E-Autos als virtuelles Kraftwerk

01.07.2021 – Das Aufladen des Elektroautos in Einklang mit netzdienlichem Laden und Bereitstellung von Regelreserve zu bringen – so lautet das Ziel eines kürzlich gestarteten Feldversuchs in Baden-Württemberg. Die E-Autos werden über einen Zeitraum von rund drei Monaten als virtuelles Kraftwerk zusammengeschaltet. So wollen die Kooperationspartner untersuchen, inwiefern sich verteilte und an variablen Standorten angeschlossene Elektrofahrzeuge zur Bereitstellung von Regelreserve für das Stromnetz eignen.

Der Feldversuch soll auch zeigen, wie die Integration von Elektroautos in den deutschen Markt für Regelreserve möglich wäre. Momentan werden diese Reserven in erster Linie von großen und mittelgroßen Kraftwerken bereitgestellt. Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien werden Lösungen zur Bereitstellung von Regelreserve benötigt, um Erzeugung und Verbrauch stets auszugleichen.

TransnetBW E Auto

Im Rahmen des Feldtests soll die Netz- und Systemintegration von Elektroautos erprobt werden. Foto: TransnetBW GmbH

Ökosystem des Feldversuchs

Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und Jedlix, ein niederländischer Lösungsanbieter im Bereich Elektromobilität, haben den Feldtest initiiert. Mit dem Verteilnetzbetreiber Netze BW und dem Regelleistungsanbieter Next Kraftwerke haben sich kürzlich zwei weitere Kooperationspartner dem Vorhaben angeschlossen.

Über die Jedlix App können die Teilnehmer ihren Stromer laden. Während das Fahrzeug am Netz angeschlossen ist, steuert Jedlix bei Bedarf den Ladeprozess zur Sicherstellung der Netzstabilität. Dabei werden die Ladepräferenzen der Teilnehmer berücksichtigt. Sofern zusätzliche Messtechnik installiert ist, erfasst ein zusätzlicher Zähler den Energieverbrauch des Elektrofahrzeugs, genauso wie dieser vom Fahrzeug selbst gemessen wird.

Jedlix aggregiert alle verfügbaren Fahrzeuge zu einem virtuellen Kraftwerk und informiert Next Kraftwerke, den Betreiber des virtuellen Kraftwerks, über die verfügbaren Kapazitäten. Wird im Stromnetz Regelenergie benötigt, ruft TransnetBW die Leistung bei Next Kraftwerke ab. Jedlix stellt in Echtzeit die benötigte Regelleistung durch die angeschlossenen Fahrzeuge bereit. TransnetBW und Fraunhofer IEE werten Ladedaten der Fahrzeuge sowie Messdaten aus, um den Beitrag zur Netzstabilität zu analysieren.

Einbindung des Netzlabors

Im Netzlabor Intelligentes Heimladen untersucht Netze BW am Standort Ringsheim mit acht Elektrofahrzeugen, wie sich Ladeeinrichtungen netzdienlich und ohne größere Einschränkung für die Kunden steuern lassen. Diese acht Elektrofahrzeuge nehmen nun auch am Feldtest teil. Durch eine Kooperation zwischen den beiden Netzbetreibern sollen neben der Analyse des Potentials für Regelreserve auch die Auswirkungen der Regelreserve-Bereitstellung und –Lieferung auf das Verteilnetz untersucht werden.

Ziel ist es, die Ladevorgänge zukünftig so zu steuern, dass bei Aktivierung von Regelreserve aus Elektrofahrzeugen durch den Übertragungsnetzbetreiber auch die jeweils aktuellen Bedingungen des örtlichen Verteilnetzes berücksichtigt werden und dort keine Netzengpässe entstehen. Die Analysen sollen Erkenntnisse für die Netzentwicklung auf Verteilnetzebene liefern. Zudem sollen die zusätzlich generierten Messdaten des Netzlabors die Validierung der im Feldtest erhobenen Telemetrie-Daten der Elektrofahrzeuge ermöglichen. Wie die Projektpartner mitteilen, können sich weitere Netzbetreiber aus Baden-Württemberg auf allen Spannungsebenen am Vorhaben beteiligen.

Weitere Teilnehmer gesucht

An dem Feldversuch können bis zu 100 Besitzer von Elektrofahrzeugen von BMW, Jaguar und Tesla sowie vom Audi e-tron teilnehmen. Freie Plätze sind noch vorhanden. Voraussetzung ist, dass die Fahrzeuge in der TransnetBW-Regelzone Baden-Württemberg zuhause geladen werden. Sofern der Arbeitgeber zustimme, sei auch das Laden am Arbeitsplatz möglich. (ds)

www.jedlix.com

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