Mond steuert Stromerzeugung

01.07.2021 – Vor der Küste Schottlands erzeugt ein Gezeitenkraftwerk regenerativen Strom. Der Wälzlagerhersteller SKF lieferte zentrale Komponenten, darunter den Antriebsstrang. Die Orkney-Inseln im Norden Schottlands sind ein dünn besiedelter Archipel. Neben der Qualität der Schafswolle und des Whiskys könnten die Inseln bald auch als Testlabor für nachhaltige Energieerzeugung aus Meeresströmungsanlagen bekannt werden. Dabei spielt der Mond eine zentrale Rolle: Seine Anziehungskraft erzeugt auf der Erde die Gezeiten der Meere. Wo Ebbe und Flut sich zwischen Inseln hindurchzwängen, entstehen Strömungen. Vor den Orkneys sind diese besonders stark ausgeprägt, hier ist der mächtigste Gezeitenstrom Europas im Pentland Firth zu beobachten. Gezeiten kommen regelmäßig, der Strom-fluss ist berechenbar und die Energiedichte durch das Medium Seewasser hoch.

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Das schwimmende Gezeitenkraftwerk Orbital O2 erzeugt aus Gezeitenkraft Strom vor der Küste Schottlands. Foto: Orbital Marine Power Ltd.

Aufgrund dieser günstigen Gegebenheiten haben sich die Projektpartner SKF und das schottische Tech-Start-up Orbital Marine Power für diesen Standort entschieden. Auf den rund 70 Eilanden der Orkney-Inseln drehen sich zudem etwa 700 Windräder und erzeugen mehr Strom als die gut 20.000 Einwohner verbrauchen können. Die überschüssige Energie wird in ein Netzwerk aus Batteriespeichern eingespeist und in grünen Wasserstoff umgewandelt. Die im Meereskraftwerk erzeugte Energie soll die Erzeugung aus Windkraft ergänzen.

Schwimmendes Gezeitenkraftwerk

In einer geschützten Bucht vor Stromness, der zweitgrößten Stadt des Orkney-Archipels, liegt das European Marine Energy Centre, ein Testgelände zur Erforschung der Gezeiten- und Wellenenergie. Hier hat Orbital Marine Power im April dieses Jahres sein schwimmendes Gezeitenkraftwerk „Orbital O2“ zu Wasser gelassen.

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SKF lieferte den kompletten Antriebsstrang der Orbital O2 als Plug-&-Play-Modul. Fotos: SKF GmbH

In rund 15 Metern Tiefe, unter 72 Meter langen, schlanken Schwimmkörpern befinden sich an zwei tragflächenförmigen Armen die beiden Zwei-Megawatt-Antriebsstränge vom Wälzlagerhersteller SKF. Angetrieben durch die Gezeitenströmung drehen sich an ihrem Ende die beiden zweiflügeligen Rotoren mit einem Durchmesser von 21 Metern. Der in den Generatoren erzeugte Strom wird über ein Seekabel an Land geleitet. SKF lieferte bei diesem Projekt zudem die großen Rotorlager sowie den kompletten Antriebsstrang als Plug-&-Play-Modul nach Schottland. Mit dieser Technik für die Schubumkehr zwischen Ebbe und Flut liefere diese Anlagenart laut SKF etwa die doppelte Ausbeute eines vergleichbaren Windrads an Land. Dazu trage auch der weitaus höhere Lastfaktor aus der Gezeitenströmung bei. Auch die Lösung für die Zustandsüberwachung des Gesamtsystems stellt der schwedische Konzern bereit.

Energiequelle mit enormem Potenzial

Die Europäische Union hat die Bedeutung von Meeresenergie ebenfalls erkannt: In ihrer aktuellen Offshore-Strategie peilt die EU-Kommission 40 Gigawatt Meeresenergie bis zum Jahr 2050 an – erzeugt in Wellen- oder Gezeitenkraftwerken, in schwimmenden Photovoltaikanlagen und durch Algen, um Biokraftstoffe herzustellen. Die EU fördert das Orbital O2-Projekt mit Mitteln aus ihrem Forschungs- und Entwicklungsprogramm HORIZON 2020 (FloTEC) sowie aus EU-Regionalfördertöpfen für Nordwest-Europa. (ds)

www.skf.de

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