Rollout: Impulse für den Vertrieb

30.06.2021 – Nach intensiver Vorbereitung sind die Messstellenbetreiber fit für den Rollout. Nun sind die Vertriebe gefragt. Dienstleister smartOPTIMO unterstützt mit einem neuen Kooperationsnetzwerk.

Überall in Deutschland hat die Umsetzung des Smart Meter-Rollouts an Fahrt aufgenommen – nach den modernen Messeinrichtungen werden zwischenzeitlich auch intelligente Messsysteme in steigender Zahl montiert und in Betrieb genommen. Um auf dem Weg Synergien und vorhandenes Know-how zu nutzen, haben viele Stadtwerke einen kooperativen Ansatz gewählt – oft organisiert von Dienstleistern respektive Lösungsanbietern aus dem Messwesen.

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Stromtarife und Produkte werden sich mit dem Rollout der intelligenten Messsysteme ändern. Jetzt sind die Vertriebe gefordert. Foto: gopixa / Shutterstock.com

Ein solches Netzwerk hat smartOPTIMO mit inzwischen über 90 Stadtwerke-Kunden aufgebaut. In unterschiedlichen Kooperationsplattformen wurden und werden hier nicht nur die technischen Prozesse und Systeme rund um den intelligenten Messstellenbetrieb umgesetzt, sondern auch Mehrwertangebote, etwa für die Wohnungswirtschaft, zur Anwendungsreife gebracht. Außerdem stellt das Unternehmen mit Sitz in Osnabrück und Münster Systemdienstleistungen, wie etwa die Smart Meter-Gateway Administration, bereit. „Wir sind hier gemeinsam schon sehr weit gekommen“, resümiert Ingo Lübke, der bei smartOPTIMO für die Netzwerkveranstaltungen verantwortlich ist. Gleichzeitig schränkt er ein, das betreffe aktuell allerdings nur den Messstellen- und den Netzbetrieb.

Rollout: Vertriebe sind gefordert

Auch sein Kollege Maximilian Joßbächer bestätigt, dass sich die Vertriebe der Stadtwerke bislang noch (zu) wenig mit den Konsequenzen der Digitalisierung im Messwesen beschäftigt haben. Dies sei jedoch von zentraler Bedeutung, da der Endkunde ja nicht den Messstellenbetreiber, sondern den Vertrieb als Ansprechpartner wahrnehme. „Allmählich steigt das Interesse“, berichtet er – und das sei auch sehr wichtig, denn das intelligente Messsystem sei die künftige Schnittstelle zum Kunden und biete erhebliche Chancen für zusätzliche Erlösquellen. „Über die intelligenten Messsysteme respektive die angebundene Messtechnik werden künftig eine Vielzahl von Anwendungen abbildbar sein. Nur einige Beispiele sind das Steuern von Anlagen, die Anbindung von Submetering oder der Abruf hochauflösender Daten“, so Joßbächer.

Die Vertriebe müssten sich jetzt mit der Frage auseinandersetzen, wie sie diese neuen Möglichkeiten in geeignete Produkte und Tarife beziehungsweise Mehrwertdienste überführen. Die Bandbreite solcher Services reicht von vergleichsweise einfach umsetzbaren Kundenlösungen, etwa im Bereich der Verbrauchsvisualisierung, über erweiterte Abrechnungs- und Energiedienstleistungen bis hin zu Mieterstromangeboten oder virtuellen Bürgerkraftwerken. „Gerade mit Blick auf die mittelgroßen gewerblichen oder kommunalen Kunden, die jetzt zeitnah ein intelligentes Messsystem erhalten und bezahlen müssen, stehen die Vertriebe noch weitgehend mit leeren Händen dar“, mahnt Ingo Lübke. Angesichts zahlreicher aktiver Wettbewerber, die hier bereits deutlich weiter sind als viele Stadtwerke, müssten die Vertriebe sich jetzt proaktiv um dieses Segment kümmern.

Kooperationsnetzwerke smartOPTIMO
Die Kooperationsnetzwerke von smartOPTIMO. Grafik: smartOPTIMO GmbH
Themenauswahl
• Rechtliche Fragen, z.B. SteuVerG
• Tarife/Verträge mit dem SMGW
– Standard wie HT/NT
– E-Mobilität
– Mieterstrom
– Prepaid
– Sonderverträge (Wärmepumpe etc.)
• Spartenübergreifende Auslesung
• Praxishilfe / Grundlagen wMSB
• Bündelprodukte / Cross-Selling
• Visualisierung/
Energiemanagement ISO 50001
– Disaggregation
• Mehrwerte über LoRa/mME
• Abrechnung der POG
• Heizkostenabrechnung
• Virtuelle Kraftwerke
• Full-Rollout aus Sicht des Vertriebs

Anpassungen der Prozesse beim Smart Meter-Rollout

Auch hinsichtlich der operativen Prozesse sehen die Fachleute bei smartOPTIMO noch deutlichen Informationsbedarf, denn auch hier werden Anpassungen erforderlich sein. „Das beginnt bei relativ einfachen Fragen, wie der Abrechnung der Preisobergrenzen oder der Umstellung von HT/NT-Verträgen, und reicht bis zu deutlich komplex­eren Themen wie beispielsweise der spartenübergreifenden Verbrauchsabrechnung, der Direktvermarktung oder der Abrechnung bei steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Elektrofahrzeugen oder Wärmepumpen“, führt er aus.

Veränderte Rechtslage für den Smart Meter-Rollout

Neben den neuen technischen Möglichkeiten sind für die Vertriebe dabei zudem die rechtlichen Rahmenbedingungen relevant, die sich – nicht nur vor dem Hintergrund des Smart Meter-Rollouts – teilweise erheblich verändert haben. So schreibt beispielsweise die neue EU-Strombinnenmarktrichtlinie vor, dass Stromkunden künftig flexible Tarife angeboten werden. „Über die rezertifizierten Smart Meter-Gateways lassen sich solche Tarife umsetzen – ihre Ausgestaltung ist Aufgabe des Vertriebs“, erläutert Joßbächer.

Weitere vertrieblich relevante Regelungen stammen aus dem Messstellenbetriebsgesetz selbst – Stichwort wettbewerblicher Messstellenbetrieb – der EU-Energieeffizienzrichtlinie oder dem geplanten Steuerbare Verbrauchseinrichtungen-Gesetz (SteuVerG), das den § 14a EnWG ersetzen soll. Ingo Lübke: „Der regulatorische Rahmen ist noch teilweise nicht final definiert, aber Abwarten ist keine Option.“

Neues Format für Vertriebe

Vor diesem Hintergrund hat smartOPTIMO jetzt eine neue Austauschplattform für Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Vertrieb, Marketing und Produktmanagement kommunaler Versorger ins Leben gerufen. Analog zum bewährten Format für Netz- und Messstellenbetreiber trägt es den Namen „Stadtwerke-Treffpunkt Vertrieb“. „Wir wollen hier informieren, diskutieren und Maßnahmen und Ideen entwickeln, die den Smart Meter-Rollout auch betriebswirtschaftlich erfolgreich machen“, fasst Maximilian Joßbächer das Konzept zusammen. (pq)

smartOPTIMO GmbH & Co. KG
Maximilian Joßbächer
maximilian.jossbaecher@smartoptimo.de
www.smartoptimo.de

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