Kräfte auf digitaler Plattform bündeln

30.06.2021 – BentoNet führt dezentrale Energieerzeuger sowie Softwareentwickler und Anlagenhersteller auf einer digitalen Plattform zusammen. Darüber hinaus sollen die Akteure in der Lage sein, ihre energiewirtschaftliche Wertschöpfungskette zu digitalisieren.

Das Wissen und die Fähigkeiten von mehreren Personen gezielt einsetzen und die „Macht der Masse“ nutzen, um Herausforderungen zu meistern, ist zentrales Merkmal der sogenannten Schwarmintelligenz. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist der Hackathon #WirvsVirus. Hierbei handelt es sich um eine gemeinsame Veranstaltung von der Bundesregierung und sieben sozialen Initiativen, bei der sich Teilnehmer online engagieren und Lösungsansätze – digital und analog – im Hinblick auf die Corona-Krise und auch darüber hinaus entwickeln können.

Gemeinsam besser

Einem ähnlichen Ansatz folgt die aus der Badischen Kraftwerk GmbH ausgegründete BentoNet GmbH, die zu gleichen Teilen der Siemens Financial Services (SFS) und der GBS Beteiligung GmbH gehört. Das Unternehmen, das seit November 2020 besteht, bietet digitale Infrastruktur für den Energiesektor. Ergänzt wird diese durch eine Software-as-a-Service-Plattform (SaaS), auf der energiewirtschaftliches Know-how für die vielen dezentralen Akteure bereitgestellt wird, die inzwischen am Energiemarkt aktiv sind.

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Auf BentoNet lassen sich alle dezentralen Energie­erzeuger, Speicher und Verbraucher von der Photo­voltaik-Anlage auf dem Dach bis zum Blockheizkraftwerk im Keller steuern. Grafik: BentoNet GmbH

Als Badische Kraftwerk GmbH hat BentoNet bereits Erfahrung im Betrieb dezentraler Anlagen gesammelt. Den Bedarf für eine ganzheitliche Anwendung sei aus der Beobachtung erwachsen, dass die gängigen Lösungen zur Überwachung und Steuerung häufig zu komplex und unwirtschaftlich für kleinere Betreiber seien. „Vom Parkhaus mit Photovoltaik-Anlage und E-Auto-Ladesäulen bis zum Klinikum mit eigenem Blockheizkraftwerk gibt es immer mehr Energieerzeuger, die keine Energiewirtschafts-Experten sind“, stellt Manuel Gernsbeck, Geschäftsführer von BentoNet, fest. Die Betreiber erneuerbarer Energieanlagen mit wenig Erfahrungswerten will das Unternehmen mit Sitz in Baden-Baden unterstützen, damit sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Offene Plattform

Auf der Plattform können dezentrale Energieerzeuger, Anlagenhersteller und Softwareentwickler gemeinsam Lösungen konzipieren und betreiben, um so ihre Kosten zu senken sowie ihre Energieeffizienz und damit ihre Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Durch ein Energiemanagement sollen Energieerzeuger BentoNet zufolge in die Lage versetzt werden, die Betriebszeit ihrer Anlagen um bis zu 15 Prozent und den Eigendeckungsanteil um bis zu 20 Prozent zu steigern. Dezentralen Erzeugern biete man darüber hinaus einfacheren Zugang zum EU-weiten Energiemarkt.

Wie in einem Marketplace können sich Betreiber auf der Plattform die Module zusammenstellen, die sie brauchen. Zudem erhalten sie die benötigte Hardware von BentoNet. Der Anbieter gewährleistet nach eigenen Angaben hohe Netzqualität und Datensicherheit sowie die ÜNB-konforme Anbindung von Assets. Des Weiteren implementiere man derzeit ein Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) nach den Vorgaben der DIN 27001.

Modulares Konzept

Anlagenherstellern ermöglicht der Anbieter die direkte Integration der BentoNet-Software und Hardware in ihre Produkte, um eine einfachere und schnellere Anbindung an den Energiemarkt zu realisieren. Das erleichtere laut BentoNet den Zugang zu Entwicklern und erhöhe die Rentabilität, ohne ein eigenes System oder tiefergehendes Fachwissen erwerben zu müssen. Hinzu kommen vorausschauende Wartung, die die Anlagenverfügbarkeit erhöht, und Fernwirkung sowie aktives Management sämtlicher Anlagen.

BentoNet-Applikation
Drei kombinierbare Grundfunktionen machen zum Start von BentoNet den Einstieg in ein professionelles Energiemanagement einfach und wirtschaftlich – der offene Datenstandard der Plattform ermöglicht darüber hinaus die Entwicklung individueller Lösungen. Foto: BentoNet GmbH

Ein eigens entwickelter, offener Datenstandard legt für Softwareentwickler den Grundstein, damit diese passende Lösungen entwickeln und vertreiben sowie neue Geschäftsmodelle über den Zugang zu zahlreichen Anlagen erschließen können. Mit dem Unified Data Standard können Daten sicher und in einheitlichem Format übertragen werden – auch wenn Anlagen eines Betreibers von unterschiedlichen Herstellern kommen. Zur physischen Anbindung und Vernetzung nutzt BentoNet Gateways und Komponenten von Siemens.

Start mit drei Anwendungen

Zum Start stehen drei Grundfunktionen zur Verfügung: Erstens ein Asset-Management mit Anwendungen für die Integration in die BentoNet-Infrastruktur. Eine Erweiterung erlaube zweitens die Energiemarktanbindung aller eingesetzten Erzeuger, Verbraucher und Speicher. Drittens biete das Energiemanagement zusätzliche Funktionalitäten durch den Überblick über Strombezug und -lieferung sowie die Verwaltung der Zählerdaten.

Siemens Financial Services stellt neben finanziellen Mitteln den Zugang zum Siemens-Netzwerk bereit. Der Anbieter von Finanzierungslösungen für Firmenkunden will nach eigenen Angaben den Aufbau einer deutschlandweiten Vertriebsorganisation unterstützen. Laut BentoNet haben derzeit 20 Kunden mit verschiedenen Energieanwendungen die Lösung im Einsatz. Künftig wolle man, dass die Anwendung ab Werk in Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen oder KWK-Anlagen integriert ist, damit die Nutzer einen einfacheren Zugang zur Plattform erhalten. (ds)

BentoNet GmbH
Manuel Gernsbeck
info@bentonet.de
www.bentonet.de

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