalisierung und Innovation, und Andrea Rahn, die den neuen Fachbereich Asset Management leitet, würde definitiv niemand als „Quotenfrauen“ bezeichnen.

Qualifiziert und motiviert

Die jungen Frauen bringen exzellente Hochschulabschlüsse mit und beschäftigen sich schon seit Jahren intensiv mit den Zukunftsthemen des Verteilnetzbetriebs: So war Wirtschaftsingenieurin Franziska Heidecke bei Netze BW beispielsweise verantwortlich für die Digitalisierungsinitiative #NETZlive und die Entwicklung der gleichnamigen Plattform. Andrea Rahn leitete bereits ein Jahr nach Abschluss ihres Studiums die Netzplanung der ED Netze und Julia Kruschina führte mit 29 Jahren das elfköpfige Team Daten und Applikationen bei der Netze BW.

Franziska Heidecke Julia Kruschina Andrea Rahn_Foto Juri Junkov
Mit großen Schritten in Richtung Zukunft: Franziska Heidecke, Leiterin Digitalisierung und Innovation, Julia Kruschina, Leiterin Betrieb und Instandhaltung, und Andrea Rahn, Leiterin Asset Management, (v.l.n.r.) unterstützen den südbadischen Netz­betreiber bei der strategischen Neuausrichtung. Foto: Juri Junkov

Alle drei lieben, was sie tun. „So ganz genau wusste ich nach dem Abitur nicht, was ich machen soll“, erinnert sich Julia Kruschina, „aber wie unsere Energieversorgung in Zukunft aussehen soll, fand ich schon sehr spannend.“ Andrea Rahn hat das Thema Netzplanung „gepackt“ als ihr klar wurde, welche Bedeutung es für die Umsetzung der Energiewende hat. Franziska Heidecke, die ursprünglich Pilotin werden wollte, begeisterte sich schon während ihres Studiums für die Digitalisierung der Netze. „Während meiner Tätigkeit bei einer Beteiligungsgesellschaft der EnBW und innogy in Ungarn habe ich dann gesehen, dass man die Konzepte tatsächlich umsetzen kann – das hat mich enorm motiviert“, berichtet sie. Diese Begeisterung für die Sache könnte tatsächlich etwas „typisch Weibliches“ sein, wie Julia Kruschina vermutet: „Vielleicht sind wir Frauen tatsächlich eher durch den Sinn und die Qualität unserer Arbeit motiviert als durch die typischen Karriere-Symbole.“

Neuer Führungsstil

„Die Führungskultur und das Gesprächsklima hat sich
durch den deutlich höheren
Anteil an Frauen in
Führungspositionen
positiv verändert.“
Joachim Pfister, Technischer Geschäftsführer ED Netze
GmbH

Bei der ED Netze haben die drei genau aus diesem Grund das ideale Arbeitsumfeld gefunden. Der neue technische Geschäftsführer, Joachim Pfister, will das Unternehmen zukunftsfähig aufstellen – und zwar in jeder Hinsicht. „Wir brauchen eine beweglichere Organisation, transparente Prozesse und Strukturen, in denen jeder Verantwortung übernehmen und seine Kompetenzen einbringen kann“, berichtet Franziska Heidecke, die derzeit genau diesen Wandel verantwortlich mitgestaltet. Dabei sei es enorm wichtig, alle Mitarbeitenden mitzunehmen.

Vielen Studien zufolge schaffen weibliche Führungskräfte das oft besser als ihre männlichen Kollegen. „Ich war anfangs oft mit draußen auf den Baustellen“, erzählt Andrea Rahn, die heute für die Investitionsplanung der ED Netze verantwortlich ist. Sie hat es geschafft, dass ihre männlichen Kollegen höchstens ihre bayrische Herkunft exotisch finden. Julia Kruschina, die als Betriebsleiterin in einer echten Männerdomäne arbeitet, ist ebenfalls nah am Alltag ihres Teams. „Die Kollegen haben ein hohes Commitment und kennen sich extrem gut aus,“ berichtet sie. „Ich muss als Führungskraft ja auch nicht die beste Fachexpertin sein, ich frage die Leute, wenn ich etwas nicht weiß, und beziehe ihre Erfahrungen ein.“

Das schätzten die Kollegen ebenso wie die Tatsache, dass man in der Abteilung offen über alles sprechen könne. Dieser Kontakt auf Augenhöhe sei wichtig, denn nicht zuletzt auf Initiative der neuen Abteilungsleiterinnen will man bei der ED Netze künftig viele Entscheidungen dezentralisieren. „Welche Stationen sinnvollerweise digitalisiert werden sollen, kann niemand von oben anordnen, dafür brauche ich Fachleute aus dem Betrieb vor Ort, die bereit sind, ihr Wissen einzubringen und Verantwortung zu übernehmen“, sagt die Betriebsleiterin. „Das gelingt aber nur, wenn man seine Leute ernst nimmt.“

Intelligenz für die Netze

Denn nicht nur die Organisation, sondern auch die technische Infrastruktur soll von Grund auf modernisiert werden. „Wir wollen die Energiewende stemmen. Das bedeutet aber, dass wir all die wichtigen Innovationen aus der Pilotphase in den Regelbetrieb bringen“, fasst Franziska Heidecke das ehrgeizige Ziel zusammen. Das Technische Zielbild 2030, das die einzelnen Maßnahmen beschreibt, stammt zu großen Teilen aus ihrer Feder. Ein erster Schritt ist die Umsetzung von Redispatch 2.0. Eine geeignete Software-Lösung wurde bereits ausgewählt und soll nun implementiert und erprobt werden. Zudem will Franziska Heidecke für Transparenz in den Verteilnetzen sorgen: Mithilfe der Technologie von Smight sind bereits in 2021 über 150 Stationen digitalisiert. Bis Ende des Jahres sollen es insgesamt 250 Stück werden.

Es besteht kein Zweifel, dass diese drei (und viele weitere) „Powerfrauen“ eine Menge Intelligenz in die Netze bringen. (pq)

ED Netze GmbH
info@ednetze.de
www.ednetze.de

Share