Amprion: Gemischte Bilanz zur Systemauftrennung

19.07.2021 – Der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E und die europäische Regulierungsbehörde ACER legen den Abschlussbericht zu der kontinentaleuropäischen Systemauftrennung am 8. Januar dieses Jahres vor. Der deutsche Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Amprion zieht eine gemischte Bilanz aus dem Vorfall: Zum einen hätten die vorhandenen Schutzmechanismen und die gute Zusammenarbeit der europäischen ÜNB einen Zusammenbruch des kontinentaleuropäischen Synchrongebietes verhindert. Zum anderen müsse aber auch zukünftig verstärkt darauf geachtet werden, dass die mit der europäischen Energiewende einhergehenden überregionalen Leistungsflüsse sicher beherrscht werden können.

Die vorhandenen Schutzmechanismen sowie die funktionierende Kooperation der europäischen ÜNB haben Anfang des Jahres einen großen Stromausfall im europäischen Stromnetz verhindert. Foto: mcmurryjulie / Pixabay.com ; SuriyaPhoto / Shutterstock.com
Die vorhandenen Schutzmechanismen sowie die funktionierende Kooperation der europäischen ÜNB haben Anfang des Jahres einen großen Stromausfall im europäischen Stromnetz verhindert. Foto: mcmurryjulie / Pixabay.com ; SuriyaPhoto / Shutterstock.com

Zusammenarbeit der ÜNB hat großen Stromausfall verhindert

Die vorhandenen Schutzmechanismen wie auch die funktionierende Kooperation der europäischen ÜNB haben nach der automatischen Abschaltung („Auslösung“) eines 400-Kilovolt-Sammelschienenkupplers in der kroatischen Umspannanlage Ernestinovo am 8. Januar 2021 einen großen Stromausfall im europäischen Stromnetz verhindert. Das kontinentaleuropäische Stromnetz wies zu diesem Zeitpunkt aufgrund eines hohen paneuropäischen Lastflusses eine geringe Sicherheitsmarge zum Verlust der Systemstabilität auf. Dies sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem veröffentlichten Bericht von ENTSO-E und ACER.

Bei der Systemauftrennung am 8. Januar wurden die etablierten Gegenmaßnahmen in Form von aktivierbarer Regelleistung, der vertraglich vereinbarten Unterbrechung industrieller Verbraucher und der Frequenzstützung durch andere Synchrongebiete schnell und koordiniert eingesetzt und haben so den Frequenzeinbruch stabilisiert. Amprion übernahm bei der Frequenzüberwachung als verantwortlicher Synchronous Area Monitor für Kontinentaleuropa am 8. Januar die Koordination der gemeinsamen Maßnahmen der europäischen Übertragungsnetzbetreiber.

Empfehlungen zur Verhinderung zukünftiger Vorfälle

Das Expertengremium, das den Abschlussbericht erarbeitet hat, gibt nun 22 weitergehende Empfehlungen ab, wie derartige Vorfälle künftig verhindert werden können. Diese umfassen zum Beispiel angepasste Betriebssicherheitsberechnungen, eine tiefergehende Analyse zur künftigen Stützung der Netzfrequenz sowie einen weiteren Ausbau der Kommunikation und Koordination zwischen den ÜNB. Das Gremium fordert alle beteiligten Parteien auf, die Umsetzung dieser Empfehlungen zu begleiten und zu ermöglichen, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Frank Reyer, Leiter Systemführung Netze Brauweiler bei Amprion und Vorsitzender des gemeinsamen Expertengremiums von ENTSO-E und ACER, zieht das positive Fazit, dass der hohe Anteil erneuerbarer Energien im Netz den ÜNB am 8. Januar keine Probleme bereitet hat. Gleichzeitig ist seiner Ansicht nach eine ausreichende Sicherheitsmarge unbedingt erforderlich, um plötzlich auftretenden Störungen und Fehlern entgegenzuwirken und in Europa auch zukünftig das gewohnt hohe Niveau der Versorgungssicherheit beibehalten zu können. (ds)

www.amprion.net

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