50,2 TV erfolgreich gestartet

Am Mittwoch, den 07. Juli 2021, ist 50,2 TV mit der ersten Live-Sendung erfolgreich gestartet. Mehr als 200 Zuschauer verfolgten die Sendung aus der Hamburger Elbphilharmonie live im Internet und bislang konnten knapp 800 Aufrufe zum ersten Branchentalk mit 50,2 TV-Moderator Sascha Schlosser und seinem Studiogast Eric Kallmeyer, Geschäftsbereichsleiter Metering der Stromnetz Hamburg, auf dem YouTube-Kanal verzeichnet werden.

Im Mittelpunkt stand die Frage: „Ist der Smart Meter-Rollout gescheitert?“

„50,2 TV ist eine neue wichtige Ergänzung unseres Medienangebotes im 50,2-Portfolio, bei dem wir unsere Branchenerfahrungen und unser Medien-Know-how dem Markt lösungsorientiert zur Verfügung stellen können“, erklärt Verlagsleiter und sig Media Geschäftsführer Peter Krückel. „Unser Ziel ist es vom Start weg mit den 50,2 Medien gewesen, dazu beizutragen, dass die Märkte funktionieren können. Dazu gehört Aufklärung und Informationstransfer: unabhängig, frei und politisch neutral. Nur so lassen sich auch manchmal schwierige und kontroverse Themen behandeln und aus der Faktenabwägung Rezepte zu deren Lösung finden. Ein erster Anfang ist mit 50,2 TV gemacht. Es werden bald weitere Angebote und Themen folgen“, kündigt Krückel an.

50,2 TV | Der Branchen-Talk | Folge 1: "Ist der Smart Meter Rollout gescheitert?"

Direktere Kommunikation durch neues Infotainment-Format

Der im Vorfeld als „erstes Infotainment-Format der Energiewirtschaft“ angekündigte Live-Talk will eine direktere und interaktive Kommunikation zu Themen schaffen, die die Branche bewegen. „Der Austausch soll informativ und lösungsorientiert sein, es darf aber auch gestritten werden. Kontroverse Positionen sind bewusst zulässig und nicht zuletzt sollen auch offene Fragen aufgeworfen werden“, erklärt Sascha Schlosser.

Passend zum Konzept des neuen Formats stand in der Sendung ein Thema im Fokus, das aktuell in der Strombranche heiß diskutiert wird: Der Smart Meter-Rollout. Die beiden Gesprächspartner spannten einen Bogen angefangen von den Gründen für die sich seit Jahren verzögernde Umsetzung des Rollouts. Eric Kallmeyer ging auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen in Hamburg ein und berichtete über erfolgreich durchgeführte Digitalisierungsprojekte. Weitere Experten-Statements ergänzten die jeweiligen Themenaspekte.

In einem Punkt waren sich jedoch alle Protagonisten am Ende einig: der Smart Meter Rollout in Deutschland ist nicht gescheitert. Ganz im Gegenteil: jetzt nimmt er erst richtig Fahrt auf.

„Umfeld aktuell zu komplex“

Eric Kallmeyer verantwortet seit über 10 Jahren das Messwesen und den Smart Meter-Rollout in Hamburg. Seit 16 Monaten setzt Stromnetz Hamburg den Rollout um, bis Anfang 2023 muss der grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB) 8.000 Smart Meter-Gateways (SMGW) installieren, um die Mindest-Rollout-Quote von 10 % in der Hansestadt zu erreichen. Eine große Herausforderung, da aktuell erst 360 SMGW verbaut sind. Stromnetz Hamburg befinde sich demnach aktuell nicht im Massen-Rollout und die Zeit laufe davon, so Kallmeyer.

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In der ersten Sendung von 50,2 TV diskutierte Moderator Sascha Schlosser mit Eric Kallmeyer, Geschäftsbereichsleiter Metering von Stromnetz Hamburg, über den Smart Meter-Rollout. Foto: sig Media GmbH & Co. KG

Ein großes Problem ist laut Herrn Kallmeyer, dass „die Durchgängigkeit der Prozesse in der IT“ noch nicht erreicht sei. Zudem sei das Umfeld beim Rollout aktuell zu komplex. Kallmeyer verweist dabei auf die Notwendigkeit, an den einzelnen Wegmarken angefangen vom Zähler über das Smart Meter-Gateway und die Kommunikationsstrecke bis zur Gateway-Administration und Abrechnung jede Schnittstelle zu besetzen. Diese Einschätzung wurde von einer von der Regie eingeblendeten Skizze zu den beim SMGW-Rollout-Prozess involvierten Akteure untermauert.

Eingeschlagenen Kurs durchziehen

Moderator Sascha Schlosser verwies auf einen Meinungsbeitrag von Norbert Jungjohann, Geschäftsführer der Stadtwerke Husum Netz, der die Umsetzung des Rollouts als ein Beispiel für deutsches „Over engineering“ prägnant zusammengefasst hat: „Nach all den Diskussionen und ergänzten Auflagen fällt es immer schwerer, Maß und Ziel zu erkennen. Vielleicht hätte uns ein wenig mehr Pragmatik gutgetan. Fest steht jedenfalls: Mit dem Vorgehen, einen Zusatznutzen erst dann zu suchen, nachdem die Regeln für den Einsatz von intelligenten Zählern festgezurrt sind, wurde das Pferd von hinten aufgezäumt. Und da wir die Dinge mit der uns eigenen Geschwindigkeit nun schon mal soweit vorangebracht haben, hat es überhaupt keinen Sinn, sie jetzt noch aufzuhalten oder gar zurückzudrehen. Also, tun wir’s auf die deutsche Art. Ziehen wir es durch!“

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Die beiden Gesprächspartner tauschten sich über den Meinungsbeitrag von Norbert Jungjohann aus. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Husum Netz plädiert trotz aller Verzögerungen und Diskussionen den eingeschlagenen Kurs beim Smart Meter-Rollout durchzuziehen. Foto: sig Media GmbH & Co. KG

OVG-Klage und MsbG-Novelle

Eric Kallmeyer stimmt der Ansicht von Herrn Jungjohann zu. Darüber hinaus kritisiert er den Zeitpunkt für die Klage beim Oberverwaltungsgericht Münster (OVG), da es seiner Ansicht nach in den letzten Jahren reichlich Gelegenheiten dafür gegeben habe, sodass man den Markt und die Verbraucher nicht hätte verunsichern müssen. Gleichzeitig gehe der Rollout für Stromnetz Hamburg weiter.

Marco Sauer, Head of Regulatory Affairs & Business Development Business Unit Smart Energy beim SMGW-Hersteller Theben, ordnete die Klage beim OVG Münster im Bezug auf die aktuelle Novelle des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) ein. Zudem erläuterte Sauer die zu erwartenden Auswirkungen der MsbG-Novelle auf den Metering-Markt. Der Einbau intelligenter Messsysteme (iMSys) müsse an Fahrt aufnehmen, um die netzdienliche Steuerung von Elektroautos und Wärmepumpen sowie die Bereitstellung von Verbrauchswerten leisten zu können. Marco Sauer betonte wie Kallmeyer die Wichtigkeit eines massentauglichen Prozesses, der alle Beteiligten in die Lage versetzt, die benötigen Stückzahlen bei den zu installierenden iMSys stemmen zu können.

Nächste Herausforderung: Netzdienliche Steuerung

Angesprochen auf die weiteren Aufgaben im Zuge der Digitalisierung der Energiewende bestätigte Eric Kallmeyer die Steuerungsnotwendigkeit unter anderem für die Elektromobilität, gleichwohl verwies er nochmals auf die eingangs erläuterte Pflichtaufgabe als grundzuständiger Messstellenbetreiber beim Rollout – auch vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit bei den bestehenden Preisobergrenzen. Deshalb sei er nicht unglücklich darüber, „sich über die nächste Stufe der Komplexität nicht sofort Gedanken machen zu müssen“. Gleichzeitig betonte der Leiter Metering, sich in der nächsten Zeit über alternative Steuerungsmöglichkeiten austauschen zu wollen. Dies werde in Hamburg indes bei der Anbindung und Steuerung von Ladeinfrastruktur bereits seit Jahren getan und auch in der Praxis umgesetzt.

Weiterhin berichtet Eric Kallmeyer über Erfahrungen mit Sub-Metering-Dienstleistern und der Wohnungswirtschaft und die Kooperation mit anderen städtischen Unternehmen zum Aufbau eines flächendeckenden LoRaWAN-Netzes.

Zuhören, verstehen, umsetzen

Trotz der widrigen Umstände hat Eric Kallmeyer bewiesen: Man kann Dinge bewegen, wenn man dem Gegenüber zuhört, versucht die Handlungsmotive zu verstehen und gemeinsam an Lösungen arbeitet. Diesen Weg des kontrollierten Machens will Eric Kallmeyer auch bei der weiteren Realisierung des Smart Meter-Rollouts gehen.

Die Aufzeichnung der ersten Sendung ist auf dem YouTube-Kanal von 50,2 TV verfügbar.

Ab September sind weitere Ausstrahlungen vorgesehen. (ds)

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