Vermarktungsoffensive in Baden-Württemberg: Waldflächen für den Ausbau von Windkraft nutzen

02.08.2021 – Das Land Baden-Württemberg will den Ausbau der Windenergie kraftvoll vorantreiben. Mit einer Vermarktungsoffensive sollen Flächen im Staatswald für den Windkraftausbau identifiziert und bereitgestellt werden.

Das Land Baden-Württemberg hat eine Vermarktungsoffensive gestartet, um Waldflächen für eine mögliche Nutzung von Windkraftanlagen zu identifizieren. Foto: Pixabay (Franz26)

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann begründet das Vorgehen unter anderem mit den Auswirkungen des Klimawandels sowie mit der Rolle, welche die Windenergie beim Umstieg auf Erneuerbare spielt: „Nicht erst seit den verheerenden Überschwemmungen machen sich die Auswirkungen des globalen Klimawandels auch hierzulande schmerzlich bemerkbar. Der Ausbau der Windenergie ist ein entscheidender Baustein auf dem Weg hin zu einem klimaneutralen Baden-Württemberg. Mit unserer im Koalitionsvertrag vereinbarten Vergabeoffensive von Staatswald- und Landesflächen für die Windkraftnutzung sollen von ForstBW Flächen im Staatswald für den Windkraftausbau identifiziert sowie zeitnah und umfangreich bereitgestellt werden.“ Hier liege noch viel unausgeschöpftes Potenzial, welches genutzt werden solle. „Mit unserem Ministerratsbeschluss vom 26. Juli werden wir den Ausbau der Windkraft im Land kraftvoll vorantreiben.“

Das Kabinett hat auf der Sitzung von 26. Juli dem Vorschlag von Forstminister Peter Hauk für eine Vermarktungsoffensive der Anstalt des öffentlichen Rechts ForstBW, die den Staatswald in Baden-Württemberg bewirtschaftet, zur Verpachtung von landeseigenen Flächen im Wald zugestimmt. „Zur Erreichung der ambitionierten Ausbauziele müssen auch neue Windkraftstandorte im Wald einen Beitrag leisten. Im Rahmen der Vermarktungsoffensive wird ForstBW neue, für eine Windenergienutzung geeignete Flächen identifizieren, interessierten Projektierern anbieten und nach einem eigens ausgearbeiteten Bewertungssystem verpachten“, berichtet Forstminister Hauk. „Das Verfahren für die Verpachtung von Staatswaldflächen muss dabei situationsangepasst und schlank sein.“

Das Land Baden-Württemberg selber sei mit einer Staatswaldfläche von etwa 320.000 Hektar der größte Waldbesitzer im Land. Insgesamt gebe es rund 1,4 Millionen Hektar Wald im Südwesten. Wo Waldflächen für die Errichtung von Windkraftanlagen in Anspruch genommen werden, sei dies durch entsprechende Maßnahmen auszugleichen. Pro Windrad seien es im Durchschnitt dauerhaft knapp 0,5 Hektar Wald, die es zu kompensieren gelte. Hinzu kämen Flächen, die temporär für die Baumaßnahmen in Anspruch genommen werden müssten.

Dr. Georg Stamatelepoulos, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungs-Infrastruktur bei der EnBW, fordert einen erhöhten Ausbau der Windenergie. Foto: EnBW

Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2021 deutschlandweit 240 Windkraftanlagen mit 971 MW Leistung in Betrieb genommen. Das sind zwar 62 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum, allerdings wird ein größerer Zubau durch wenig verbindliche Flächenausweisungen, komplizierte Genehmigungsprozesse und Artenschutzkonflikte verlangsamt. Um das Ausbauziel für das Jahr 2022 zu erreichen, ist ein weiterer Netto-Zubau von gut 1,2 GW erforderlich. Die Zubauziele wurden im EEG 2021 festgeschrieben und sind noch nicht an den erwarteten erhöhten Strombedarf bis 2030 angepasst. In den Jahren 2014 bis 2017 wurden im Vergleich jeweils rund 3,5 bis 5,5 GW pro Jahr zugebaut.

Um das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 65 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien bereitzustellen, zu erreichen, müsste das jährliche Brutto-Ausbauziel für die Windenergie an Land auf mindestens 5.000 MW erhöht werden. „Für den Klimaschutz muss das Tempo beim Ausbau der Windenergie schnellstmöglich erhöht werden“, fordert deshalb auch Dr. Georg Stamatelepoulos, Vorstand für Nachhaltige Erzeugungs-Infrastruktur bei der EnBW. „Die Verfahren müssen gestrafft und rechtssicherer werden. Außerdem brauchen wir dringend mehr Flächen für Windenergie.“ Viel Potenzial liege im sogenannten Repowering, dem Austausch älterer Windenergieanlagen gegen moderne, leistungsfähigere Modelle. Dort sollten Verfahren beschleunigt ablaufen, denn Genehmigungen liegen bereits vor und Zuwege zu den Anlagen sind gebaut. (jr)

www.stm.baden-württemberg.de

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